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Blick auf die Behinderteneinrichtung, in der ein Messerangreifer ein Blutband angerichtet hat. Ein ehemaliger Angestellter stellte sich der Polizei.

KEYSTONE/AP Kyodo News/073853+0900

(sda-ats)

Bei einer nächtlichen Messerattacke sind in einem Heim für geistig Behinderte in Japan mindestens 19 Menschen getötet worden. 26 weitere Menschen wurden laut Polizei verletzt, 20 von ihnen schwer. Ein Tatverdächtiger stellte sich der Polizei und wurde festgenommen.

Gegen 02.30 Uhr am Dienstagmorgen habe die Polizei einen Notruf aus dem Heim in Sagamihara ausserhalb von Tokio erhalten, wie ein Polizeisprecher der Zeitung "Asahi Shimbun" sagte. Im Notruf sei von einem mit einem Messer bewaffneten Eindringling die Rede gewesen.

Nach Polizeiangaben stellte sich der Tatverdächtige auf einer Polizeistation mit den Worten: "Ich habe es getan." In einem ersten Verhör habe der 26-Jährige zudem gesagt: "Die Behinderten sollen alle verschwinden". Er gab zudem nach Medienberichten an, ein früherer Mitarbeiter der Einrichtung zu sein. Er soll in der Stadt gewohnt haben.

Messer sichergestellt

Wie das Verbrechen ablief, war zunächst nicht bekannt. Nach Angaben des Fernsehsenders NHK hatte sich der Angreifer durch ein Fenster im Erdgeschoss Zugang zu dem Gebäude verschafft. Bei ihm sei eine Tasche mit mehreren Messern sichergestellt worden, von denen manche blutverschmiert gewesen seien.

Bis zu 160 Menschen kann die rund 50 Kilometer vom Zentrum Tokios entfernte Behindertenanlage "Tsukui Yamayuri En (Tsukui Bergliliengarten)" aufnehmen. Ende April lebten dort nach japanischen Medienangaben 149 Bewohner im Alter zwischen 19 und 75 Jahren. Die Polizei riegelte inzwischen das Gelände ab.

29 Ambulanzwagen waren der Nachrichtenagentur Kyodo zufolge im Einsatz. Die Verletzten seien in mindestens sechs Spitäler gebracht worden. Über die Zahl der Verletzten gab es zunächst widersprüchliche Angaben, zeitweise war von bis zu 45 Verletzten die Rede.

Geringe Kriminalitätsrate

Bei der Messerattacke handelt es sich um eine der schlimmsten Gewalttaten in der japanischen Nachkriegsgeschichte. Bewaffnete Gewalttaten sind in Japan generell selten, das Land hat eine der niedrigsten Kriminalitätsraten unter den Industriestaaten.

Allerdings gibt es immer wieder Taten von Amokläufern: 2008 steuerte ein Mann einen LKW in eine Menschenmenge in Tokio und tötete sieben Menschen. 2001 wurden acht Kinder bei einer Messerattacke auf eine Grundschule getötet. 1995 setzten Mitglieder einer Sekte das Giftgas Sarin in der U-Bahn von Tokio frei, dabei starben 13 Menschen.

sda-ats

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