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1968-2018 Als Prag in die Schweiz kam

Am 21. August 1968 setzten die Truppen der Sowjetunion dem Prager Frühling ein Ende. In der Schweiz zeigte die Bevölkerung sofort Solidarität mit dem tschechoslowakischen Volk. Das Land nahm Tausende von Flüchtlingen ohne grosse Formalitäten auf. 

In den Stunden und Tagen nach der militärischen Intervention des Warschauer Paktes fanden in verschiedenen Schweizer Städten Solidaritätsbekundungen mit der Tschechoslowakei und Proteste gegen die Sowjetunion statt. Vandalismusakte trafen die Zürcher Büros von Aeroflot und der Sowjetischen Handelsbank. Auch Beamte der sowjetischen Botschaft wurden verbal angegriffen. 

Die Schweizer Regierung reagierte relativ ruhig auf die Ereignisse. Der Bundesrat tat lediglich seine Ablehnung kund und unterstrichexterner Link die "Sympathie" des Schweizer Volkes für den Wunsch des tschechoslowakischen Volkes nach "grösseren Freiheiten", lehnte aber das Einfrieren der diplomatischen Beziehungen zu den Ländern des Sowjetblocks ab.

Unmittelbar nach den Ereignissen in Prag beschloss die Schweiz jedoch, ihre Grenzen für tschechoslowakische Flüchtlinge zu öffnen, wie sie es 1956 für die Ungarn tat. Bis Ende 1969 erhielten mehr als 11'000 Tschechoslowaken politisches Asyl in der Schweiz. Insgesamt flohen 13'000 bis 14'000 Tschechoslowaken in die Schweiz. Die Schweiz war damit das grösste Aufnahmeland in Europa.

Die Schweizer Asylpraxis für tschechoslowakische Flüchtlinge war sehr liberal und wurde von einer grossen Solidaritätsbewegung unterstützt. Den Flüchtlingen wurde unbürokratisch der politische Flüchtlingsstatus zuerkannt, und die meisten von ihnen fanden ohne Schwierigkeiten Arbeit. 

Die Haltung der Schweiz beruhte damals auch auf weit verbreiteten antikommunistischen Gefühlen. Die rasche Integration der tschechoslowakischen Flüchtlinge wurde zudem dadurch gefördert, dass es sich meist um hoch qualifizierte Personen handelte.

"Die Schweizer nahmen uns mit grosser Herzlichkeit auf. Ich bin der Schweiz auch heute noch dankbar", sagt die Psychologin Jaromira Kirstein, die 1968 im Alter von 19 Jahren in die Schweiz floh. Damals war sie Studentin an einer Kunstschule, in der Schweiz machte sie die Matura und schrieb sich an der Universität ein. Seit 1983 ist sie Schweizer Staatsbürgerin. "Mein Leben wäre ganz anders verlaufen, wenn ich nicht dem Rat meiner Mutter gefolgt wäre und die Tschechoslowakei für das Studium verlassen hätte."

Alle Bilder von Keystone. 

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