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Digitale Demokratie


Frischzellenkur für Migrationspolitik dank "Schwarmintelligenz"







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Farbige Post-It-Zettel für eine frische Integrationspolitik der Schweiz. Bild aus einem der Workshops, die Foraus im Rahmen von "Crowd-Thinking Migration" in sieben Schweizer Städten durchführte. (foraus.crowdicity.com)

Farbige Post-It-Zettel für eine frische Integrationspolitik der Schweiz. Bild aus einem der Workshops, die Foraus im Rahmen von "Crowd-Thinking Migration" in sieben Schweizer Städten durchführte.

(foraus.crowdicity.com)

In der Schweizer Asyl- und Integrationspolitik dominieren tiefe Gräben. Wie diese Situation überwinden? Auf einen Aufruf im Internet gingen über 100 Vorschläge ein. Jetzt ist das Publikum am Zug, die besten daraus auszuwählen. 

Dieser Beitrag ist Teil von #DearDemocracy, der Plattform für direkte Demokratie von swissinfo.ch.

"Crowd-Thinking Migration": Dies der Name einer Plattform, die seit vergangenem April im Internet aufgeschaltet ist. Das Ziel dahinter: Mit digital eingefangener Schwarmintelligenz die Integrationspolitik der Schweiz weiterentwickeln.

Die Idee stammt von Foraus, einer Schweizer Denkfabrik zur Aussenpolitik.

Auf der Plattform konnten Bürgerinnen und Bürger drei Monate lang visionäre Ideen und Vorschläge einreichen. Die Initianten beliessen es aber nicht bei dieser digitalen Mitwirkung. In sieben Städten, so in Genf, Basel, Zürich, Bern, und Lausanne, organisierten sie Workshops, sogenannte policy hacks. Auch hier war das Ziel, frische Ideen zu sammeln.

Mitgemacht hätten vorwiegend Vertreterinnen und Vertreter der Zivilgesellschaft sowie von internationalen Organisationen und Universitäten, sagt Projektleiter Jonas Nakonz.

Der Effort seines Teams wurde belohnt: Der Aufruf in den drei Sprachen Deutsch, Französisch und Englisch brachte 101 Vorschläge ein. Im August kann das Publikum in einer Online-Abstimmung die besten erküren.

Danach aber sind die Spezialisten am Zug: Eine Jury aus Fachleuten erstellt eine Liste mit den 15 vielversprechendsten Vorschlägen. Über die Projekte auf dieser Shortlist debattieren dann am 7. September in Zürich 200 Entscheidungsträger. Die Veranstaltung mit Namen "Ideenmarkt Migration" steht dem Publikum nicht offen.

Dafür plant Foraus, die siegreichen Projekte in Buchform zu publizieren.

Aber nun zum Inhalt. Die neuen Ideen sollen mithelfen, eine gemeinsame Vision für das Einwanderungsland Schweiz zu schaffen.

Interkulturelle Botschafter und Green Card à la USA

Nakonz ist nicht nur über das grosse Echo erfreut, sondern auch über das breite Spektrum, das die eingegangenen Vorschläge abdecken. "Sie reichen vom einfachen, aber sehr konkreten Vorschlag, die offiziellen Interviews der Behörden mit den Asylsuchenden aufzuzeichnen, bis zur Verleihung politischer Rechte für alle Bewohner in der Schweiz", sagt Nakonz.

Weitere Vorschläge, die auf "Crowd-Thinking Migration" eintrafen: der Einsatz von interkulturellen Botschaftern, eine Initiative zur Koordinierung von Integrationsprojekten oder die Einrichtung von Beratungs-Stützpunkten in den Herkunftsländern der Asylsuchenden.

Sehr konkret ist auch die Forderung, dass die Schweiz für Einwanderer eine "Green Card" einführen soll, also ein Zugang zum hiesigen Arbeitsmarkt nach Vorbild der USA. Eine ganze Reihe von Inputs geht in Richtung vereinfachte Integration von Ausländern in die Gesellschaft der Schweiz

Einige Vorschläge gehen auch in die Richtung, dass Schulen, Wissenschaftler und Medien stärker in die Migrationspolitik eingebunden werden und mithelfen sollen, ein besseres Klima zu schaffen, um Flüchtlingen Schutz zu garantieren und Perspektiven zu bieten.

Asylsuchende benötigten aber nicht nur Schutz, sondern müssten in erster Linie eine Langfristperspektive haben sowie die Chance, an der Gesellschaft teilzuhaben, schreibt etwa Laurence Herzog im Blog auf der Beteiligungsplattform.

Für Foraus-Präsident Nicola Forster ist klar, dass die Schweizer Einwanderungspolitik dringend eine neue Vision benötigt. "Wir müssen Migration als Chance begreifen", so Forster.




(Übertragung aus dem Englischen: Renat Kuenzi), swissinfo.ch

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