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Er spielt schon länger für den FCZ als Fritz Künzli, die Klubikone der glorreichen Sechziger- und Siebzigerjahre der Zürcher: Marco Schönbächler, 2007 unter Lucien Favre Debütant.

Vor dem Cup-Klassiker in Basel schweift er gedanklich durch eine aufregende Dekade. Mit dem Stadtklub hat er jedes Szenario erlebt - den ersten Titelgewinn mit 17, zwei Cupsiege, den Absturz in die Zweitklassigkeit. Im Interview mit der Nachrichtenagentur sda redet der Mittelfeldspieler über Highlights, Schmerzen und persönliche Pläne.

In den letzten zehn Jahren hat der FCB im eigenen Stadion gegen Ihren Klub nur zwei von 21 Pflichtspielen verloren.

"Favoritenrolle hin, Statistik her, wenn wir unsere Cup-Trophäe erfolgreich verteidigen wollen, müssen wir in Basel gewinnen - so simpel ist das. Wir haben die Chance und das Selbstvertrauen, dort zu bestehen."

Ist mit einer Zürcher Rückmeldung auf hohem Niveau zu rechnen?

"Die Affiche ist seit Jahren etwas ganz Besonderes. Das Spiel wird aufzeigen, wo wir mit dem neuen Team stehen. In der Europa League überzeugten wir, aber klar, die Challenge League ist ein kleineres Paar Schuhe."

Basel dominiert die Schweizer Klubszene konkurrenzlos. Ist denn niemand mehr ernsthaft in der Lage, die Bebbi zu stoppen?

"In den letzten drei, vier Jahren wurden sie mit immer grösserem Abstand Meister. Die Herausforderer geben sich inzwischen damit zufrieden, den ersten Platz hinter Basel zu erreichen. Vielleicht braucht es den FCZ in Zukunft wieder, um Basel unter Druck zu setzen - die anderen jedenfalls haben das nicht mehr geschafft."

Der FCZ verschwand im letzten Mai in der Zweitklassigkeit, Sie wurden während über einem Jahr von körperlichen Beschwerden gestoppt. Fühlt sich der Klassiker für Sie wie ein zweites Comeback an?

"Nein, ich bin seit mehreren Monaten wieder voll belastbar. Für mich steht die Gesundheit über allem. Meine Zukunft hängt sicherlich nicht von diesem einen Spiel ab. Es ist nicht so, dass ich unbedingt allen beweisen müsste, wieder da zu sein. Es geht primär darum, als Team eine Überraschung zu schaffen, den Cup erneut zu gewinnen."

Nochmals zurück zu Ihrer Leidenszeit. Kam im Verlauf der schleppenden Rehabilitation nie die Befürchtung auf, im schlimmsten Fall vorzeitig abtreten zu müssen?

"Ein solches Szenario stand nicht einmal ansatzweise zur Debatte. Es war für mich unvorstellbar, dass meine medizinischen Probleme nicht lösbar sein würden. Ich stand immer mit dem Gefühl auf, dass mir irgendwann jemand helfen wird."

Ein namhafter englischer Chirurg behob die Schwachstelle im Becken in London operativ. Wie kam es dazu?

"Unser Arzt tauschte sich in der Schulthess Klinik mit dem Team-Doc des ZSC-Goalies Lukas Flüeler aus. Dann ging es plötzlich schnell. Ernest Schilders erkannte das Problem. Seit seiner Behandlung sind die Beschwerden weg."

Sie hatten vor der Verletzung eine Veränderung im Sinn.

"Das stimmt. Aber was dann mit meinem Körper passierte, war so nicht vorhersehbar, sondern Schicksal. Deshalb bin ich noch da, leider eine Liga tiefer."

Der tiefe Fall muss einem Urgestein wie Ihnen besonders wehgetan haben?

"Dass ich beim Abstieg tatenlos zusehen musste, machte die Sache für mich nicht einfacher. Es war der pure Frust, weil dies nie und nimmer hätte passieren dürfen. Aber vielleicht hat die schwierige Situation dem Klub sogar in einer gewissen Weise gutgetan. Alle rückten ein bisschen näher zusammen. "

Ihnen ging der Zerfall mehr an die Nieren als anderen.

"Viele erfassten den Ernst der Lage zu spät, sie unterschätzten die Tragweite massiv. Dem einen oder anderen war die Bedeutung des Klubs nicht klar, das sah man schon in den flauen Derbys."

Wie fällt Ihre Bilanz aus? Sprechen Sie von einem verlorenen Jahr?

"Das unterschreibe ich so nicht. Vielleicht tat es sogar gut, den Umbau in einer etwas ruhigeren Liga-Umgebung voranzutreiben. Vergessen wir den Europacup nicht - das Gros der Super League war international nirgends vertreten. Und den Aufstieg lassen wir uns in den verbleibenden Runden nicht mehr nehmen."

Captain Nef meinte, der Klub sei gar nie in der Versenkung verschwunden - teilen Sie diese Einschätzung?

"Ich habe mir die Challenge League ganz anders vorgestellt; mit viel kleineren Stadien und weniger Publikum. Irgendwie wurde ich positiv überrascht. Es riecht auch hier nach Fussball."

Spielt die Identifikation wieder eine grössere Rolle? Zwischen Fans, Team und der Klubspitze scheint es zum Schulterschluss gekommen zu sein.

"Es gab viele Veränderungen, und das ist gut und wichtig. Jetzt haben wir ein Team, das harmoniert. Die Spieler kennen Zürich, sie respektieren sich. Alle waren schnell integriert."

Blenden wir nochmals über zehn Jahre zurück: Sie gewannen als 17-Jähriger den Titel, zwei Saisons später fand bereits die nächste Meisterparty statt. Was blieb haften aus jener goldenen Zeit?

"Um ehrlich zu sein: nicht viel. Es war eine schöne Zeit, wir hatten eine tolle Mannschaft. Ich persönlich war dabei, mehr nicht. Ich spielte nicht so oft, für mich als Teenager ging alles ziemlich schnell."

Ihre damaligen Mitspieler Blerim Dzemaili und Gökhan Inler machten eine international respektable Karriere, Sie hingegen sind immer noch beim FCZ. Bereuen Sie die Entwicklung?

"Vieles ist eine Frage des Timings. Ich habe mit meinem aktuellen Status keine Mühe."

Fringer warf Ihnen Bequemlichkeit vor.

"Er war nicht lange da."

Lucien Favre? Was löst dieser Name bei Ihnen aus?

"Oh, Lucien. Sein Umgang mit den Spielern war einzigartig. Favre wollte jeden Einzelnen besser machen - es gelang ihm. Seinen Weg habe ich exakt im Auge. Mit jeder Equipe hatte er Erfolg. Seine Bilanz spricht für ihn, seine Handschrift ist überall erkennbar. Eines Tages wird er bei einem grossen Klub einen Vertrag unterschreiben."

Gab es nie eine Möglichkeit, mit ihm zusammenzuarbeiten?

"Vor ein paar Jahren war Gladbach ein Thema. Der Zeitpunkt passte für mich nicht, ich war damals nicht bereit für einen Auslandtransfer."

Gibt es neben ihrer langwierigen Verletzung andere Schlüsselszenen Ihrer FCZ-Laufbahn?

"Es gibt mehrere, spontan kommt mir grad das Solo im Heimspiel gegen Osmanlispor im letzten Herbst in den Sinn. Das war für mich so etwas wie ein Zeichen: Hey, ich bin wieder da."

Der Abstieg war eine kollektive Zäsur, welche schwierige Momentaufnahme blieb am längsten haften?

"Die Episode mit Rolf Fringer war sehr unschön. Er degradierte mich für zwei Wochen in die U21. Ich hatte als Sündenbock den Kopf hinzuhalten, das war neben dem Abstieg ein Tiefpunkt."

Fringer ist längst Geschichte, die körperliche Leidenszeit ebenso. Packen Sie Ihren Koffer doch noch?

"Als kleiner Bub träumte ich davon, eines Tages das FCZ-Shirt zu tragen. Das war vor über einem Jahrzehnt, jetzt bin ich immer noch da (lacht). Wenn eine gute Offerte kommt, muss man das anschauen. Es wäre schön, mal etwas Neues zu erleben. Irgendwann müsste der Schritt kommen, wobei natürlich auch eine Fortsetzung in Zürich denkbar ist, mein Vertrag läuft ja weiter.

Haben sich denn Interessenten gemeldet?

"Ich frage meinen Berater nicht permanent, ob er was anbieten kann. Wenn es alles passt, dann würde ich ins Ausland wechseln. In der Schweiz drängt sich keine Veränderung auf. Ich sehe den FCZ nach wie vor knapp hinter dem FC Basel. Der Klub gehört in die Super League - wenn ich was anderes sehen will, gehe ich ins Ausland. "

Wo passen Sie ausserhalb des FCZ am besten hin?

"Viele sagen, Deutschland wäre gut für mich. Wobei: Nizza ist eine schöne Stadt, da war ich auch schon."

SDA-ATS