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Bei der Wahl zur ersten Walliser Staatsrätin 2009 freuten sich Esther Waeber-Kalbermatten und Stéphane Rossini noch gemeinsam. (Archivbild)

KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT

(sda-ats)

Im Wallis kommt es ein Jahr vor den kantonalen Erneuerungswahlen 2017 zu einer Machtprobe zwischen den Sozialdemokraten des deutsch- und des französischsprachigen Kantonsteils. Auslöser dafür ist die erneute Kandidatur von Staatsrätin Esther Waeber-Kalbermatten.

Die Ankündigung vom Samstag der Oberwalliser SP-Staatsrätin für eine dritte Amtszeit war ein Paukenschlag für die kantonale SP-Sektion. Waeber-Kalbermatten stellt sich damit dem im vergangenen Jahr abgetretenen Nationalratspräsidenten Stéphane Rossini in den Weg, der seine Ambitionen nie verborgen hatte.

Der Präsident der SP des französischsprachigen Kantonsteils, Gaël Bourgeois, zeigte sich am Montag entsprechend enttäuscht. Esther Waeber-Kalbermatten habe ihre Kandidatur öffentlich gemacht bevor die Direktionen der beiden Walliser SP-Gruppierungen sich darüber beraten hätten und obwohl man sie gebeten habe, nicht im Alleingang zu kommunizieren, sagte Bourgeois der Nachrichtenagentur sda.

In einem Interview mit der Zeitung "Walliser Bote" antwortete die Oberwalliserin ihrerseits mit einem "Nein" auf die Frage, ob sie mit Rossini über die Frage gesprochen habe. Für Waeber-Kalbermatten ist wichtig, dass auch die deutschsprachige Minderheit des Kantons in der Regierung sowie in Bern vertreten ist.

In Bern ist mit Matthias Reynard allerdings nur die SP des welschen Wallis vertreten. Die kantonale SP-Führungsriege will in zwei Wochen über das weitere Vorgehen beraten.

Zerreissprobe für Walliser SP

Falls auch Stéphane Rossini auf einer Kandidatur beharre, werde der für den Herbst geplante Parteitag wohl auf den Juni vorverlegt, sagte Gaël Bourgeois, Präsident der SP im französischsprachigen Kantonsteil. Die SP-Oberwallis hat Waeber-Kalbermatten bereits Unterstützung signalisiert.

Für die Walliser SP birgt der Fall viel Sprengstoff. Seit ihrem Einzug in die Kantonsregierung 1997 war die SP im Wallis stets durch Oberwalliser vertreten, zuerst durch Peter Bodenmann, dann durch Thomas Burgener und seit 2009 durch Waeber-Kalbermatten.

Die frühere Apothekerin aus Brig VS war zudem die erste Frau in der Walliser Kantonsregierung. Die Ambitionen der Unterwalliser SP sind aber ebenfalls legitim. Gemäss Gaël Bourgeois stammen 80 Prozent der Stimmen der Walliser SP aus dem welschen Kantonsteil.

Zweierkandidatur unwahrscheinlich

Die Walliser SP steht deshalb vor einem sehr schwierigen Entscheid. Für Bourgeois geht es nun vor allem darum, einen "schädlichen Kleinkrieg" zu verhindern. Eine Zweierkandidatur steht bislang nicht auf der Tagesordnung, zumal die Walliser SP nur über einen Sitz in der Exekutive verfügt.

In der fünfköpfigen Kantonsregierung sitzen zudem drei Vertreter der CVP und einer der SVP. Bei den Wahlen 2017 werden die Freisinnigen mit aller Kraft versuchen, den im März 2013 verlorenen Sitz in der Kantonsregierung wieder zurückzuholen.

Für Esther Waeber-Kalbermatten kommt eine Zweierkandidatur nicht in Frage. Eine Zweierliste erachtet sie "für eine Partei mit einem Wähleranteil von rund 20 Prozent als nicht verantwortungsvoll", wie sie im Interview mit dem "Walliser Boten" festhielt.

sda-ats

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