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Vieles dreht sich in Rio um Doping. Auch 2016 wird die Ziellinie wohl in einigen Rennen zum Beginn einer olympischen Doping-Odyssee. Seit 2000 wurden nachträglich 57 Medaillen aberkannt.

Viel mehr Verfahren werden folgen oder sind hängig. Nur knapp die Hälfte dieser 57 Gedopten wurde an den Spielen selber erwischt. Die Mehrheit wird erst Jahre später entlarvt, wenn das IOC seine Kühlschränke öffnet, in denen die Urin- und Blutproben zehn Jahre lang aufbewahrt werden. In den letzten zwei Monaten gab das IOC bekannt, dass bei Nachtests der Proben der Sommerspiele von 2008 und 2012 weitere 98 Dopingfälle aufgedeckt wurden. Namen wurden noch keine genannt. Betroffen sind aber 51 Medaillengewinner von Peking und London. 1243 Proben sind nach modernsten Methoden nochmals getestet worden.

Am 19. Juli wurde wegen des russischen Dopingschlamassels beschlossen, die Dopingproben der Winterspiele von Sotschi umgehend nachzukontrollieren. Bislang noch in Ruhe gelassen wurden die Proben der Winterspiele von Turin 2006 und Vancouver 2010. Es würde nicht überraschen, wenn das Total der disqualifizierten Medaillengewinner seit 2000 auf über 200 ansteigen würde.

Die Sorgenkinder unter den Sommersportverbänden sind die Leichtathleten und Gewichtheber. Von den 57 bereits abgeschlossenen Fällen betreffen 25 die Leichtathletik und 8 das Gewichtheben. Bei den neuen, hängigen Fällen geht es 31 Mal um Gewichtheber und 13 Mal um Leichtathleten.

Von Medaillenumverteilungen waren auch schon Schweizer betroffen. Die Springreiter-Equipe belegte vor acht Jahren den undankbaren 4. Platz. Weil ein norwegischer Reiter überführt wurde, erhielten die Schweizer gut zwei Jahre später doch noch Bronze. Der Dopingfall wurde noch während der Spiele bekannt, die Verfahren zogen sich aber über zwei Jahre hin, weil die Norweger den Fall zuerst vor den CAS und später noch ans Bundesgericht zogen. Die Medaillen erhielten die Schweizer schliesslich im Dezember 2010 anlässlich des CSIO von Genf nach einem der schwächsten Heimauftritte der Springreiter aller Zeiten. Es klatschte niemand Applaus.

28 Monate nach dem olympischen Strassenrennen von Peking erhielt Fabian Cancellara im Haus des Sports in Ittigen die Silbermedaille überreicht. Cancellara rückte vom 3. auf den 2. Platz vor, weil Davide Rebellin überführt worden war. Cancellara freute sich auch über das verspätete "Upgrade": "Schliesslich hatte ich in Peking schon eine Goldmedaille im Zeitfahren gewonnen und stand auch bei der Siegerehrung des Strassenrennens schon auf dem Podest. Aber Alex Kolobnjew tat mir leid. Als Vierter des Rennens war er in Peking zu Tode betrübt. Die Medaille nachträglich zu erhalten, ist nicht das gleiche. Die einzig Bestraften in diesen Fällen sind die sauberen Sportler."

Die Springreiter und Cancellara kamen noch relativ glimpflich davon: Sie wurden nicht um Gold geprellt und erhielten gut zwei Jahre nach den Spielen die richtige Medaille. Andere hatten weniger Glück. Nigerias 4x400-m-Staffel erhielt die Goldmedaille der Spiele von 2000 erst 13 Jahre später. In der Zwischenzeit war praktisch das gesamte Staffelteam der USA, das in Sydney die Ziellinie als Erstes überquert hatte, des Dopings überführt worden. 2004 in Athen wurde das Kugelstossen im antiken Olympia ausgetragen, wo 776 vor Christi Geburt die ersten Spiele der Antike stattfanden. Es war der meistbeachtete Wettbewerb der Spiele. Der Amerikaner Adam Nelson wurde mit dem letzten Versuch vom Ukrainer Juri Bilonog übertroffen. Später wurde Bilonog überführt. Nelson erhielt seine Goldmedaille am Flughafen Atlanta in einem Burger-King-Restaurant mit fünf Jahren Verspätung. Nelson: "Ich schätze, dass ich in meiner Karriere als Olympiasieger von Athen 2,5 Millionen (Dollar) mehr hätte einnehmen können."

Speziell ist auch die Geschichte der Kanadierin Beckie Scott, die 2002 in Salt Lake City als erste Nordamerikanerin im Langlauf eine Medaille gewann, nämlich Bronze in der 5-km-Verfolgung hinter zwei Russinnen. Später wurden zuerst Larissa Lasutina (2.) und dann auch noch die Siegerin Olga Danilowa überführt. 2003 während des Weltcups in Calgary durfte Scott in einer Medaillenzeremonie zuerst die Bronze- gegen die Silbermedaille eintauschen. Im Februar 2004 wiederholte sich das Ganze mit dem Austausch der Silber- gegen die Goldmedaille. Beckie Scott ist die einzige Athletin der olympischen Geschichte, die einen gesamten Medaillensatz in ihrem Besitz hatte. Scott: "Aber ich konnte mich nie freuen, wie das ein Olympiasieger beim Einlauf tun würde. Dennoch bin ich glücklich, dass die Gerechtigkeit gewonnen hat. Ich war überrascht, dass die beiden Russinnen erwischt wurden. Dass sie dopten, war für mich eh immer klar."

sda-ats

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