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Polizisten und Bahnmitarbeiter inspizieren die ineinander verkeilten Züge: Am Sonntag in der Nacht ist im belgischen Hermalle-sous-Huy bei Lüttich ein Intercity-Zug von hinten in einen Güterzug hineingekracht.

KEYSTONE/EPA/OLIVIER HOSLET

(sda-ats)

Bei einem Zugunglück nahe Lüttich in Belgien sind drei Menschen getötet und neun verletzt worden. Waggons entgleisten und kippten um. Nach dem Unfall laufen die Ermittlungen - über die Ursache wird spekuliert.

Am späten Sonntagabend krachte ein Intercity-Zug mit rund 40 Passagieren an Bord in der Gemeinde Saint-Georges-sur-Meuse in einen Güterzug, wie die Bahngesellschaft SNCB mitteilte. Der Zug war in Mouscron gestartet und sollte eigentlich kurz vor Mitternacht in der rund 40 Kilometer westlich von Aachen gelegenen Ortschaft Liers eintreffen.

Wie es zu dem Unglück kommen konnte, war zunächst unklar. Vor dem Aufprall hatte es einen Blitzeinschlag an der Strecke gegeben. Auf der Twitter-Seite von SNCB gab es am Abend zudem einen Hinweis auf eine Signalstörung auf der Route.

Nach übereinstimmenden Berichten belgischer Medien kamen der Lokführer des Intercitys sowie zwei Reisende bei dem Unglück ums Leben. Die neun zum Teil schwer verletzten Passagiere wurden in umliegende Spitäler gebracht. Die übrigen Reisenden des Personenzugs sowie der Fahrer des Güterzuges kamen mit dem Schrecken davon. In dem Zug sassen viele Studenten auf dem Weg nach Lüttich, wie Verkehrsminister François Bellot sagte.

Ermittlungen aufgenommen

Noch in der Nacht nahmen Ermittler und Staatsanwaltschaft Untersuchungen zum Unfallhergang auf. Mehrere Hypothesen würden in Betracht gezogen, um die Kollision zu erklären, sagte ein Sprecher des Schienennetzbetreibers Infrabel laut Nachrichtenagentur Belga. Ein Problem mit einem Signal sei möglich. Für eine Verbindung mit dem Blitzeinschlag an der Strecke sei es jedoch viel zu früh. Auch der Nebel zum Unfallzeitpunkt könne eine Rolle gespielt haben.

Belgische Züge sind nach Angaben des Infrabel-Sprechers mit einem speziellen Bremssystem ausgestattet. Es soll verhindern, dass Züge Rotlicht-Signale überfahren. 99,99 Prozent des belgischen Schienennetzes seien mit dem zugehörigen System ausgestattet. Die Ermittlungen müssten zeigen, ob es Probleme mit dem System gegeben habe.

Am Montagnachmittag besuchten König Philippe sowie der belgische Premierminister Charles Michel den Unfallort. Michel hatte zuvor bereits den Familien der Opfer und ihren Angehörigen sein Beileid übermittelt. Die belgische Bahn bedankte sich auf Twitter bei den Rettern für ihren Einsatz.

Völlig zerstörte Waggons

Bilder von der Unglücksstelle zeigten völlig zerstörte Waggons des Passagierzuges, die quer über Bahngleisen lagen. Mit einem Grossaufgebot waren Rettungskräfte aus der Region an die Unglücksstelle nahe des Ortes Saint-Georges-Sur-Meuse ausgerückt.

Feuerwehrleute bargen eingeschlossene Menschen aus den Trümmern. Sanitäter und Seelsorger kümmerten sich um die befreiten Passagiere. Der vorderste Wagen sei vollkommen zerdrückt worden, sagte der Bürgermeister der Ortschaft, Françis Dejon, laut Belga. "Wir haben grosses Glück, dass es nicht mehr Opfer gegeben hat."

In Belgien war es zuletzt im Februar 2010 zu einem folgenschweren Zugunglück gekommen. Damals prallten nahe Brüssel zwei Regionalzüge zusammen - mindestens 18 Menschen starben, rund 80 wurden verletzt. Ein Lokführer hatte im morgendlichen Berufsverkehr ein Stoppsignal übersehen.

sda-ats

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