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Alinghi behält "seinen" America's Cup

Der Siegerkuss - einmal anders.

(Keystone)

Das Schweizer Segelteam Alinghi hat in Valencia erfolgreich seinen Titel verteidigt und gegen Team New Zealand den 32. America's Cup gewonnen. 2003 hatte es die Trophäe erstmals in Auckland geholt.

Unzählige Fans in Spanien und der Schweiz haben den Sieg gefeiert. Bundespräsidentin und Sportminister haben die Meisterleistung postwendend gewürdigt.

Das Drehbuch des letzten von sieben Rennen hätte Alfred Hitchcock, Meister der Spannung, selber nicht besser schreiben können.

In einem echten Foto-Finish gelang es dem Schweizer Segelteam Alinghi mit einer einzigen Sekunde Vorsprung, in Valencia den America's Cup zu holen.

Es war erst das dritte Mal in der 156-jährigen Geschichte des Wettbewerbs, dass ein Team die Titelverteidigung schaffte.

Diese eine kleine Sekunde zum 5:2 im 32. America's Cup ist zudem der knappste Vorsprung, den je ein Team über die Ziellinie brachte.

Die härteste Regatta

"In der letzten Sekunde zu gewinnen, das ist unglaublich", sagte ein höchst erfreuter Ernesto Bertarelli, Besitzer des Team Alinghi, der auch mitsegelte.

"Das war die härteste Regatta und mit Sicherheit der schönste Sieg meines Lebens. Die Jungs haben wirklich sehr gut gesegelt", betonte der erfolgreiche Titelverteidiger.

"Wir hätten diese Regatta mit jedem Einzelnen gewinnen können, auch mit jenen, die nicht auf dem Boot waren. Es ist super, in Europa gewonnen zu haben. Ich liebe dieses Team, ich liebe Valencia."

Ein Hitchcock-Final

Lange Zeit hatte es nicht danach ausgesehen, als ob das Schweizer Team bereits am Dienstag den "Auld Mug" in Empfang nehmen könnte.

Zwar hatte Alinghi den Neuseeländern die Führung vor der ersten Boje mit einem gelungenen Angriff von rechts (Vortritt) abgenommen, doch auf dem Vorwindkurs war NZL 92 bereits wieder 50 Meter voraus.

Die Entscheidung fiel beim Aufkreuzen vor der letzten Boje, als die "Kiwis" einen folgenschweren Fehler machten, der sie schliesslich den Sieg kostete: Team New Zealand versuchte unrechtmässig, von links den Vortritt zu erzwingen und wurde von der Jury mit einem Strafpunkt belegt.

Alinghi segelte davon und konnte den Vorsprung auf über 100 Meter ausbauen. Doch 500 Meter vor der Ziellinie wendete der Wind für die Schweizer Jacht im wahrsten Sinne des Wortes. Schnellstens mussten sich die Titelverteidiger auf die neue Situation umstellen.

Derweil zog NZL 92 an SUI 100 vorbei, direkt auf die Ziellinie zu. Doch weil es vorher noch eine Strafdrehung um 270 Grad machen musste, schaffte es Alinghi schliesslich in einer nervenaufreibenden Aufholjagd eine Sekunde früher über die rettende Ziellinie.

Glückwünsche der Landesregierung

Wenige Minuten nach dem Hitchcock-Finish gratulierte bereits Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey per Telegramm.

Das Team Alinghi stehe für eine moderne und multikulturelle Schweiz, "die ihre Nase vorn hat".

Diese Schweiz brauche den starken Wind einer weltweiten Konkurrenz nicht zu scheuen - weder im Sport noch in der Forschung oder in der Wirtschaft.

"Unser Respekt gebührt aber auch dem Team New Zealand, das über alle Massen ein würdiger und sportlicher Gegner war", so die Bundespräsidentin weiter.

Auch Sportminister Samuel Schmid reagierte mit Begeisterung und Stolz auf die Verteidigung des Cups. "Chapeau et merci!" hiess es im Gratulationsschreiben an das Team und Chef Bertarelli.

Freude in Genf

Gross war die Begeisterung auch in Genf, wo die Alinghi-Crew am kommenden Sonntag zu einem triumphalen Empfang erwartet wird. Kuhglocken läuteten und Champagnerkorken knallten, als die Alinghi mit hauchdünnem Vorspürung die Ziellinie überquerte.

Russel Coutts, der neuseeländische Alinghi-Skipper der Siegercrew 2003, verfolgte den Ausgang zusammen mit rund 500 Menschen im Genfer Segelclub und sprach von einem starken Rennen. Beide Teams seien gut gewesen, Alinghi aber ein kleines bisschen besser.

Coutts, der sich mit Bertarelli zerstritten hat, spielt bereits eine grosse Rolle auf dem Transfermarkt. Dass der dreifache Sieger versuchen wird, nach Team New Zealand (1995 und 2000) und Alinghi (2003) ein drittes Syndikat zum Gewinn des "Auld Mug" zu führen, steht so gut wie fest.

Dies dürfte wohl BMW Oracle sein. Besitzer Larry Ellison ist wie Bertarelli Milliardär und vom Cup besessen. Der Amerikaner hat längst alle Hebel in Gang gesetzt, um Coutts zu verpflichten.

swissinfo, Christian Raaflaub und Agenturen

Eine Erfolgsgeschichte

Mai 2000: Nur wenige Monate nach der erfolgreichen Titelverteidigung von Team New Zealand schliessen sich der Genfer Milliardär Ernesto Bertarelli, Neuseelands Skipper Russell Coutts und Schiffsarchitekt Rolf Vrolijk zusammen. Sie wollen den America's Cup erstmals nach Europa holen.

Mai/Juni 2001: Aus "Swiss Challenge" wird Alinghi. In der Décision-Werft über dem Genfersee beginnt der Bau des ersten Boots.

19.1.2003: Das Schweizer Syndikat setzt sich im Louis Vuitton Cup in Auckland mit 5:1 gegen Oracle durch. Damit darf Alinghi Titelverteidiger Team New Zealand im America's Cup herausfordern.

2.3.2003: Alinghi deklassiert die "Kiwis" auf ihrem Terrain 5:0 und gewinnt den Cup als erstes europäisches Syndikat. Der "Auld Mug" kehrt nach 152 Jahren auf den Alten Kontinent zurück, wo vor der Isle of Wight das erste Rennen stattgefunden hatte.

26.11.2003: Der von Bertarelli formierte und präsidierte Cup-Organisator America's Cup Management (ACM) gibt in Genf bekannt, dass der 32. Cup 2007 in Valencia stattfindet.

23.6.2007: Das erste Rennen des 32. America's Cup gewinnt Titelverteidiger Alinghi gegen Herausforderer Team New Zealand mit 35 Sekunden Vorsprung.

3.7.2007: Alinghi entscheidet den spannendsten America's Cup seit 24 Jahren nach einem 1:2-Rückstand mit 5:2-Siegen für sich. Die Siegertrophäe bleibt in Europa. Der nächste Cup findet voraussichtlich 2009 statt.

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