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"Grande Boucle"


Tour de France – auch ein Lehrstück in Schweizer Föderalismus







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Millionen Fernsehzuschauer sind live dabei, wenn die Profis der Tour de France zwei Tage durch die Schweizer Landschaft pedalen (Bild von der Tour de Suisse 2005). (Keystone)

Millionen Fernsehzuschauer sind live dabei, wenn die Profis der Tour de France zwei Tage durch die Schweizer Landschaft pedalen (Bild von der Tour de Suisse 2005).

(Keystone)

Eine Sommerparty, getoppt wenn möglich mit Schweizer Etappensiegen in Bern und den Walliser Bergen: Das erhoffen sich die Schweizer Radsportfans vom dreitägigen Gastspiel des drittgrössten Sportevents der Welt. "Le Tour" in der Schweiz: das ist aber auch ein innerschweizerisches Grossprojekt in Sachen Föderalismus.

Es ist also soweit: Die Tour ist in die Schweiz. Für volle drei Tage.

Am 18. Juli traf die "Grande Boucle" in Bern ein, das erstmals Etappenziel ist. Nach einem Ruhetag in der Bundesstadt zieht der Tross am Mittwoch ins Wallis. Der Aufstieg zur Staumauer von Emosson, wo das Ziel auf rund 2000 Meter über Meer liegt, dürfte zur Beute der Bergspezialisten werden.

Die beiden Etappen führen durch die Kantone Waadt, Neuenburg, Freiburg, Bern und Wallis. Die Organisation der Tour, sprich die Streckensicherung, wird dadurch zu einer Herkulesaufgabe. Denn der Föderalismus als eine der Säulen der Schweizer Demokratie besagt, dass jede Gemeinde Herrin über ihr eigenes Gebiet ist.

"In der Schweiz muss jede Gemeinde, die der Tour-Tross durchquert, einverstanden sein", sagt Alexander Tschäppät gegenüber swissinfo.ch. Der Berner Stadtpräsident und der Unternehmer und Mäzen Andy Rihs, beides begeisterte Radfans, waren wesentlich beteiligt am Zustandekommen des Tour-Abstechers in die Schweiz.

Hier Gemeindehohheit, drüben Strammstehen

Allein im Kanton Bern mussten die Promotoren 40 Gemeinden kontaktieren. "Alle haben mitgemacht, wenn auch anfangs nicht alle mit derselben Begeisterung", so Tschäppät. Das Nein einer einzigen Gemeinde hätte die Etappenpläne der Franzosen durcheinander gebracht.

Dieser Beitrag ist Teil von #DearDemocracy, der Plattform für direkte Demokratie von swissinfo.ch

Das ist die Story: "Bienvenue Le Tour de France in der Schweiz!" Da ist viel föderalistisches Fingerspitzengefühl gefragt: Sagt eine Gemeinde "Non" zur obligatorischen Sperrung ihrer Strasse, käme der ganze Etappenplan durcheinander. 

Anders im zentralistischen Frankreich. "Dort stehen die Gemeinden stramm, wenn sich die Tour ankündet, da gibt es keine Diskussion", so Tschäppät.

Aber allem Schweizer Föderalismus zum Trotz: Bei der Streckensicherung haben die Franzosen das Sagen. Ihre strikte Vorgabe: Die befahrenen Strassenabschnitte müssen fünf Stunden gesperrt sein.

"Die fünf Kantone, durch welche die Tour führt, müssen bei der Organisation der Streckensicherung zusammenspannen. Diese Zusammenarbeit der Polizeien und Strassenverkehrsämter funktioniert gut", freut sich Tschäppät.

Die Mobilität auf den Tour-Etappen ist für alle Verkehrsteilnehmenden massiv eingeschränkt. Am Mittwoch beispielsweise wird das ganze Simmental zum Sperrgebiet. "Die Anlieferung von Frischbeton an diesem Tag ist sicher keine gute Idee", illustriert Tschäppät. Doch dank frühzeitiger Information aller, aber auch dank finanziellem Entgegenkommen durch den Kanton, können die Organisatoren auf das Verständnis der Bevölkerung zählen. 

Auf der Habenseite profitieren die Schweizer "Tour-Regionen" wie das Simmental von der enormen Fernseh-Reichweite. "Die Fernsehsender France 2 und Eurosport übertragen die Etappen live ab dem Start. Das gibt immerhin schöne Bilder von der Fahrt des Tour-Feldes durchs Simmental."

Tour de France 2016 in der Schweiz

18. Juli: Moirans-en-Montagne/F nach Bern.

19. Juli: Ruhetag in Bern.

20. Juli: Bern nach Finhaut-Emosson (Bergankunft).

393,5 der 3519 Kilometer der Tour 2016 führen durch die Schweiz.

Der Tour-Tross mit Fahrern, Teammitgliedern und Medienleuten besteht aus über 1500 Personen und beschert dem Etappenort rund 1550 Übernachtungen.

Allein in Bern sind 1100 freiwillige Helfer im Einsatz, die das insgesamt viertägige Velofest erst möglich machen.

Die Stadt Bern steuert 500'000 Franken bei, der Kanton 1,75 Mio. Franken (Kosten nur Kanton Bern).

Die TdF wird in 190 Länder übertragen und erreicht Hunderte von Millionen Fernsehzuschauer. Das macht sie zum drittgrössten Sportereignis der Welt.

Das sind keine leeren Worte Tschäppäts. Die 10. Etappe der diesjährigen Tour verfolgten auf France 2 im Schnitt über drei Millionen Zuschauer, wie die französische Sportzeitung "L'Équipe" berichtete.

Die TdF wird in 190 Länder übertragen und erreicht gemäss Veranstaltern 3,5 Milliarden Fernsehzuschauer. Das macht sie zum drittgrössten Sportevent der Welt nach den Olympischen Spielen und der Fussball-Weltmeisterschaft.

Hohe Radberge vs. hoher Franken

Von dieser massiven TV-Präsenz will auch das Wallis profitieren. Mit dem spektakulären Schlussaufstieg zur Mauer des Emosson-Stausees lanciert der Kanton nämlich "Wallis Velo Tour". Ein neues Tourismus-Angebot, mit dem er eine Pionierrolle einnimmt: Als erster Schweizer Kanton will sich das Wallis explizit als Destination für radsportbegeistere Feriengäste positionieren.

Die Eckdaten von "Wallis Velo Tour": 740 ausgeschilderte Kilometer auf Walliser Strassen, 18'500 Höhenmeter, 10 Etappen (frei einteilbar).

"Sportlich-ambitionierte Fahrer, die auf Höhenmeter aus sind, kommen ebenso auf die Rechnung wie Genussradler auf dem flachen Veloweg entlang der Rhone", sagt Damian Constantin, Direktor des neuen Angebots.

Ziel sei es, den Gästen im Wallis "ein tolles und umfassendes Velo-Erlebnis" zu bieten. Dazu zählt Constantin auch kulturelle und gastronomische Angebote wie die Degustation von Wein und anderen Spezialitäten.

"Radsportbegeisterte sind ein attraktives, weil kaufkräftiges Gästesegment. Sie sind bereit, sich gute Angebote auch bei hohem Frankenkurs etwas kosten zu lassen", so Constantin. 

Frage an Sie: Profitiert die Schweiz vom dreitägigen Gastspiel der Tour de France? Schreiben Sie uns in den Kommentaren!

swissinfo.ch

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