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Zum dritten Mal nach 1960 und 1984 eröffnet Frankreich heute (21.00 Uhr) in Saint-Denis als Gastgeber eine Fussball-EM. Auftaktgegner der Franzosen in der Schweizer Gruppe A ist Rumänien.

Abschrankungen, gesperrte Durchgänge, Polizisten und Sicherheitsleute prägen vor dem EM-Auftakt das Bild rund ums Stade de France. Unter die Vorfreude auf das Heim-Turnier mischt sich Angst, in der Bevölkerung und auch in der Mannschaft. Die Erinnerungen an den 13. November 2015, als sich am Rande des Freundschaftsspiels zwischen Frankreich und Deutschland (2:0) drei Attentäter in die Luft sprengten, kommen wieder hoch. Schwer bewaffnete Polizisten an den Ausgängen der Metro-Stationen und rund um das Stadion vermitteln einerseits das Gefühl von Sicherheit, andererseits aber auch der Bedrohung. Die Gefühlslage der Franzosen ist vor dem Turnierstart gespalten.

Die Nebengeräusche versucht die "Equipe Tricolore" nach Kräften auszublenden. Der Fokus liegt, soweit das im Zuge der allgegenwärtigen Debatte und der omnipräsenten Polizei eben möglich ist, auf dem Sportlichen und auf dem Eröffnungsspiel gegen die Rumänen. Geht es nach dem Team, steht ab Freitag auch in der Bevölkerung der Fussball im Zentrum. Mit einem geglückten Turnierstart will es eine Euphorie entfachen wie bei den Heim-Turnieren 1984 (EM) und 1998 (WM), die im Titelgewinn gipfelten.

Einer städtischen Umfrage zufolge fürchten sich 54 Prozent der Pariser vor Terroranschlägen während der EM - ein beträchtlicher Wert angesichts dessen, dass die Chance, direkt betroffen zu sein, verschwindend klein ist. Der Terror hat vor allem die Leute in den Städten traumatisiert, besonders jene in Paris. Viele Einheimische meiden die Public-Viewing-Zonen, wo die Gefahr eines Anschlags Experten zufolge am grössten sein soll. Ein immenser Sicherheitsapparat - die Rede ist von über 90'000 Polizisten und Sicherheitsbeauftragten, die während des Turniers im Einsatz stehen - soll terroristische Akte und Ausschreitungen verhindern.

Das Stade de France verwandelte sich in einen abgeschirmten Hochsicherheitstrakt. Wer die Festung betreten will und ein Ticket besitzt, muss weite Fusswege in Kauf nehmen. Wegen Zug- und angekündigter Flugstreiks ist zudem die Anreise zu den EM-Austragungsorten erschwert.

Frankreich eröffnet die Heim-EM 2016 als erstgenannter Titelfavorit. Die Mannschaft ist exzellent besetzt und überzeugte in der Vorbereitung unter anderem mit neun Siegen aus den letzten zehn Spielen und einer geballten Ladung Offensivkraft. Aber sie spürt auch den immensen Druck, der auf ihr lastet, zumal sie relativ unerfahren ist.

Die Anspannung ist gross, ein erfolgreicher Auftakt wichtig. Er wird als wegweisend für den weiteren Turnierverlauf erachtet. "Seit zwei Jahren denke ich an diesen 10. Juni", so Trainer Didier Deschamps. "Das erste Spiel ist nicht entscheidend, aber es ist wichtig, weil es den Ton des ganzen Turniers angibt."

Dreimal holte der Gastgeber den EM-Titel. Die Bilanz in den Auftaktspielen ist dagegen durchzogen: Nur 6 von 15 Eröffnungsspielen gewann das Heimteam. Fünf Partien endeten Unentschieden, viermal gewann die Gastmannschaft.

Gegen Rumänien bekommen es die Franzosen mit der undurchlässigsten Abwehr der Qualifikation zu tun. Nur zwei Gegentore liess das (zum dritten Mal) von Anghel Iordanescu betreute Ensemble zu. Zwar fehlt es den Rumänen an grossen Namen und spielerischer Klasse, aber nicht an der richtigen Einstellung. Bis kurz vor der EM blieben sie, trotz eigener Torflaute, in 17 Spielen ungeschlagen.

Iordanescu verhehlt nicht, dass sich sein Team auch gegen die Franzosen aufs Verteidigen und Kontern konzentrieren wird: "Wir haben keine Stars wie die Franzosen, unsere Spieler sind in Rumänien, Bulgarien, Israel und Katar aktiv. Die Leute müssen verstehen, dass wir in der Offensive nicht brillieren können."

sda-ats

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