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"Schlamm, Schlamm und nochmals Schlamm"


Von Sophie Douez


Warten auf Trinkwasser vor einem Lastwagen. ()

Warten auf Trinkwasser vor einem Lastwagen.

Das Schweizer Hilfsteam, das kurz vor Weihnachten ins philippinische Katastrophengebiet aufgebrochen war, ist zurück. Die Experten unterstützten die lokalen Behörden beim Wiederaufbau der Wasserversorgung. – Interview mit dem Leiter des Teams.

Der verheerende Tropensturm "Washi" fegte in der Nacht vom 16. auf den 17. Dezember über den Süden der Philippinen und löste gigantische Überschwemmungen aus. Mehr als 1000 Menschen fanden den Tod. Viele Tausend mussten ihre Häuser verlassen und in Evakuierungszentren versorgt werden.

Im Gespräch mit swissinfo.ch vergleicht der Leiter des Teams, Claudio Valsangiacomo, die Auswirkungen des Sturms mit der Situation nach dem Tsunami im Jahr 2004 in Indonesien.

swissinfo.ch: Wie war die Lage bei Ihrer Ankunft?

Claudio Valsangiacomo: Sie war nicht vergleichbar mit derjenigen nach andern Überschwemmungen, an die wir uns gewöhnt haben. Die Lage glich der nach einem Tsunami. Die immensen Wassermassen mit bis zu zehn Meter hohen Wellen ergossen sich innert wenigen Stunden oder sogar Minuten über Dörfer und Landschaften. Die Situation war vergleichbar mit derjenigen nach dem Tsunami in Indonesien im Jahr 2004.

Zum Zeitpunkt unserer Ankunft war das Wasser wieder abgeflossen und der Fluss war wieder in seinem ursprünglichen Zustand. Gewisse Quartiere waren vollständig, andere lediglich zum Teil zerstört und überall hatte es Schlamm, Schlamm und nochmals Schlamm.

swissinfo.ch: Was war Ihre Aufgabe?

C.V.: Unsere Hauptaufgabe bestand darin, die Krisengebiete mit Trinkwasser zu versorgen. Die Überschwemmungen haben die meisten Trinkwasserquellen verseucht. In Cagayan de Oro, einer Stadt mit einer halben Million Einwohnern, war die Hauptwasserleitung komplett zerstört. Mehr als die Hälfte der Stadt war ohne Wasser. Die lokalen Behörden liessen nach den Überschwemmungen per Lastwagen Wasser in die Stadt karren. Doch das ist problematisch, denn es braucht sehr viele Lastwagen und die Qualität des Wassers ist nicht garantiert.

Als erstes haben wir als Ersatz für das von den Fluten zerstörte Wasserlabor ein neues Laborator installiert. Dann haben wir lokale Fachleute für den Umgang mit der Installation ausgebildet, so dass sie nun die Wasserqualität selbständig messen und überwachen können. Wir haben auch den Chauffeuren der Wasserlastwagen gezeigt, wie man Wasser chlort und beim Wiederaufbau von Trinkwasserbrunnen mitgeholfen.

Unsere letzte Aufgabe bestand darin, beim Aufräumen in den am stärksten betroffenen Quartieren mitzuhelfen. Dazu stellten wir lokale Helfer ein, die für 250 Pesos, also umgerechnet 5 Franken 40 im Tag, den Schlamm wegräumten. Dazu gingen wir eine Partnerschaft ein mit der Schweizer Zementriesen Holcim, die auf den Philippinen aktiv ist. Holcim stellte ihre schweren Baumaschinen für die Aufräumarbeiten zur Verfügung.

swissinfo.ch: Welche misslichen Umstände belasten die lokale Bevölkerung am stärksten?

C.V.: Die Wasserversorgung und der Zustand der sanitären Installationen sind wie die Nahrungsversorgung immer noch nicht zu 100 Prozent gelöste Probleme. Die betroffene Bevölkerung lebte schon vor den Überschwemmungen in einer prekären Situation. Zwei Wochen nach der Katastrophe bleiben die fehlenden Unterkünfte für Hunderttausende von Menschen ein dringendes Problem. Für den Moment sind die Obdachlosen in den Schulen untergebracht. Doch bald werden die Kinder wieder zur Schule gehen. Die Frage, wo die Obdachlosen untergebracht werden, ist nicht gelöst.

swissinfo.ch: Wo liegen die gesundheitlichen Risiken?

C.V.: Im Moment scheint das Risiko für eine Epidemie nicht sehr gross zu sein, auch wenn eine Zunahme von Magen-Darm-Krankheiten und von Erkrankungen der Atmungsorgane zu verzeichnen sind. Solche Krankheiten sind bei der lokalen Bevölkerung besonders während der Monsun-Saison nicht aussergewöhnlich.

In den vergangenen Tagen sind vermehrt Fälle von Leptospirose (Schweinehirtenkrankheit) aufgetreten. Auslöser dieser bakteriellen Krankheit sind Schlamm und mit Fäkalien verunreinigtes Wasser. Die Symptome sind vergleichbar mit Grippesymptomen.

Das SHK

Das Schweizerische Korps für humanitäre Hilfe (SKH) ist ein Milizkorps und umfasst einen Pool von rund 700 einsatzbereiten Personen, die entsprechend ihren Kenntnissen und Fähigkeiten in Fachgruppen eingeteilt sind.

Das SKH ist ein Mittel der Humanitären Hilfe des Bundes für direkte Aktionen und die Unterstützung internationaler Organisationen durch Spezialisten.

Das SKH ist ein Pool von Expertinnen und Experten, die der Humanitären Hilfe des Bundes zum weltweiten Einsatz zur Verfügung stehen.

Die Teams des SKH werden zu einem grossen Teil in direkten Aktionen im Ausland eingesetzt.

Darüber hinaus arbeiten sie zunehmend in verschiedensten Positionen für internationale humanitäre Partnerorganisationen wie dem UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR), dem Welternährungsprogramm (WFP), der UNO-Koordinationsstelle für humanitäre Angelegenheiten (UN-OCHA), dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) und dem Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA).

Rund 15% der Korpsangehörigen sind Frauen (UNRWA).


(Übertragung aus dem Englischen: Andreas Keiser), swissinfo.ch



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