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Amatrice - nun auch noch unter Schnee begraben.

KEYSTONE/EPA ANSA/EMILIANO GRILLOTTI

(sda-ats)

Fünf Monate nach dem verheerenden Beben von Amatrice haben vier heftige Erdstösse innerhalb weniger Stunden erneut die Region in Mittelitalien getroffen. Am Mittwochabend meldeten die Behörden das erste Todesopfer.

Die Leiche sei im Dorf Castel Castagna in der Provinz Teramo unter den Trümmern eines eingestürzten Hauses gefunden worden, teilte der Zivilschutz mit.

Ein Schneechaos erschwerte die Hilfe nach den Erdbeben. Erdbebenwarten zufolge erreichten am Vormittag drei Erdstösse in kurzer Folge Stärken zwischen 5,3 und 5,7 in Tiefen zwischen sieben und 40 Kilometern. Am Nachmittag folgte ein Beben der Stärke 5,1.

Die Erschütterungen waren bis ins etwa 100 Kilometer entfernte Rom zu spüren, wo die U-Bahn evakuiert wurde. Tausende Schüler wurden nach Hause geschickt, und Museen schlossen ihre Pforten.

Der viele Schnee mache die Situation in der bergigen Region, die bereits im August und im Oktober von der Naturgewalt heimgesucht worden war, besonders kompliziert, sagte der Chef des Zivilschutzes, Fabrizio Curcio.

Am 24. August waren bei einem Beben der Stärke 6,2 in der Nähe von Amatrice 300 Menschen ums Leben gekommen. Das Beben verursachte damals immense Schäden an Gebäuden und Infrastruktur. Dem Zivilschutz zufolge wurden seitdem mehr als 45'000 Beben registriert, darunter eines der Stärke 6,6 im Oktober.

Schneemassen erschweren Hilfen

Schon vor den schweren Erdbeben am Mittwoch ächzte die Region unter Schneemassen - dem Zivilschutz zufolge erschweren die Wetterbedingungen anlaufende Hilfen.

Die Bürgermeister der betroffenen Orte setzten Hilferufe ab. "Der Notfall ist nicht das Erdbeben (...), sondern der Schnee", sagte der Bürgermeister von Amatrice, Sergio Pirozzi, laut der Nachrichtenagentur Ansa. Mehr Räumfahrzeuge und Schneefräsen seien notwendig. "Wir haben Ortsteile, die von zwei Meter hohem Schnee isoliert sind."

"Es gibt keine Opfer, aber viele Schäden. Einige Orte sind bereits seit 48 Stunden ohne Strom", sagte der Präsident der Region Abruzzen, Luciano D'Alfonso, dem Journal des Zivilschutzes.

Der Bürgermeister der Stadt Ascoli Piceno in den Marken verlangte Hilfe des Militärs. "Hier sind Hunderte Menschen isoliert und ohne Strom", sagte Guido Castelli laut der Zeitung "La Repubblica". "Die Leute sind terrorisiert." Er sprach von einem "monströsen Notfall".

In der Berggemeinde Campotosto nahe der Abruzzen-Hauptstadt L'Aquila gelang Feuerwehrmannschaften immerhin die Rettung einer Mutter und ihres Kindes aus den Trümmern ihrer Wohnung. Die beiden wurden unterkühlt mit einem Helikopter ins Spital eingeliefert.

Weitere Beben möglich

Zehntausende Menschen wurden bei den Beben im vergangenen Jahr obdachlos und wohnen seither in Übergangsunterkünften. Man könne nicht ausschliessen, dass auf die Beben am Mittwoch weitere, noch schwerere Erdstösse folgen, sagte der Geologe der Erdbebenwarte INGV, Carlo Meletti, der Zeitung "La Repubblica".

Italien wird immer wieder von schweren Erdbeben heimgesucht. Grund für die Beben sind riesige Spannungen, die sich im Untergrund aufbauen. Der "Adriatische Sporn" - ein Anhängsel der afrikanischen Erdplatte - reibt sich dort an der eurasische Platte. Auch deshalb haben sich Italiens Mittelgebirge aufgefaltet. Die enormen Energien können sich immer wieder in Beben entladen.

SDA-ATS