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2019-nCoV Ist die weltweite Angst vor dem Wuhan-Coronavirus begründet?

Die WHO hat wegen dem Ausbruch des Wuhan-Coronavirus einen "internationalen Gesundheitsnotstand" ausgerufen. Sie hat aber nicht empfohlen, Handel und Verkehr mit China einzuschränken. Besteht Grund für eine Panik? Ein Blick auf die Fakten.

Coronavirus

3-D-Modell des Coronavirus 2019-nCoV.

(Keystone / Centers For Disease Control And )

 

Warum spricht man von Coronavirus?

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Weil das Virus unter dem Mikroskop von einer Krone umgeben zu sein scheint. 2019-nCoVexterner Link gehört zur gleichen Familie wie das SARSexterner Link-Virus (Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom), das 2003 in China auftauchte, sowie das MERSexterner Link-Virus (Middle East Respiratory Syndrome), das 2012 in Saudi-Arabien auftrat.


Woher kommt 2019-nCoV?

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Es wird angenommen, dass es von einem Tier, einer Schlange oder einer Fledermaus kam, und auf einen Menschen übertragen wurde, wahrscheinlich auf dem Markt von Wuhan. Es ist wichtig zu wissen, dass Chinesen viele Arten von Fleisch mögen, die man in unseren westlichen Supermärkten nicht findet. Um die Frische zu garantieren, bieten die Händler lebende Tiere an.

Pékin

25. Januar 2020. Diese Strasse in Beijing ist kaum belebter als die Strassen in Wuhan, nachdem die Feierlichkeiten zum chinesischen Neujahr abgesagt wurden.

(Keystone / Wu Hong)

 

Wie wird das Virus übertragen?

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Wie seine Vorgänger kann auch das Wuhan-Coronavirus vom Tier auf den Menschen, sowie von Mensch zu Mensch übertragen werden. Es wird durch sehr engen Kontakt mit einem kranken Tier oder einer kranken Person übertragen – durch intimen Kontakt, beim Husten oder Niesen, in gemeinsamen Unterkünften, von Angesicht zu Angesicht im Abstand von weniger als einem Meter.

 

Wie gefährlich ist es?

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Hier sind zwei Faktoren zu berücksichtigen: Die Übertragung (2019-nCoV wird relativ leicht übertragen) und die Sterblichkeitsrate (der Anteil der Menschen, die daran sterben), wie Harris Héritier, Epidemiologe am Tropeninstitut Basel, erläutert. Das "New England Journal of Medicine" schätzt die Letalität des Wuhan-Virus derzeit auf etwa 4%. Zum Vergleich: Für SARS lag die Rate bei 9,5%, für MERS beträgt sie 34%.

Coronavirus

Coronavirus

 

Gibt es gefährdete Gruppen?

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"Wir vermuten dies, aber nur aufgrund von früheren Epidemien", erklärt Héritier. "Tatsächlich erlauben es die Daten noch nicht, formell zu sagen, ob es Gruppen gibt, die anfälliger sind als andere. Und es kann gefährlich sein, Annahmen in diesem Sinne zu machen, denn wie wir bei der Spanischen Grippe gesehen haben, waren die Menschen, die am meisten gefährdet waren jene mit einem stärkeren Immunsystem."

 

Inwiefern sind diese Coronaviren gefährlicher als die der saisonalen Grippe?

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Jedes Jahr sterben weltweit zwischen 290'000 und 650'000 Menschen an der Grippe;externer Link dies ist ein Anteil von etwa 0,1% aller Erkrankten. Die Sterblichkeitsrate ist also niedrig. Wie auch bei der Spanischen Grippe in den Jahren 1918-1919: Die Rate betrug etwa 2%, aber es gab schätzungsweise 50-100 Millionen Todesfälle. (Anders als der Name denken lässt, war auch diese Erkrankung von China ausgegangen.)

 

Mehr als 90% der Menschen, die sich mit der Krankheit anstecken, werden nicht sterben – womit müssen sie rechnen?

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"Es kann ähnlich sein wie eine Grippe, aber wir kennen nicht alle möglichen Symptome, und jeder Mensch kann recht unterschiedlich reagieren" sagt Héritier. "Dies bedeutet auch, dass Menschen, die daran erkrankt waren, einfach zu Hause geblieben sind, darüber hinweggekommen sind und von der Statistik nicht erfasst werden." Die tatsächliche Zahl der Fälle ist also wahrscheinlich grösser als bekannt ist, was die Sterblichkeitsrate senken würde.


Gibt es ein Heilmittel für 2019-nCoV?

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Nein. Nicht mehr als es eines gegen die anderen Coronaviren gab. Bei Patienten mit einer schweren Form der Erkrankung werden die Ärzte versuchen, weitere Atemwegs- oder Infektionskomplikationen zu vermeiden. Allerdings wurde die genetische Sequenz des Wuhan-Virus in Rekordzeit identifiziert, und in China, den USA und Australien sind mehrere Impfstoff-Kandidaten aufgegleist. Angesichts der Zeit, die es für die Tests braucht, wird ein Impfstoff aber wahrscheinlich zu spät kommen.

 

Was nützen Schutzmasken?

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In der Schweiz (wo noch keine Fälle der Krankheit registriert wurden, was man nicht vergessen sollte), haben die Apotheken keine mehr auf Lager. Wie in anderen Ländern auch. Es gibt Leute, die dies ausnutzen, um Masken im Internet zu unerschwinglichen Preisen zu verkaufen. Diese Masken sind jedoch nur für schon Erkrankte wirklich nützlich: Um die Weiterverbreitung der Viren an andere Menschen zu vermeiden. Wie alle Gesundheitsbehörden, angeführt von der WHO, unterstreichen, ist die Vorsichtsmassnahme Nummer eins, sich die Hände sehr sorgfältig zu waschen.

Prière

In Indien wurde der erste Fall einer Coronavirus-Infektion registriert. In Ahmadabad tragen diese muslimischen Gläubigen Masken und beten zu Gott, sie zu beschützen.

(Copyright 2020 The Associated Press. All Rights Reserved)

 

Und schliesslich: Ist die Panik, die Medien, soziale Netzwerke und einen Teil der Öffentlichkeit erfasst hat, gerechtfertigt?

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Von den Plagen des Mittelalters bis hin zu Ebola hat der Mensch Angst vor einer Plage, die uns alle töten würde. Und von Hieronymus Bosch bis Stephen King, über all die Autoren von Romanen, Filmen und apokalyptischen Serien, gefällt es dem Menschen, solche Plagen zu inszenieren, wie ein Kind, das sich gerne selbst Angst einjagt.

Die jüngste WHO-Bilanzexterner Link (Stand 2. Februar 2020) listet 14'557 bestätigte Fälle weltweit auf sowie insgesamt 305 Todesfälle, davon einer ausserhalb Chinas.

In den Redaktionen – so auch bei swissinfo.ch – stellt sich immer wieder die Frage, wie viel Platz diesen Nachrichten eingeräumt werden soll; es ist ein Abwägen zwischen der Informationspflicht und der Gefahr, Panik zu schüren. In sozialen Netzwerken hingegen sind Übertreibung, Fehlinformation und Hysterie an der Tagesordnung und kennen oft keine Grenzen.

Zur Erinnerung: SARS war nach einem Jahr und 800 Todesopfern wieder verschwunden, das MERS-Coronavirus gibt es immer noch, und es hat bisher offiziell 838 Todesopfer gefordert.


(Übertragung aus dem Französischen: Rita Emch)

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