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Hochwasser in Niederbayern: Zwei Feuerwehrmänner spazieren am Donnerstag durch die vom Unwetter verwüsteten Strassen von Simbach.

KEYSTONE/EPA DPA/SVEN HOPPE

(sda-ats)

Nach den Unwettern verzeichnet Deutschland mindestens neun Tote. In mehreren Bundesländern versinken Orte im Schlamm, Angehörige werden vermisst. Die Meteorologen geben noch keine Entwarnung.

Einen Tag, nachdem reissende Flutwellen die niederbayerische Region rund um Simbach überschwemmt hatten, wurde am Donnerstag ein weiteres Opfer in der Stadt am Inn geborgen. Mit dem 75-Jährigen erhöht sich die Zahl der Toten in Simbach auf vier.

Im benachbarten Julbach bargen die Rettungskräfte eine 80 Jahre alte Frau tot aus einem Bach. Drei Menschen werden zudem noch vermisst. Bereits am Sonntag gab es vier Hochwasser-Tote in Baden-Württemberg.

Der Sachschaden im Landkreis Rottal-Inn, zu dem auch Simbach gehört, geht nach ersten Schätzungen in den dreistelligen Millionenbereich. Laut Landrat Michael Fahmüller sind mindestens 500 Häuser beschädigt.

Bayerns Finanzminister Markus Söder versprach den Betroffenen Soforthilfe. "Ähnlich wie beim Hochwasser 2013 werden wir 1500 Euro zur Verfügung stellen", sagte er. Das Warnsystem müsse verbessert werden. "Das Ganze kam so überfallartig, da ist mit Hochwasserschutz nichts zu machen", erklärte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer. Man werde die Geschädigten nicht alleine lassen und unbürokratisch helfen.

Auch Kanzlerin Angela Merkel hat den Angehörigen der Opfer ihre Anteilnahme ausgesprochen. Die Regierung trauere um die Menschen, für die Hilfe zu spät gekommen sei und sie trauere mit den Angehörigen, sagte Merkel am Donnerstag in Berlin.

Suche nach weiteren Opfer

Viele Menschen sind noch in Sorge, weil sie Angehörige nicht erreichen können. Taucher suchten im überfluteten Gebiet nach weiteren möglichen Opfern.

Das Technische Hilfswerk war noch am Morgen damit beschäftigt, Personen zu retten, die in ihren Häusern von den Wassermassen eingeschlossen waren. Hunderte Kinder hatten zuvor stundenlang in ihren Schulen ausharren müssen, weil sie vom Wasser eingeschlossen waren.

Am Donnerstag versuchten Rettungskräfte, Bewohner und freiwillige Helfer, Häuser und Strassen von Schlamm und Treibgut zu befreien sowie die Stromversorgung in den Ortschaften wiederherzustellen. Die Polizei warnte Autofahrer davor, die gesperrten Strassen im Hochwassergebiet zu nutzen. Viele Strassen seien völlig unterspült, auch Brücken und Überführungen seien einsturzgefährdet.

In weiten Teilen Nordrhein-Westfalens und im nördlichen Rheinland-Pfalz war nach heftigen Regenfällen Land unter. In Düsseldorf waren am Mittwochabend mehrere Strassentunnel voll Wasser gelaufen und Strassen geflutet worden.

Von den Meteorologen kommt jedoch noch keine Entwarnung: Bis in die nächste Woche seien Schauer und Gewitter zu erwarten, sagte Meteorologe Simon Trippler vom Deutschen Wetterdienst am Donnerstag. Das Unwetterpotenzial vor allem für Starkregen bleibe erhöht.

Frankreich ebenfalls betroffen

Heftige Regenfälle führten auch in Frankreich zu schweren Überschwemmungen, besonders betroffen sind die Region Ile-de-France um Paris und die Loire-Region.

In Paris wurde am Donnerstag eine Metro-Linie geschlossen. Der weltberühmte Louvre-Museum wird am Freitag geschlossen. In den unterirdischen Depots gelagerte Werke müssten in Sicherheit gebracht werden, teilte das Museum mit. Die in von Überschwemmungen bedrohten Räumen lagernden Werke sollten in höhere Etagen gebracht werden.

Seit Sonntag rückten die Rettungskräfte zu mehr als 10'000 Einsätzen aus und brachten mehr als 5000 Menschen in Sicherheit. Zahlreiche Strassen sind blockiert, der Unterricht in vielen Schulen wurde ausgesetzt.

Allein in der rund 80 Kilometer südlich von Paris gelegenen Kleinstadt Nemours mussten tausende Menschen in Notunterkünfte gebracht werden, weil der Fluss Loing über die Ufer trat und die Stadt unter Wasser setzte. Betroffen war auch die Stadt Longjumeau nahe des Pariser Flughafens Orly, wo nach Angaben der Bürgermeisterin das Wasser zwischen 1,20 und 1,50 Meter hoch in den Strassen stand.

In Frankreich gab es bislang jedoch noch keine Toten durch die Überschwemmungen. Zwar wurde am Mittwoch eine 86-jährige Frau tot in ihrem überschwemmten Haus südlich von Paris gelegenen Gemeinde Souppes-sur-Loing gefunden; ihr Tod steht aber in keinem Zusammenhang mit dem Hochwasser, wie die Behörden betonten.

Bei seinem Besuch am Donnerstag in Nemours warnte Premierminister Manuel Valls:"Die Regenphase ist noch nicht vorbei." Die Lage sei in manchen Gebieten inzwischen unter Kontrolle, bleibe in der Region um die Hauptstadt Paris und in Zentralfrankreich aber "extrem angespannt, schwierig". Valls sagte den betroffenen Regionen rasche Hilfe zu. So kündigte er die Einrichtung eines Hilfsfonds an.

sda-ats

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