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Ausgelassenes Feiern an der Gay-Pride-Parade in Tel Aviv.

KEYSTONE/EPA/JIM HOLLANDER

(sda-ats)

Federboas, Lack, Leder und Regenbogenfarben: Rund 200'000 Menschen haben in Tel Aviv ausgelassen die Gay-Pride-Parade gefeiert. Diese Schätzung teilte die Stadt als Veranstalterin am Freitag mit.

Die Menschen tanzten zu dröhnenden Bässen auf der Strasse, Dragqueens mit aufgeklebten Wimpern und glitzernden Kostümen posierten für Fotos. Doch die Menschen feierten nicht nur - sie äusserten auch Kritik.

"Ich will, dass sich die Regierung verändert, ich will mehr Rechte für die Community", sagte die 17-jährige Romi Segal aus der Hafenstadt Haifa. In Israel dürfen homosexuelle Paare beispielsweise nicht heiraten.

"Tel Aviv ist ein Ort, der die Menschen akzeptiert, aber es gibt auch andere Orte in Israel, wie Jerusalem." Tel Aviv gilt als Hochburg der Szene im Nahen Osten. Segals Appell an die Welt ist eindeutig: "Mehr Liebe, weniger Hass."

Teilnehmer des Umzugs von der Innenstadt an den Strand hielten Plakate und Fahnen mit Botschaften hoch wie: "Es ist Zeit für einen Wandel". "Das Hauptproblem sind die religiösen Leute in der Regierung", sagte die 17-jährige Mai Tzafrir. Diese würden den Weg hin zu gleichen Rechten für alle blockieren.

Aufruf zu Geschlossenheit

Motto der Veranstaltung war in diesem Jahr "Women for a Change" (Frauen für Veränderung). Als besondere Gäste hatte die Stadt zwei Darsteller amerikanischer Kultserien eingeladen: Lea Delaria von "Orange is the New Black" und Alan Cumming von "The Good Wife". Im vergangenen Jahr war Dragqueen Conchita Wurst mit dabei, österreichische Gewinnerin des Eurovision Song Contests 2014.

Lea Delaria rief die Gemeinde zur Geschlossenheit auf. "Wir müssen zusammenkommen und dieses lächerliche Sich-gegenseitig-bekämpfen beenden", sagte sie der Nachrichtenagentur dpa. "Wir müssen uns als die Menschen präsentieren, die wir sind - vereint. Dann werden wir auch unsere Rechte erreichen."

Der Bürgermeister von Tel Aviv, Ron Chuldai, hatte bereits vor der Parade gesagt: "Die Gay-Community ist weit gekommen, aber ich muss ganz offen sagen, es ist immer noch ein weiter Weg zu gehen."

Hunderte Polizisten sicherten die Veranstaltung, die friedlich verlief, wie eine Sprecherin am Nachmittag mitteilte. Im vergangenen Jahr hatte in Jerusalem bei einer ähnlichen Parade ein ultraorthodoxer Jude ein Mädchen erstochen und sechs weitere Menschen verletzt.

sda-ats

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