Helfer bergen weitere Leichen aus verschüttetem italienischen Hotel


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Helfer suchen in den Schneemassen nach den restlichen Vermissten.

KEYSTONE/EPA ANSA /CNSAS/SOCCORSO ALPINO HANDOUT

(sda-ats)

Rund eine Woche nach dem Lawinenunglück in Mittelitalien sind weitere Tote aus den Trümmern des verschütteten Hotels geborgen worden. Die Zahl der Todesopfer steigt damit auf 15.

14 Menschen würden noch vermisst, teilte die Präfektur in Pescara am Dienstag mit. Elf hatten das Unglück überlebt. Die Retter suchen noch immer Tag und Nacht nach möglichen Überlebenden im Hotel Rigopiano in den Abruzzen.

Die Suche geht äusserst langsam voran. Die Helfer bahnen sich teilweise mit blossen Händen einen Weg, um den Einsturz von Gebäudeteilen im Inneren des Hotels zu vermeiden. Hoffnung war aufgekommen, nachdem die Einsatzkräfte am Montag drei Hundewelpen aus den Trümmern lebend gerettet hatten.

"Wir hören nicht auf zu suchen, bis wir nicht die Gewissheit haben, dass niemand mehr da (unter den Trümmern) ist", sagte Luigi d'Angelo vom Zivilschutz. "Wir graben noch im Herzen des Gebäudes, in dem Bereich zwischen der Küche, der Bar und der Eingangshalle. Wir machen weiter, bis wir alle gefunden haben."

Opfer begraben

Die Lawine war vergangenen Mittwoch nach einer Erdbebenserie abgegangen und hatte des Hotel unter sich begraben. Tage danach konnten neun Überlebende aus dem Gebäude gezogen werden, darunter vier Kinder. Zwei Menschen hatten das Unglück überlebt, weil sie bei dem Lawinenabgang vor dem Hotel waren.

In Farindola, einige Kilometer vom Hotel entfernt, wurde am Dienstagvormittag eines der Opfer beerdigt. Die Leiche des 42-jährigen Oberkellners war eine der ersten, die aus den Trümmern geborgen wurde. Auch die Region Marke verabschiedete sich von drei Personen, die ums Leben kamen.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Die Staatsanwaltschaft in Pescara ermittelt gegen Unbekannt wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung. Unter anderem muss geklärt werden, ob der Rettungseinsatz nur schleppend anlief und ob Notrufe ignoriert wurden. Die ermittelnde Staatsanwältin Cristina Tedeschini sagte jedoch, die Verspätung beim Start der Rettungsaktion habe etwa eine Stunde betragen und könne nicht als "entscheidend" betrachtet werden.

Die örtlichen Behörden werden zudem kritisiert, weil sie offenbar nach dem Erdbeben nicht dafür sorgten, dass die Strasse zum Hotel vom Schnee geräumt wurde. Dadurch konnten die Gäste das Hotel nicht rechtzeitig verlassen.

Auch stellt sich die Frage, ob beim Bau des Hotels alles mit rechten Dingen zuging. Das Hotel Rigopiano wurde vor zehn Jahren zu einem Vier-Sterne-Haus ausgebaut. Ermittler waren längere Zeit dem Verdacht nachgegangen, dass Gemeindevertreter bestochen wurden, um den Ausbau des Hotels zu ermöglichen. Im vergangenen November wurden die Ermittlungen eingestellt.

Nach Angaben des Vorsitzenden des italienischen Geologen-Rats, Francesco Peduto, galt die Gegend bisher als wenig lawinengefährdet. Erst der ungewöhnlich harte Winter und die Erdbebenserie am Mittwoch hätten zu der Tragödie geführt.

SDA-ATS

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