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Fotograf Romano P. Riedo "Hinterland"

Seit vielen Jahren fotografiert der Freiburger Romano P. Riedo Menschen, Tiere, Ereignisse und Dinge, die mit der Alpwirtschaft verbunden sind. Sein erster Bildband zu diesem Thema liegt beinahe zwanzig Jahre zurück – der Titel des Buches damals "Alpzeit". Nun liegt die Fortsetzung vor: "Hinterland".

Riedos Reportagebilder, wenn man das Resultat einer langjährigen Arbeit denn so nennen kann, wurden kürzlich mit einem Swiss Press Photo 2014 Preis ausgezeichnet. Es ist spürbar, dass Riedo das Leben und die Arbeit mit den Tieren auf der Alp aus eigener Erfahrung kennt. Seine Aufenthalte als Alphirte fasst er so zusammen: "Es gibt viel Einsamkeit auf der Alp" – neben der strengen Arbeit also viel Zeit, Gedanken nachzuhängen.

Er ist wohl selber viele Male über den Stacheldrahtzaun gestiegen, bevor er sich dazu entschieden hat, den im spitzen Draht verfangenen Büschel mit Kuhhaar zu fotografieren. Er hat das grobe Leinen des frisch gemachten Bettes mit eigener Hand glattgestrichen und das Holzscheit zum Anzünden des Feuers unzählige Male fächerförmig angeschnitten, bevor er sein Auge durch die Kamera darauf richtete. Entstanden sind dabei Bilder, die uns einen kleinen Blick ins Leben im "Hinterland" ermöglichen. Einen Ort, der Teil ist unserer Welt, den wir aber oft nicht mehr wahrnehmen, weil es dazu Zeit braucht – und Ruhe. Riedos Bilder laden dazu ein, sich diese Zeit zu nehmen.

Der Fotograf bedient sich bewusst der schwarz-weissen Fotografie und benutzt analoge Technik. Nicht weil er Purist ist oder Traditionalist, sondern weil diese Technik dem Gegenstand seiner Arbeit am besten entspricht. Die Langsamkeit des Lebens, das Riedo dokumentiert, setzt sich im aufwändigen Prozess der Verarbeitung in der Dunkelkammer fort.

Der Verzicht auf Farbe erleichtert es uns, mit dem Blick nicht an der Oberfläche haften zu bleiben und für einen Moment ins Bild versinken zu können. Mit "Hinterland" könnte auch das Leben hinter den Bildern gemeint sein, die Bedeutung der Dinge, die sich einem erst bei wiederholtem Betrachten offenbart.

Alle Bilder: Romano P. Riedo / fotopunkt.ch
Text: Thomas Kern / swissinfo.ch