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Nach drei schweren Niederlagen muss Lugano in der Super League Gegensteuer geben, um im Abstiegskampf nicht auch noch Vaduz davonziehen zu lassen. Die Tessiner empfangen am Sonntag den FC Thun.

In der sehr schwierigen Zeit, in der er drin steckt, empfängt der FC Lugano am Sonntag um 13.45 Uhr ausgerechnet einen Gegner, gegen den er die drei bisherigen Duelle der Saison alle verloren hat, wenn auch jedes Mal mit nur einem Tor Unterschied.

Nach drei Niederlagen in Folge mit einem beschämenden Torverhältnis - in diese Fall 1:17 - wird die Position des Trainers oft und gern hinterfragt. Der FC Lugano könnte ein Sonderfall sein. Präsident Angelo Renzetti hat eine besondere Nähe zu Trainer Zdenek Zeman. Renzetti ist nicht nur Präsident, er ist auch der hauptsächliche Geldgeber und de facto der Sportchef. Er gehört zu Zemans Bewunderern. Es wird möglicherweise noch ein paar Niederlagen mehr brauchen, bis die Stimmung umschlägt.

Die drei brutal hohen Niederlagen gegen Sion (0:6), bei den Young Boys (0:7) und gegen Basel (1:4) sind mehr als nur Alarmsignale, sie sind eine sportliche Katastrophe. Jetzt lässt sich werweissen, ob die schwere Baisse des Aufsteigers in der Meisterschaft mit dem überraschenden Vorstoss in den Cupfinal zu tun hat. Tatsächlich haben die Ticinesi nach dem Sieg im Halbfinal in Luzern vier von fünf Meisterschaftsspielen verloren, so mit 1:2 auch die "Revanche" in Luzern. Die Ausnahme war der 1:0-Sieg bei GC in einer Partie, in der die Zürcher so schwach spielten wie sonst kaum jemals.

Mit den Gedanken im Cupfinal?

Die genannten letzten drei Spiele waren aus der Sicht Luganos auch deshalb erschreckend, weil die Gegner jeweils schon in der Pause 3:0 (Sion), respektive zweimal 4:0 (YB, Basel) führten. Das können Hinweise darauf sein, dass die Luganesi diese Partien fahrig und ohne jede Konzentration angefangen haben. Sind die Spieler – im Unterbewusstsein – mit ihren Gedanken schon am Cupfinal in Zürich gegen den FCZ? Wenn dies so wäre, müssten sie sich am Ende der Saison möglicherweise schwere Vorwürfe gefallen lassen. Besonders dann, wenn sie gänzlich mit leeren Händen dastünden - als Absteiger in die Challenge League und als Verlierer des Cupfinals.

Luganos Leistungen in den letzten drei Spielen waren so schwach, dass man sich auch fragen muss, ob der lange Jahre in der italienischen Serie A erprobte Trainer Zdenek Zeman noch genügend Einfluss auf die Mannschaft hat. Als zuletzt ein Tor um das andere gegen den FCL fiel, wirkte der 68-jährige Tscheche am Spielfeldrand teilnahmslos; sein Engagement schien kaum grösser zu sein als das der Mannschaft. Allerdings machte Zeman sehr oft schon zu seinen Zeiten in Italien einen apathischen Eindruck, selbst wenn seine Mannschaften gut spielten und siegten.

Zeman gibt Fehler zu

Zdenek Zeman nimmt einen grossen Teil der Verantwortung für die bitteren Niederlagen auf sich. "Nachdem wir in den Cupfinal gekommen waren und auch gegen die Grasshoppers gewonnen hatten, wollten wir unser Spielsystem etwas verändern. Wir versuchten, auch selber ein Spiel zu bestimmen.“ Die Übung ist gründlich gescheitert, "Dafür ist unser Kader einfach nicht stark genug", räumt Zeman ein. Deshalb verordnet der Trainer seinen Spielern schon für den Match gegen Thun eine Taktik, mit der sie wieder vermehrt auf die Aktionen des Gegners reagieren sollen. Trotz der drei Niederlagen gegen Thun in dieser Saison bleibt Zeman zuversichtlich: "In allen drei Spielen waren wir nahe daran, Punkte zu gewinnen."

Die Super-League-Spiele vom Sonntag:

Lugano - Thun (bisherige Resultate der Saison 2015/16:: 2:3, 1:2, 1:2). - Sonntag, 13.45 Uhr. - SR Jancevski. - Absenzen: Veseli (gesperrt) und Padalino (verletzt); Wieser, Wittwer, Sutter, Peyretti (alle verletzt) und Ferreira (krank). Fraglich: -; Hediger, Schindelholz, Munsy. - Statistik: Nach drei Niederlagen mit dem ungewöhnlichen Gesamtskore von 1:17 muss Lugano ausgerechnet gegen eine Mannschaft zum Punkten zurückfinden, gegen die sie in dieser Saison dreimal verloren hat. Lugano gegen Thun ist ein Duell ohne jede Tradition. Nach den bis dorthin einzigen zwei, von Lugano im Frühling 2000 gewonnenen Partien in der damaligen Auf-/Abstiegsrunde spielten die beiden Klubs über 15 Jahre lang nicht mehr gegeneinander. Thun beendete zuletzt eine Serie von vier Unentschieden ab Ende Februar mit einem Heimsieg gegen GC und einer Auswärtsniederlage in Sitten. Thuns Trainer Jeff Saibene sagt, er habe von einem solchen Malheur wie dem des FC Lugano mit drei so happigen Niederlagen noch nie gehört. Genau deshalb schätzt der Luxemburger die Aufgabe im Tessin als besonders heikel ein.

Young Boys - Vaduz (4:0, 1:1, 1:1). – Sonntag, 13.45 Uhr. – SR Bieri. - Absenzen: Benito, Wüthrich, Seferi (alle verletzt) und Zakaria (krank); Ciccone (gesperrt), Fekete, Kamber, Schürpf und Hasler (alle verletzt). Fraglich: Von Bergen, Vilotic; - . - Statistik: Die Young Boys haben zu einer Konstanz gefunden, die sie schon im Herbst hätten zeigen müssen, um dem Titelfavoriten Basel über die ganze Saison ernsthaft die Stirn bieten zu können. In diesem Kalenderjahr begannen die Berner mit zwei Unentschieden, bevor sie sechs der letzten sieben Spiele gewannen und an den Grasshoppers, den Rivalen um Platz 2, vorbeizogen. Die aktuelle Form, aber auch das 4:0 in Bern im Hinspiel, deuten auf einen neuerlichen Sieg der Young Boys gegen Vaduz hin. Die Liechtensteiner reisen nach dem 3:0-Heimsieg gegen St. Gallen mit einer guten Moral nach Bern.

St. Gallen - Basel (1:2, 2:1, 2:4). - Sonntag, 16.00 Uhr. - SR Erlachner. - Absenzen: Mutsch (gesperrt), Tafer, Dziwniel und Lässer (alle verletzt); Janko, Hoegh, Akanji, Degen und Sporar (alle verletzt). Fraglich: Bunjaku, Thrier; - . - Statistik: Bevor Basel Ende November eine eindrucksvolle, heute noch anhaltende Serie der Ungeschlagenheit mit neun Siegen und zwei Niederlagen in Angriff nahm, war St. Gallen die letzte Mannschaft, die (mit einem 2:1 zu Hause) gegen die Basler gewinnen konnte. Es war damals auch das Ende einer Basler Minikrise mit zwei Niederlagen (GC, St. Gallen) nacheinander. Daneben war es in dieser Saison nur noch YB vorbehalten, dem FCB drei Punkte abzunehmen. Sollten die Ostschweizer dies am Sonntag zum zweiten Mal schaffen, wäre es nach vier Niederlagen in den letzten fünf Spielen Balsam auf ihre Seele. St. Gallen ist immerhin die einzige Mannschaft, die in den Vergleichen mit Basel seit Beginn der Saison 2014/15 keine Negativbilanz aufweist. Beide gewannen dreimal, ein weiteres Spiel brachte ein Remis.

sda-ats

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