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Eine Befreiung von Impfungen von der Franchise soll mehr junge Erwachsene dazu bewegen, sich impfen zu lassen.

KEYSTONE/AP/MATTHIAS RIETSCHEL

(sda-ats)

Künftig könnten alle Impfungen, die von der Krankenversicherung bezahlt werden, von der Franchise ausgenommen werden. Das sieht die Impfstrategie des Bundes vor. Die Versicherer fordern Klarheit zu den Kosten.

Mit der nationalen Strategie zu Impfungen will das Bundesamt für Gesundheit (BAG) erreichen, dass sich mehr Erwachsene impfen lassen. Am Mittwoch endete die Anhörung des Projekts.

Am häufigsten werden zwar Säuglinge und Kinder geimpft. Doch auch Erwachsene benötigen verschiedene Impfungen, etwa Auffrisch- oder Nachholimpfungen, Impfungen zum Schutz gegen die Grippe oder gegen Krankheiten, die sie bei einer Auslandsreise auflesen könnten.

Damit sich Erwachsene den notwendigen Schutz auch holen, sollen Impfungen, für welche die obligatorische Krankenversicherung aufkommt, von der Franchise ausgenommen werden. Für die Versicherten hiesse das: Gratis-Impfungen und -Wiederholungsimpfungen unter anderem gegen Tetanus, Hepatitis B oder Grippe.

Junge Erwachsene im Visier

Die Massnahme zielt insbesondere auf junge Erwachsene, denn in diesem Alter fallen oft Nachholimpfungen an. Gleichzeitig ist besonders diese Altersgruppe häufig mit einer hohen Franchise versichert.

Eine Befreiung der Impfungen von der Franchise bedeutet aber zusätzliche Kosten für die Versicherungen - wie hoch diese ausfallen, ist allerdings unklar. Dies müsse geprüft werden, schreibt das BAG im Entwurf für die Strategie. Dieser Mangel an Klarheit missfällt den Versicherern.

Der Krankenkassenverband Santésuisse, der das Projekt grundsätzlich befürwortet, kritisiert den Mangel an konkreten Schätzungen zu den Kosten, die bei den Versicherungen anfallen würden. Der Verband wirft die Frage auf, wie der Bund eine solche Befreiung von der Franchise zu finanzieren gedenke.

Umsetzung ab nächstem Jahr

Das BAG wiederum argumentiert, dass die Kosten heute zu Lasten der geimpften Person gehen, könne eine Barriere für die Impfung sein. Der Bundesrat dürfte nun bis Ende Jahr über das Projekt befinden. Damit soll die Strategie ab 2017 umgesetzt werden können.

Ziel der Impfstrategie ist es, die Menschen über den Nutzen von Impfungen aufzuklären, ein gutes Impfangebot zu gewährleisten und das Engagement der für das Impfen zuständigen Akteure zu fördern. Impfungen gehören laut BAG zu den wirksamsten Mitteln gegen schwere Krankheiten wie Diphterie, Starrkrampf, Kinderlähmung oder Masern. Impfstoffe und eine hohe Impfquote hätten manche dieser Krankheiten stark zurückgedrängt oder zum Verschwinden gebracht.

Erste Sondierungen für die Impfstrategie hatten bereits in den Jahren 2011 und 2012 begonnen. Schwachstellen waren namentlich die unklaren Rollen und Zuständigkeiten und der nicht immer leichte Zugang zu Impfstoffen, wie es im Entwurf für die Strategie heisst.

Diese sieht vor, dass Bund, Kantone und weitere Partner zusammenarbeiten. Laut BAG stützt sich die Strategie auf das seit Anfang Jahr geltende neue Epidemiengesetz, und sie ist eng abgestimmt auf die Strategie gegen Antibiotikarestistenzen. Denn je mehr Krankheiten durch Impfungen verhindert werden können, desto weniger Antibiotika müssen in Therapien verabreicht werden.

sda-ats

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