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Im Duell zweier Startsieger lockt die vorzeitige Qualifikation für die K.o.-Phase. Der Sieger der Partie Deutschland - Polen ist weiter. Die Ukraine und Nordirland visieren ihre ersten Punkte an.

Nach ihrem 2:0 im Auftaktspiel gegen die Ukraine treffen die Deutschen auf einen Gegner, mit dem sie sich schon in der Qualifikation zur aktuellen EM beschäftigen mussten und den sie gewiss nicht unterschätzen werden. Zu frisch ist die Erinnerung an den 11. Oktober 2014, dem Tag einer historischen Niederlage. Es resultierte für den damals frischgebackenen Weltmeister in Warschau ein 0:2. Zum ersten und bisher einzigen Mal in mittlerweile 20 Länderspielen mussten sich die Deutschen den Polen geschlagen geben.

Im Rückspiel ein knappes Jahr später in Frankfurt hatte Deutschland eine starke Antwort parat. In Frankfurt fertigten sie Polen in ihrem wohl besten Spiel 2015 mit 3:1 ab, womit die Rangordnung wieder hergestellt war. An diese Leistung wollen die Deutschen heute Abend ab 21.00 Uhr anknüpfen.

Schauplatz ist das Stade de France, mit dem die Equipe von Bundestrainer Joachim Löw das traurige Ereignis mit den Terroranschlägen vom 13. November des letzten Jahres verbindet. Beim Testspiel gegen Frankreich hatte es auch im Umfeld des Stadions Tote gegeben, insgesamt verloren 130 Menschen in Paris ihr Leben. "Man hat das im Hinterkopf", sagt Deutschlands überragender Keeper Manuel Neuer. Ein mulmiges Gefühl dürfte ihn und seine Kollegen beschleichen, wenn sie den Kabinentrakt betreten, in dem sie damals die ganze Nacht ausharren mussten.

Doch nun muss die Konzentration der Aufgabe gegen Polen gelten. Noch nie in seiner Amtszeit hat Löw im zweiten Spiel eines grossen Turniers eine Änderung in seiner Startelf vorgenommen. Allerdings ging auch nur eine dieser vier Begegnungen siegreich zu Ende. Dieses Mal könnte Löw, falls der zuletzt mit einem Muskelfaserriss pausierende Innenverteidiger Mats Hummels wieder bereit ist, von seinem Prinzip abweichen. In diesem Fall müsste aber mit Shkodran Mustafi ausgerechnet der Torschütze zum wegweisenden 1:0 gegen die Ukraine draussen bleiben. Für Bastian Schweinsteiger bleibt erneut nur die Joker-Rolle, die er im ersten Spiel vorzüglich ausfüllte. Wie er die Flanke von Mesut Özil, der vor seinem 75. Länderspiel steht, zum 2:0 verarbeitete, war absolut sehenswert.

Der in Deutschland wohl derzeit bekannteste Pole, Goalgetter Robert Lewandowski von Bayern München, ist gleichzeitig auch jener Spieler, den die Deutschen am meisten fürchten. Im Startspiel der Polen beim 1:0 gegen Nordirland blieb Lewandowski noch unter Wert, aber das muss bei einer Tormaschine wie ihm nicht viel heissen. Torhüter Wojciech Szczesny, der kurz vor der EM geheiratet hat, fällt wegen einer Verletzung im Oberschenkel aus. Wie lange der Goalie pausieren muss, ist noch nicht klar.

Die Nordiren müssen offensiver werden

Die Ukraine und Nordirland stehen vor dem zweiten Spieltag beide mit null Punkten zu Buch, ernteten aber völlig unterschiedliche Kritiken für ihren ersten Auftritt. Wie die Osteuropäer in der Viertelstunde vor der Pause die Deutschen ins Schwimmen gebracht hatten, verdiente Respekt. Wenn sie heute in Lyon ab 18.00 Uhr ähnlich forsch auftreten, scheint nicht vorstellbar, dass Nordirland dagegenhalten kann. Vor allem nicht, wenn man sich deren Leistung gegen Polen vor Augen hält.

Die Nordiren schafften es in 90 Minuten kaum einmal über die Mittellinie. Der frühere Sittener Kyle Lafferty stand einsam als einzige Spitze vorne und stellte hinterher fest: "Das war nicht das Team, das uns an die EM gebracht hat." Nach zuvor zwölf aufeinanderfolgenden Spielen ohne Niederlage standen die Nordiren schlicht auf verlorenem Posten.

Für den Match gegen die Ukraine verspricht Lafferty Besserung, und es wird damit gerechnet, dass mit Jamie Ward ein zweiter Stürmer die Offensive verstärken wird. Mehr Mut scheint unabdingbar, sonst wird der EM-Debütant aus Nordirland, der zuletzt vor 30 Jahren an einer WM vertreten war, ohne Punkte bleiben.

sda-ats

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