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Das Topspiel zum Start der WM-Ausscheidung: Die Schweiz will in Basel gegen Portugal (20.45) ihre Fortschritte unter Vladimir Petkovic bestätigen.

Die SFV-Auswahl träumt vom Coup gegen den Europameister. Kleinlaut sind sie nicht, die Schweizer Fussballer. "Wir wollen uns mit den Besten messen", sagt etwa Granit Xhaka, der im Premier-League-Alltag mit Arsenal ohnehin kein anderes Credo kennt. Der unumstrittene Chef im zentralen Mittelfeld verspricht 72 Tage nach dem EM-Achtelfinal-Out gegen Polen eine "noch bessere Qualifikations-Kampagne als zuletzt".

Im Kreis der Mannschaft, die innerhalb der letzten zwölf Jahre nur die vorletzte EM verpasst hat, ist eine ausgeprägte Zuversicht spürbar. Der Tenor zur Gruppe B mit Portugal, Ungarn, Lettland, den Färöern und Andorra: "Interessant, aber machbar." Sie müssten angesichts ihrer Qualitäten in der Lage sein, bis zum Schluss um die Topklassierung zu spielen, hatte Stephan Lichtsteiner vor etwas mehr als 13 Monaten am Tag der Auslosung gesagt. Der Captain revidierte seine Einschätzung nach dem Titelgewinn der Portugiesen nicht. "Sie sind gut, aber launisch."

Ihre Ambitionen verheimlichen auch die Protagonisten des Schweizer Fussballverbandes (SFV) nicht. Selbst die in der Regel eher diplomatische SFV-Führung wünscht sich explizit eine vierte WM-Teilnahme in Folge. "Ziel ist die direkte Qualifikation", sagt auch Präsident Peter Gilliéron und bezeugt damit, wie viel er Team und Trainer zutraut.

An der vergangenen EM-Endrunde bekräftigten die Schweizer mit ihrer energischen Haltung, an der erweiterten Spitze nicht nur mitspielen zu wollen. Ihr taktischer Entwurf soll die nächste Vorwärtsbewegung einleiten: "Unser Ziel ist es, gegen jeden Gegner mehr Ballbesitz zu haben", bestätigt Blerim Dzemaili am Wochenende in der Trainingsbasis den in Frankreich eingeschlagenen Kurs.

Bis zum Penalty-Drama gegen Polen in Saint-Etienne sandte die Schweizer Equipe erfreuliche Signale. Sie fand eine hervorragende Balance zwischen Angriffslust und defensiver Organisation. Die UEFA-Statistiker erhärteten die überzeugenden Impressionen. Keine andere Nation erreichte im Passspiel eine höhere prozentuale Quote (91) als Petkovics Ensemble.

Das Problem vor dem Tor

Nicht nur die blanken EM-Kennzahlen und übrigen statistischen Hochrechnungen, sondern auch die moderne Ausrichtung auf dem Rasen belegen: Lichtsteiner und Co. haben ein gewisses Selbstverständnis entwickelt und sich europaweit in den Top 16 etabliert. "Wir wollen Akzente setzen - gegen jeden!" Xhakas Sicht ist keine exklusive. Nicht nur der Arsenal-Profi ortet weiteres Wachstumspotenzial.

Um einem Kontrahenten vom Weltklasseformat Portugals auf gleicher Höhe begegnen zu können, genügt ein perfekter Auftritt in der Abwehr nicht. In ihrer Turnier-Analyse haben die Techniker festgestellt, dass der Mannschaft in der offensiven Zone "etwas fehlt", sie "zu wenig konkret" sei. Kurzum: Die Stürmer müssen ihre Effizienz markant anheben.

Die zu geringe Torproduktion ist kein Thema, das innerhalb von zwei Monaten zu beseitigen ist. Deshalb strebt Petkovic vorerst im Bereich der weichen Faktoren eine weitere Optimierung an. Ihm schwebt vor, den im über vierwöchigen EM-Camp aufgebauten Spirit zu reanimieren: "Mit einer positiven Einstellung ist sehr viel möglich. Die Bereitschaft, mit vollem Herz dabei zu sein, hilft allen."

Petkovics Erkenntnis

Anders als vor zwei Jahren bei seinem missratenen SFV-Debüt gegen England (0:2) und in Slowenien (0:1) sind Petkovics Ideen und Art im Kern verankert. Es gibt keinerlei Irritationen oder Interpretationsspielräume. Jeder hat verstanden, wie der Chef an der Linie funktioniert; im zwischenmenschlichen Bereich sind keine relevanten Störfaktoren wahrnehmbar.

Und in der medialen Aussendarstellung wird Petkovic inzwischen deutlich weniger oft als "Nachfolger von Ottmar Hitzfeld" apostrophiert. Der um Nuancen couragiertere Stil des Tessiners mit Wurzeln in Sarajevo ist mehrheitsfähig. "Mein Weg wird akzeptiert", sagte der Nationalcoach kürzlich zur Nachrichtenagentur sda. "Wir haben einen Punkt erreicht, an dem ich sagen kann, dass man mir mehr Kredit einräumt."

Neben dem Vertrauen schwillt auch die Erwartungshaltung an, der Fokus ist schärfer als in anderen nationalen Teamsportarten - das lässt sich nicht nur anhand der TV-Quoten belegen. Für den Pulsschlag des Nationalteams interessiert sich auch während einer profanen Vorbereitungswoche ein Millionen-Publikum. Petkovic bekommt den Hype mit: "Unser Projekt löst enorm viel aus."

sda-ats

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