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Mit der Partie Bayern München - Werder Bremen wird die neue Bundesliga-Saison heute (20.30 Uhr) eröffnet.

In Deutschland wird ein spannender Titelkampf herbeigesehnt. Dieser dürfte jedoch erneut kaum Tatsache werden. Zu gross ist der Umbruch bei Bayern Münchens grösstem Konkurrenten Borussia Dortmund.

25 Punkte Vorsprung waren es 2013, 19 ein Jahr später, zweimal 10 Zähler waren es zuletzt: Münchens Dominanz in der Bundesliga zunehmend geringer? Mitnichten!

Dass Bayern den Meistertitel in der letzten Saison erst am vorletzten Spieltag rechnerisch unter Dach und Fach bringen konnte, lag nicht an den Münchnern selbst, die in 34 Spielen nur sechsmal nicht gewannen, sondern an Dortmund.

Der BVB avancierte zum besten Zweiten der Bundesliga-Geschichte - und riss hinter sich ein grosses Loch auf. 18 Punkte betrug am Ende der Abstand zum drittplatzierten Bayer Leverkusen. Sportlich und wirtschaftlich entrückt ist der Konkurrenz mittlerweile also nicht nur Bayern München, sondern - selbstredend in geringerem Ausmass - auch der Rivale aus Dortmund.

Transfer-Coup und Risiko-Transfers

Doch den BVB betreffend gibt es vor der am Freitag beginnenden 54. Bundesliga-Saison dicke Fragezeichen. Keines der 18 Teams hatte im Sommer einen ähnlich grossen Umbruch zu meistern. Die drei Leistungsträger Mats Hummels, Henrich Mchitarjan und Ilkay Gündogan suchten in Bayern und England eine neue Herausforderung, kompensiert hat Dortmund den Aderlass mit acht Neuzugängen, deren bisheriger Karriereverlauf unterschiedlicher kaum sein könnte.

Einnahmen von rund 110 Millionen Euro stehen in Dortmund Ausgaben in fast identischer Höhe gegenüber. Keine Bundesliga-Equipe investierte annähernd so viel. Mit Mario Götze und dessen Kumpel André Schürrle wechselten die "Produzenten" des WM-Final-Tores von 2014 nach Dortmund, beide wurden aufgrund ihrer zuletzt seit Monaten unter den Erwartungen gebliebenen Leistungen jedoch mit Vorbehalten vom BVB-Anhang empfangen. Die Transfers sind umstritten, in Dortmund erhoffen sie sich gleichwohl eine Win-Win-Situation für beide Seiten: für Klub und Spieler.

Götze und Schürrle werden stark im Fokus der Öffentlichkeit stehen, die im Fachmagazin "kicker" geäusserte Forderung von Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc ist unmissverständlich: "Leistung bringen, Leistung bringen, Leistung bringen!"

Grosses Lob ernteten Dortmunds Verantwortliche dagegen für die Verpflichtung von Ousmane Dembélé. Laut Experten ist der Borussia, die seit 2012 auf einen grossen Titel wartet, damit ein veritabler Coup gelungen. Am 19-jährigen von Rennes gekommenen französischen Super-Dribbler soll fast die gesamte europäische Klub-Elite interessiert gewesen sein.

Dortmunds Offensive präsentiert sich auf die neue Saison hin überaus variabel und qualitativ so hochwertig, dass sie gar höchsten internationalen Ansprüchen genügt. Allerdings muss sich die verjüngte Equipe - neu gehört ihr mit dem Türken Emre Mor ein weiterer hoch veranlagter 19-Jähriger an - erst finden und zusammenwachsen. Es ist deshalb nicht davon auszugehen, dass Dortmund den Bayern schon in dieser Saison den Bundesliga-Titel wieder wird streitig machen können.

In der Breite noch stärker

Der FC Bayern München seinerseits vermochte sein qualitativ hochstehendes Kader mit den Transfers von Mats Hummels und Renato Sanches weiter zu veredeln. Mittlerweile ist kein Team in Europa in der Breite stärker besetzt. Allerdings wurde selbst Münchens offensive Durchschlagskraft aufgrund der Verletzungsanfälligkeit einiger Kreativspieler (auf den Flügeln) in den vergangenen Jahren mehrfach in Topspielen erheblich gemindert.

Anders als die deutsche und europäische Konkurrenz hat Bayern seine Hausaufgaben auf dem Transfermarkt bereits im Mai erledigt. Derweil die eigene Nachwuchsabteilung den eigenen Ansprüchen seit Jahren nicht genügt, bewiesen die Bayern-Verantwortlichen zuletzt wiederholt bei der Neuverpflichtung von hoffnungsvollen Talenten ein feines Gespür. Dass dem Kader mit Renato Sanches und Kingsley Coman die besten beiden Nachwuchsspieler der EM und mit Joshua Kimmich der Aufsteiger schlechthin im deutschen Fussball angehören, ist das Verdienst des Technischen Direktors Michael Reschke.

Mit Carlo Ancelotti kehrte nach dem freiwilligen Abgang von Pep Guardiola Gelassenheit und eine Art Vaterfigur auf die bayrische Trainerbank zurück, die seit dem Triple-Gewinn unter Jupp Heynckes von vielen Anhängern vermisst wurde. Es menschle wieder beim FC Bayern, lautete der nicht zu überhörende Tenor in den deutschen Medien nach der Amtsübernahme des 57-jährigen Italieners.

Ancelotti weiss, dass in München der Titel in der Bundesliga mittlerweile als etwas Selbstverständliches vorausgesetzt wird und zur Beurteilung der Saison primär das Abschneiden in Europa herangezogen wird. Grossen Druck spüre er deswegen keinen, er sei ihn sich ohnehin gewohnt, so der dreimalige Champions-League-Sieger.

Gesucht: die dritte Kraft

Im langen Schatten von Bayern München und Borussia Dortmund versuchen sich in der Bundesliga mehrere Klubs mit wechselndem Erfolg als Nummer 3 zu etablieren. In der Pole-Position für die neue Saison befindet sich Bayer Leverkusen.

Anders als in den Jahren zuvor musste Bayer Leverkusen (bislang) keinen gewichtigen Abgang eines Leistungsträgers kompensieren. Das Team ist eingespielt und wurde in der Verteidigung (Aleksandar Dragovic), im Mittelfeld (Julian Baumgartlinger) und im Sturm (Kevin Volland) gezielt verstärkt. Coach Roger Schmidt strotzt vor Zuversicht und liess bereits vor Wochen verlauten: "Ich sehe unser bestes Jahr kommen." Bleibt Leverkusen anders als in der Vorsaison von grossem Verletzungspech verschont, dürfte sich die Equipe mit dem nach Leipzig jüngsten Durchschnittsalter direkt hinter Bayern München und Borussia Dortmund einreihen.

Manager als Hoffnungsträger

Kaum ein Stein auf dem anderen geblieben ist 55 km nördlich von Leverkusen in Gelsenkirchen. Die Euphorie rund um Schalke 04 ist seit der Ankunft von Christian Heidel - einmal mehr - riesig, dürfte sich jedoch mittelfristig als berechtigt erweisen. Der 53-Jährige, der in Mainz über Jahre hinweg mit wenig finanziellen Mitteln grossen sportlichen (Europacup-Qualifikation) und ökonomischen Ertrag realisierte, gilt als einer der besten Manager der Bundesliga, besticht durch Eloquenz und besitzt ein überragendes Netzwerk.

Nach 24 Jahren in Mainz hegte Heidel den Wunsch nach Neuem auf grösserer Bühne. Mit dem zuletzt in Augsburg engagiert gewesenen Markus Weinzierl brachte der neue "Macher" seinen Wunschtrainer mit in den Ruhrpott, und noch während der EM realisierte er den Königstransfer, indem er Breel Embolo aus Basel zu Schalke lotste. Mit der Verpflichtung des Spaniers Coke, dem dreimaligen Europa-League-Sieger mit dem FC Sevilla, gelang Schalke ein weiterer Transfercoup. Allerdings steht der Aussenverteidiger aufgrund einer Anfang August erlittenen Kreuzbandverletzung für mehrere Monate nicht zur Verfügung.

In der Europacup-Zone der Bundesliga etabliert hat sich auch Borussia Mönchengladbach mit den drei Schweizer Internationalen Yann Sommer, Nico Elvedi und Josip Drmic. Trotz des Abgangs von Captain Granit Xhaka dürften die "Fohlen" auch diese Saison im ersten Tabellendrittel beenden. Mit Andreas Christensen in der Innenverteidigung und Mahmoud Dahoud als Taktgeber im Mittelfeld gehören zwei 20-Jährige zu den Symbolfiguren der anhaltenden Gladbacher Hausse.

Gomez' Rückkehr

Vor einem Jahr, nach Platz 2 in der Liga und dem Cupsieg, schien Wolfsburg auf bestem Weg, die Rolle als dritte Kraft nachhaltig auszufüllen. Der Absturz in der letzten Saison war jedoch dermassen gross, dass Europacup-Abende heuer ohne Diego Benaglio und Ricardo Rodriguez stattfinden. Die Umwälzungen im Kader waren in der Sommerpause beträchtlich. Der Abwehrchef Naldo (zu Schalke) verliess Wolfsburg ebenso wie Dante (Nice), André Schürrle (Borussia Dortmund) und Max Kruse (Werder Bremen). Mit dem in der Türkei wieder erstarkten Mario Gomez konnte Manager Klaus Allofs unter den Neuzugängen jenen Spieler präsentieren, der seit der Saison 2006/07 die meisten Treffer in der Bundesliga erzielt hat (132 Tore in 197 Spielen).

Martin Schmidt, derzeit der einzige Schweizer Bundesliga-Trainer, formte Mainz zum laufstärksten Team der Liga. Nun steht der Walliser vor einer neuen Herausforderung, denn erstmals qualifizierte sich der Klub im Europacup für die Gruppenphase. Aufgrund der zusätzlichen Belastung steht Schmidt in der Breite das qualitativ wohl beste Kader der Mainzer Klubgeschichte zur Verfügung.

Euphorie in Leipzig

Aufsteiger RB Leipzig wird von vielen als künftiger Herausforderer von Bayern München gesehen. In dieser Saison dürfte dem von Red Bull finanzierten Klub jedoch maximal der Vorstoss ins Bundesliga-Mittelfeld gelingen; die von Aussenstehenden erwartete Transferoffensive blieb (freiwillig) aus. RB Leipzig will laut Sportdirektor Ralf Rangnick "organisch wachsen". Derweil dem Klub in weiten Teilen Deutschlands Skepsis und mitunter gar Anfeindungen entgegenschlagen, sorgt er in der Heimat für Begeisterung. Schnell musste der Saisonkartenverkauf bei 20'000 gestoppt werden.

sda-ats

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