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Drei wollen in den Bundesrat "Das dürfte einem Profi nicht passieren"

Porträt Pierre Maudet, Ignozio Cassis, Isabelle Moret

Die Kandidierenden für den Bundesrat: Isabelle Moret, Ignazio Cassis, Pierre Maudet (von rechts nach links).

(Keystone)

Wer wird Ende September in die Landesregierung gewählt? Faktisch ist die Kür in den Kantonen beendet, zwei Kandidaten und eine Kandidatin der FDP.Die Liberalen wollen in den Bundesrat gewählt werden. "Für sie gilt jetzt, keine Fehler mehr zu machen", sagt Politiker-Coach Mark Balsiger.

Aus drei Kantonen der lateinischen Schweiz haben sich Kandidatinnen und Kandidaten in Stellung gebracht. Es sind dies:

Pierre Maudet: Der 39-jährige Genfer Staatsrat ist ein politischer Senkrechtstarter. Bereits im Alter von 21 Jahren zog er ins Genfer Stadtparlament ein und schaffte 2007 als 29-Jähriger den Einzug in die Stadtregierung. 2012 wurde er in die Kantonsregierung gewählt. Bis 2007 war er Berater in einem Kommunikationsunternehmen.

Ignazio Cassis: Der Nationalrat aus dem Kanton Tessin ist Arzt, 56-jährig und perfekt dreisprachig. Zu reden geben seit seiner Kandidatur seine diversen Mandate im Gesundheitswesen. Er präsidiert unter anderem den Krankenkassenverband Curafutura.

Isabelle Moret: Die Waadtländerin ist seit 2006 im Nationalrat. Davor sass die Rechtsanwältin während sieben Jahren im Waadtländer Kantonsparlament. Die 46-jährige Sozial- und Gesundheitspolitikerin spricht ausser Französisch auch fliessend zwei weitere Landessprachen.

In den Medien werden die Kandidierenden bereits seit Tagen auf Herz und Nieren geprüft. Worauf sollten Kandidierende für den Bundesrat besonders achten? Das fragte Moderator Sven Epiney den Politologen Mark Balsiger in einer SRF-Radio-Sendung.

SRF: Sollte man sich als Bundesratskandidatin oder -kandidat als erstes einen PR-Berater oder Coach holen gehen?

Mark Balsiger: Externe Unterstützung kann vorteilhaft sein. Ein PR-Berater oder eine ehemalige Journalistin, die wissen, wie es bei den Medien läuft, können die Kandidierenden vor gewissen Fehlern abhalten, Zitate autorisieren, Medientraining machen usw.

SRF: Ist es nicht besser, eine gute Ansprechperson in der Partei zu haben?

M.B.: Vermutlich ist ein Götti oder eine Gotte aus der eigenen Fraktion, der oder dem man blind vertrauen kann, noch wichtiger. Vor Bundesratswahlen wird so häufig gelogen wie sonst nie.

SRF: Einige Namen, wie Ignazio Cassis oder Pierre Maudet sind seit einiger Zeit bekannt. Sind diesen Kandidaten schon Fehler unterlaufen?

M.B.: Bei beiden konnte man relativ grosse Fehler feststellen in den letzten Tagen. Ignazio Cassis hat sich ungeschickt über Frauenkandidaturen geäussert, im Sinn von, falls dies das einzige Kriterium sei sollte, um auf das Ticket zu kommen, würde er sich fast genieren. Das dürfte einem Profi nicht passieren.

Von Isabelle Moret konnte man in den Zeitungen Bund und Tages-Anzeiger lesen, dass sie einer Gruppe der Rüstungslobby beitrat, aber sich dort eigentlich nur Informationen beschaffen wollte. Das ist unschön.

SRF: Braucht es deshalb ein Rhetorik-Training für öffentliche Auftritte?

M.B.: Es geht darum, dass die Kandidatinnen und Kandidaten sicherer auftreten. Viele von ihnen haben solche Trainings schon längstens gemacht. Sowohl Frau Moret wie Herr Cassis, die in der Favoritenrolle sind, gehören bereits seit zehn Jahren dem Nationalrat [grosse Parlamentskammer, N.d.R.] an.

Ich vergleiche es mit dem Tour-de-Suisse [Radrennfahrt, N.d.R.]. Es sind mehrere Etappen, und die wichtigsten – im Unterschied zum Tour-de-Suisse – fanden ohne Aufmerksamkeit der Medien und des Publikums statt, sich in eine günstige Position zu bringen.

SRF: Bundesräte werden nicht vom Volk sondern vom Parlament gewählt. Was muss man tun, um sich dort in eine gute Position zu bringen?

M.B.: Gewählt werden die Kandidierenden von den 246 Parlamentarierinnen und Parlamentariern. Es ist ein Vorteil, im Parlament gut verankert, als verlässlicher Partner bekannt zu sein und nicht zu vielen Leuten auf die Füsse getreten zu sein. 

Mark Balsiger trainiert Politiker.

(zvg)

SRF: Die Bundesratskandidaten werden gnadenlos durchleuchtet. Was macht man mit Altlasten, mit Leichen im Keller? Legt man sie besser gleich auf den Tisch oder sollte man sie noch tiefer vergraben?

M.B.: Ich erinnere an Bruno Zuppiger. Im Dezember 2011 war er schon fast Kandidat der SVP, als bekannt wurde, dass er sich einer Veruntreuung schuldig gemacht hatte. Die grossen Fälle kann man nicht zum Verschwinden bringen, weil die Medien sehr genau hinschauen. Bei den mittelgrossen Fällen, den dunklen Flecken, hilft es vermutlich, wenn man sie rechtzeitig selber auf den Tisch bringt und diese proaktiv kommuniziert.  


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