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Mit rund 50 Schüssen konnte der Lastwagen gestoppt und der Attentäter gestoppt werden.

KEYSTONE/AP

(sda-ats)

Nach dem Anschlag von Nizza mit 84 Toten rangen am Freitag noch immer 52 Menschen um ihr Leben; insgesamt wurden mehr als 200 verletzt. Unter den Todesopfern waren auch eine Frau und ein Kind aus der Schweiz. Zu Tathergang und Attentäter wurden neue Details bekannt.

Es sei nicht ausgeschlossen, dass noch weitere Schweizer Opfer hinzukämen, hiess es am Freitagnachmittag. Die Abklärungen über weitere Opfer seien im Gang.

Laut dem zuständigen Staatsanwalt François Molins sind unter den Toten zehn Kinder und Jugendliche. Den Namen des Täters gab der Staatsanwalt am Freitag in Nizza mit Mohamed Lahouaiej-Bouhlel an; bei ihm handelt es sich um einen 31-jährigen Tunesier, selbst Vater von drei Kindern.

Am Donnerstagabend war nach dem traditionellen Feuerwerk zum französischen Nationalfeiertag an der Promenade des Anglais in Nizza ein Attentäter mit einem schweren Lastwagen in die Menge gerast. Die Polizei erschoss den Mann, bei dem es sich um einen Kleinkriminellen handelt. Er war bisher nicht als radikaler Islamist aufgefallen.

Der Attentäter bog Augenzeugenberichten zufolge mit seinem gemieteten Lastwagen kurz nach 22.30 Uhr in die Promenade des Anglais ein, eine mehrspurige Strasse, die von einer breiten Flaniermeile gesäumt oberhalb des Strandes verläuft.

Unter den Menschen, die bis dahin einem Orchester gelauscht oder in Richtung des bekannten Hotels Negresco geschlendert waren, brach Panik aus. Der Fahrer versuchte offenbar, so viele Passanten wie möglich zu erfassen.

Nach Angaben eines Mitarbeiters der Stadtverwaltung fuhr der Attentäter die Strandpromenade bis zu zwei Kilometer weit entlang, ehe die Polizei die Todesfahrt nach mehreren Minuten stoppte. Vor seinem Tod lieferte sich der Täter einen Schusswechsel mit den Beamten.

Bewährungsstrafe wegen Gewalt

Der Attentäter mit Wohnsitz in Nizza war im März wegen einer gewaltsamen Auseinandersetzung verurteilt worden. Er sei wegen Waffengewalt zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden, sagte Staatsanwalt Molins am Freitag in Nizza weiter. Dabei ging es nach Angaben der französischen Behörden um einen Streit nach einem Verkehrsunfall, bei dem der Mann eine Holzpalette auf seinen Kontrahenten geworfen habe.

Nach Angaben des Staatsanwalts war der Mann den Geheimdiensten "vollkommen unbekannt". Er sei auch in keiner Datenbank wegen möglicher Radikalisierung geführt worden. Vor seiner Erschiessung habe er mehrfach auf Polizisten geschossen.

Molins bestätigte, dass es kein Bekennerschreiben zum Anschlag gibt. Der Anschlag entspreche aber den "Mord-Appellen" von verschiedenen islamistischen Gruppen.

Verlängerung des Ausnahmezustands

Der französische Ministerpräsident Manuel Valls kündigte nach dem dritten schweren Anschlag in gut eineinhalb Jahren Härte an. "Frankreich wird sich dem Terror nicht ergeben", sagte er. Präsident François Hollande verlängerte den seit den Pariser Anschlägen im November vergangenen Jahres geltenden Ausnahmezustand, dessen Ende er nur Stunden zuvor angekündigt hatte, um weitere drei Monate.

Das Bundesamt für Polizei (fedpol) entsandte Verbindungspersonen nach Nizza, um die französische Behörden bei der Identifizierung der Schweizer Opfer zu unterstützen. Auch zwei Mitglieder des Kriseneinsatzpools des Aussendepartements (EDA) reisen nach Nizza und Marseille.

Das EDA aktualisierte am Freitag auch seine Reisehinweise für Frankreich. Die Behörden raten, sich über die Medien auf dem Laufenden zu halten, in Kontakt mit dem Reiseveranstalter zu bleiben und die Anweisungen der lokalen Behörden zu befolgen. Angesichts der terroristischen Anschläge ruft das EDA zudem allgemein zu erhöhter Wachsamkeit auf.

Keine Hinweise auf Bedrohung

Die Sicherheitslage in der Schweiz hat sich nach Einschätzung der Behörden durch den Anschlag indes nicht geändert. Die terroristische Bedrohungslage bleibt gemäss dem Nachrichtendienst des Bundes (NDB) "unverändert und damit erhöht".

Für die Schweiz stellten aktuell Anschläge mit geringem logistischen Aufwand die wahrscheinlichste Bedrohung dar. Bis heute gebe es aber keine konkreten Hinweise für eine direkte Bedrohung der Schweiz, hiess es in der Mitteilung der Behörden nach einem Treffen der Kerngruppe Sicherheit des Bundes mit Vertretern der Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten.

Bereits reagiert hat der Kanton Genf: Er verstärkt die Sicherheitsvorkehrungen vor den diplomatischen und konsularischen Vertretungen von Frankreich in der Rhonestadt, wie die Genfer Kantonspolizei am Freitag ankündigte.

Die Zahl der Einsatzkräfte im Kanton sowie am Flughafen Genf Cointrin bleiben hingegen unverändert. Die Genfer Polizei begründet dies damit, dass die seit den Terroranschlägen von Paris vom November 2015 hochgefahrenen Sicherheitsvorkehrungen bis heute gelten würden.

sda-ats

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