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Ihr Protest wurde nicht gehört: Ein Berufungsgericht in San Francisco lehnte den Antrag der US-Regierung ab, den Einreisebann des Präsidenten wieder in Kraft zu setzen. Das Bild zeigt Trump-Unterstützer am Flughafen von Los Angeles. (Archivbild)

Keystone/EPA/EUGENE GARCIA

(sda-ats)

Keine Eile: Die Berufungsrichter in San Francisco lassen den vom US-Präsidenten verfügten Einreisestopp ausser Kraft. Sie lehnten einen Eil-Antrag der US-Regierung ab. Donald Trump sieht seine Autorität angekratzt.

Die Entscheidung eines Richters aus dem Bundesstaat Washington, die das entsprechende Dekret von US-Präsident Donald Trump ausgesetzt hatte, behält damit vorderhand ihre Gültigkeit. Ein abschliessendes Urteil des Berufungsgerichts in der Sache steht noch aus - zunächst ging es nur um eine sofortige Umsetzung des Einreisestopps.

Die Regierung hatte argumentiert, durch die vorläufige Blockade der Visa-Sperre sei Trumps Autorität in Frage gestellt. In der Begründung für die Berufung gegen das am Freitag erlassene Urteil eines Bundesrichters in Seattle argumentierte das Justizministerium, die Entscheidung von Richter James Robart gefährde die Öffentlichkeit und stelle die Urteilsfähigkeit des Präsidenten in Sachen nationale Sicherheit in Frage.

In dem vom Berufungsgericht online gestellten Antrag heisst es zudem, Richter Robart habe für sein Urteil "so gut wie keine juristische Analyse" angestellt und die Befugnisse seines Gerichts weit überschritten, indem er eine Entscheidung für die ganzen Vereinigten Staaten traf. Insgesamt stelle das Urteil die Gewaltenteilung zwischen dem Präsidenten und den Gerichten in Frage.

Der Zorn des Präsidenten

Trump selbst hatte mit zornigen Tweets auf die Entscheidung von Richter Robart reagiert und ihn sogar direkt angegriffen. "Die Meinung dieses sogenannten Richters, die praktisch unserem Land die Durchsetzung von Gesetzen wegnimmt, ist irrwitzig und wird überstimmt werden!", schrieb Trump am Samstag auf Twitter.

Rechtsexperten nannten es einen äusserst ungewöhnlichen Vorgang, dass ein amtierender Präsident die Legitimität und Kompetenz eines Richters offen in Frage stellt.

Vize-Präsident Mike Pence verteidigte Trump in einem TV-Interview. Auf die Frage, ob die Bezeichnung von Robart als "sogenannten Richter" möglicherweise die verfassungsmässige Gewaltenteilung in Frage stelle, sagte Pence: "Das glaube ich nicht. Ich denke, die Amerikaner sind sehr daran gewöhnt, dass dieser Präsident seine Meinung deutlich ausspricht."

Trump habe deutlich gemacht, "dass unsere Regierung die Sicherheit der Amerikaner an erste Stelle setzen wird. Das von ihm erlassene Dekret war legal, es war angemessen, und unsere Regierung wird alle juristischen Massnahmen nutzen, die uns zur Verfügung stehen, um die richterliche Verfügung anzufechten", sagte Pence im Sender ABC.

Visa wieder gültig

Trump hatte mit seinem Dekret unter anderem einen befristeten Einreisestopp für Flüchtlinge und für Menschen aus sieben mehrheitlich islamischen Ländern verfügt.

Das Aussenministerium war nach dem Richterspruch aus Seattle gezwungen, die Annullierung von Visa für 60'000 bis 100'000 bereits von der Sperre betroffene Ausländer rückgängig zu machen. Das Ministerium für Innere Sicherheit ordnete seinerseits an, "alle Aktionen zur Umsetzung" des Trump-Dekrets auszusetzen, wie es in einer amtlichen Mitteilung hiess. Reisenden würden nun wieder so überprüft wie vor der Anweisung Trumps.

Generell wird erwartet, dass der Rechtsstreit am Ende vor dem höchsten US-Gericht landet - und sich das Land damit erst in der frühen Phase einer langwierigen gerichtlichen Auseinandersetzung befindet.

SDA-ATS