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09 August 2002 - 17:08
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Bereit zum Export

Immer mehr Schweizer DJs werden zu Plattenstars. [www.clubselection.ch]
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Legende: Immer mehr Schweizer DJs werden zu Plattenstars. [www.clubselection.ch] ()

Nach Genf wird an diesem Samstag auch Zürich unter dem Sound der Street Parade erbeben. Ein Schaufenster für die immer erfolgreichere Schweizer Techno-Musik.


Auf den Cadillac der Rockmusik aufzuspringen, gelang der Schweiz nicht. Auf der Raumschiffflotte der elektronischen Musik dagegen sind die Schweizer seit den Anfängen mit dabei.

Mit der Techno-Musik beginnt das Schweizer Raumschiff gar weitere Kreise zu ziehen.

Davon zeugte die Präsenz von Schweizer Künstlerinnen und Künstlern am Festival Sonar im Juni in Barcelona. Eine helvetische Premiere an diesem "Festival der elektronischen Musik und Multimediakunst", das in den letzten Jahren für Techno-Profis zu einem Muss wurde.

Die Schweizer Delegation bestand aus drei Labels (das Genfer "Mental Groove" sowie die Zürcher "Domizil" und "Straight Ahead"), angeführt vom ganz jungen Verband Swiss Music Export aus Nyon und unter anderem mit Unterstützung von Pro Helvetia.


Begeisterter Konsul

Auf den Auftritt wurde übrigens auch der stellvertretende Schweizer Generalkonsul in Barcelona aufmerksam. "Man muss diese Schweizer Kunstschaffenden und ihre Präsenz an Anlässen wie Sonar weiter unterstützen", meinte ein begeisterter Jean-Jacques Mayor. Diese Aussage wiederholte er gar in einem Bericht an Pro Helvetia und Präsenz Schweiz.

"Seit rund einem Jahr steigt das Interesse für die Schweizer Produktion markant, insbesondere in Deutschland und Grossbritannien, den Hauptgebieten der elektronischen Musik", bestätigt Cliff Balli, der mit Swiss Music Export zusammenarbeitet.

Aber das ist nicht alles. Auch Paris erbebte dieses Jahr unter den Klängen der Schweizer Techno-Musik. Und zwar in einem der Kultklubs der französischen Hauptstadt: dem "Batofar". Die Initiative kam auch diesmal von Swiss Music Export, das eine Gruppe von Musizierenden und Multimedia-Artistinnen und Artisten aus der Genfer und der Zürcher Szene präsentierte.

Noch ein weiteres Techno-Festival mit zunehmender Bedeutung wird in den Genuss der Schweizer Tonkünstler gelangen. Das Festival "Mutek" vom nächsten Sommer in Montreal.


Durchbruch in den "Charts"

Neben dieser mehr oder weniger experimentellen "Untergrundproduktion" haben einige Künstler auch weltweit immer mehr kommerziellen Erfolg.

Der älteste ist sicher Mandrax, ein Lausanner DJ, der seit über fünfzehn Jahren in den USA und Europa mixt, gefolgt von DJ Bobo. Der Aargauer gilt in der Szene zwar wegen seiner etwas faden Produktion nicht besonders viel, hat aber innert zehn Jahren rund 10 Millionen Platten verkauft.

Eine Zürcherin tschechischer Herkunft ist bald schon ebenso erfolgreich: DJ Tatana ist daran, sich in der "Trance-Musik" einen Namen zu machen, einer weicheren Unterart des Techno, die in den meisten Schweizer Discos Furore macht.

"Trance" ist zur Zeit nicht nur in der Schweiz die populärste Art der Techno-Musik, weil sie melodiöser, langsamer und weniger hart als der eigentliche "Techno" ist.

Auch andere Schweizer Künstler surfen auf dieser Trance-Welle mit, wie DJ Spoke, Mind X oder Dave 202. Eine Welle, die sie immer weiter hinausträgt.


Ein offener Musikmarkt

Weniger kommerziell ist die Produktion der Wahlgenferin Miss Kittin und des Zürchers Golden Boy, die vor allem vom Musiksender MTV verbreitet wird und auf den Plattentellern vieler Klubs in der ganzen Welt zu hören ist.

Für den wachsenden Erfolg der elektronischen Musik aus der Schweiz hat Cliff Balli eine Erklärung: "Die englische Musikszene produziert weniger als früher. Die grossen Plattenfirmen interessieren sich deshalb stärker für Musik aus anderen Gegenden."

Olivier Ducret von Mental Groove hebt vor allem die Flexibilität der elektronischen Musik hervor: "Der Techno-Musiker ist mit seiner Maschine allein, ohne die Probleme, die sich in einer Gruppe ergeben können. Und das Material ist praktisch für alle zugänglich."

"Es ist etwas sehr Individualistisches, das oft mit den Modeströmungen zusammenhängt", meint der Musikkritiker Thierry Sartoretti dazu.


Zürcher Treibhaus

Allerdings ist dazu ein Umfeld nötig, das die Entfaltung des musikalischen Nachwuchses ermöglicht. So ist Zürich laut Thierry Sartoretti, einem grossen Kenner der Deutschschweizer Szene, beispielhaft.

In einem brachliegenden ehemaligen Industriegebiet nahe dem Bahnhof sind in den letzten Jahren unzählige Bars, Klubs, Galerien und Kunstateliers aus dem Boden geschossen. Ein fruchtbarer Mix von Nachtschwärmern und Kunstschaffenden, welcher der Aufmerksamkeit der "Grossen" nicht entgangen ist, die in der Schweizer Handelsmetropole ebenfalls präsent sind.

Auch in Genf fanden zeitgenössische Kunstschaffende und Liebhaber der elektronischen Musik zusammen. Eine Verbindung, die seit zehn Jahren besteht, wie Olivier Ducret ausführt.

Aber das ist auch schon alles, was die Zwingli- und die Calvinstadt gemein haben. Genf gelang es nämlich nicht, einen Klub zu lancieren, der diesen Namen verdient, ausser dem legendären, aber saisonalen Club Weetamix.


Ein Riesenerfolg

Der letzte Grund, welcher den wachsenden Erfolg der Schweizer "Elektronischen" erklärt: die Arbeit, ganz simpel. "Wenn ich nicht in Kanada, Japan, Lateinamerika oder Europa mixe, verbringe ich viel Zeit in meinem Studio in Genf", sagt Luciano, ein aufsteigender Star der Schweizer Szene.

Der 24-jährige Schweizer chilenischer Herkunft – von Beruf Ingenieur – kann nicht genug betonen, wie wichtig die Produktion von Platten oder CDs ist, um eine gewisse Berühmtheit zu erlangen.

"Nur so wird man weiter herum bekannt, nicht durch das Mixen in einem Club", meint Luciano. "Auf einer Platte kann man auch von einer grossen Produktionsfirma mit anderen zusammen aufgenommen werden (Sampler) und man wird von den bekannteren DJs aufgelegt."

swissinfo/Frédéric Burnand, Genf
(Aus dem Französischen übertragen von Charlotte Egger)


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