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#Weareswissabroad Coronavirus: Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer fliehen aus Italien

Eingang Inselspital Bern.

Das Coronavirus hält nicht nur die Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer in Atem. Hier der Eingang des Berner Inselspitals.

(Keystone / Anthony Anex)

Das Coronavirus breitet sich aus. Heute wurden in der Schweiz Grossveranstaltungen bis Mitte März abgesagt. In Italien herrscht schon seit einer Woche ein Ausnahmezustand. SWI swissinfo.ch hat bei Auslandschweizerinnen und Auslandschweizern in Italien nachgefragt, wie sie die Situation einschätzen. 

Fussballspiele, Fasnacht, Autosalon. In der Schweiz wurden wegen der Ausbreitung des Coronavirus Veranstaltungen mit über 1000 Personen verboten.

In Italien wurden ähnliche Massnahmen bereits Anfang Woche beschlossen. Ganze Städte stehen unter Quarantäne. Nach wie vor gibt es in unserem südlichen Nachbarland die meisten Fälle von Infizierten.

Wir haben bei Auslandschweizern nachgefragt, wie sie die Situation vor Ort erleben. So berichtete Daniel C. Rohr, Politikberater, Dozent und Autor, der in Venedig und Padua lebt, auf Twitterexterner Link dass die Stimmung "strange" sei. "Es ist markant ruhiger geworden, es hat viel weniger Leute auf der Strasse", sagt er heute am Telefon gegenüber SWI swissinfo.ch.

Daniel C. Rohr, Italien


(zvg)

Angst vor Überreaktion

Veneto sei zwar nicht so stark betroffen wie die Lombardei, aber trotzdem spüre man die Konsequenzen. So wurde auch der Karneval in Venedig "relativ zackig" abgesagt. Ihn selbst betreffen die Massnahmen der Regierung ebenfalls: "Eigentlich hätte ich morgen an einer Ausstellung in Venedig teilgenommen, diese wurde aber abgesagt."

Ihm mache das Virus per se nicht Angst. "Sorgen mache ich mir aber schon. Ich fürchte mich vor einer Überreaktion oder dass falsch vorgegangen wird", sagt Daniel C. Rohr. Als Fachmann für Krisensituationen sei es für ihn sehr interessant zu sehen, wie die Epidemie nun in Italien und wie in der Schweiz gehandhabt werde.

Irene Beutler-Fauguel, Präsidentin des "Collegamento svizzero in Italia".

(swissinfo.ch)

Auch die Präsidentin aller Schweizerclubs in Italienexterner Link steht in engem Kontakt mit ihren Delegierten. Irène Beutler-Fauguel, die über 40 Jahre in Rom lebte, mittlerweile aber abwechselnd sechs Monate im Jahr in Luzern und in der Toskana wohnt, sagt: "Die einen sind sehr besorgt, die anderen weniger."

So sei vor allem die nächste Sitzung des Auslandschweizerratsexterner Link am 14. März in Bern ein grosses Thema. "Ich überlasse den Delegierten die Entscheidung, ob sie nach Bern kommen wollen oder nicht", sagt sie. Dies könne sie niemandem abnehmen. [Die ASO hat mittlerweile entschieden, dass die Sitzung vom 14. März abgesagt wird]

Was mit dem geplanten Kongress des "Collegamento Svizzero in Italia" im Mai in Florenz passieren wird, kann sie noch nicht abschätzen. "Ich bin eine Person, die Probleme anpackt, wenn sie da sind", sagt die ehemalige Lehrerin.

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Mailand ist eine Geisterstadt

Gian Franco Definti, Präsident der Schweizerischen Gesellschaft in Mailand, ist Mitglied des Auslandschweizerrates und lebt seit 50 Jahren in Mailand, dem mutmasslichen "Epizentrum" der Coronavirus-Ansteckungen in Italien. 

Gian Franco Definti, Italien

(Thomas Kern/swissinfo.ch)

"Es ist falsch, Mailand für alles verantwortlich zu machen. Die Stadt ist ein Eisenbahnknotenpunkt, das Virus kam aus dem ganzen Land." Und auch Daniel C. Rohr sagt: "Mit Chinas Seidenstrassen-Konzept ist Italien ein wichtiger Handelspartner." Es gebe sehr viele Chinesen, die hin und her reisen würden. Deshalb erstaune es nicht, dass das Virus nun in Italien derart akut sei.

"Das Schweizer Konsulat ist natürlich offen geblieben", sagt Gian Franco Definti. Aber die Behörden würden kein Risiko eingehen wollen und haben die Einstellung aller Vereinsaktivitäten und anderer Veranstaltungen angeordnet. Sie haben auch eine Reihe von öffentlichen Orten wie das Schweizer Institut, die Schweizer Schule von Mailand und die Handelskammer geschlossen.

"Mailand ist eine Geisterstadt". Während es normalerweise eine Stunde dauere, sie zu durchqueren, würden in den letzten Tagen zehn Minuten ausreichen.

"Ich glaube, die Wirtschaft wird unter der Situation leiden", so Gian Franco Definti. "Die Menschen haben Angst. Ich kenne mehrere Schweizer, die aus Italien geflohen sind, um mit ihren Familien in der Schweiz Zuflucht zu suchen."

Definti hat gegenüber swissinfo.ch angetönt, dass es sogar möglich sei, dass die Auslandschweizerorganisation ASO ihre geplante Auslandschweizerratssitzung absagen werde: "Es wäre unvernünftig, 200 Personen aus der ganzen Welt nach Bern zu holen." Die ASO hat mittlerweile entschieden, dass die Sitzung vom 14. März abgesagt wird.  

In Mailand dürfte sich ab Montag das Leben wieder mehr oder weniger normalisieren. Die Behörden haben angekündigt, dass die geschlossenen Institutionen wieder öffnen können. Es bleibt abzuwarten, ob die Bevölkerung folgen wird.

Gemäss Bundesamt für Statistikexterner Link lebten Ende 2018 49'644 Schweizerinnen und Schweizer in Italien, davon 29'765 Frauen. 

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