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Menschen verlassen das Olympia-Einkaufszentrum in München nach dem tödlichen Anschlag - die Polizei ist in Stellung.

KEYSTONE/AP/SEBASTIAN WIDMANN

(sda-ats)

Nach einem Anschlag in München am Freitag geht die Polizei von mindestens acht Todesopfern aus, bei einem neunten Toten prüfen die Ermittler, ob es sich um einen Täter handelt. Die Polizei warnte nach Schüssen in einem Einkaufszentrum vor einer "akuten Terrorlage".

Kurz vor 18.00 Uhr ging bei der Münchner Polizei der Notruf ein, dass bei einem Schnellrestaurant am Olympia-Einkaufszentrum Schüsse gefallen seien. Die Polizei spricht später von mindestens acht Toten, mehrere Menschen wurden teilweise schwer verletzt - viele Einzelheiten der Attacke blieben aber zunächst unklar.

Bis zu drei Männer mit "Langwaffen" seien auf der Flucht, teilte ein Polizeisprecher am späten Abend mit. Man suche im gesamten Stadtgebiet und im Umland nach den Tätern. Es gebe keine Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund. München rief den "Sonderfall" wegen einer "Amoklage" aus.

Nach dem Fund einer männlichen Leiche im näheren Umfeld des Münchner Olympia-Einkaufszentrums prüft die Polizei, ob es sich beim neunten Toten um einen Täter handeln könnte. Das Einkaufszentrum wurde intensiv durchsucht. Rund 100 Menschen wurden nach Angaben der Polizei Augenzeugen des Anschlags. Sie würden von einem Kriseninterventionsteam betreut.

Panik

In Teilen der Stadt herrschte Panik. Der öffentliche Nahverkehr - U-Bahnen, Busse und Strassenbahnen - wurde komplett eingestellt, ebenso der Zugverkehr. Der Münchner Hauptbahnhof wurde evakuiert, viele Reisende strandeten in der Stadt. Restaurants in der Innenstadt schlossen aus Sicherheitsgründen.

Ärzte und Krankenpfleger wurden in die Spitäler gerufen. Das Klinikum rechts der Isar löste den Katastrophenfall aus. Die Münchner Uni-Klinik schaltete nach dem Anschlag eine Hotline für Angehörige frei. Bis am Freitagabend seien weniger als fünf Verletzte in diese Klinik gebracht worden.

Unklar war zunächst, ob es in der Innenstadt eine weitere Schiesserei gab. Auch dort kam es zu einem Grosseinsatz schwer bewaffneter Polizisten, nachdem Menschen schreiend und in Panik in Richtung Stachus geflohen waren.

Ein Polizeisprecher sagte später, Hinweise von Bürgern per Notruf über Schusswechsel an anderen Stellen der Stadt hätten sich nicht bestätigt. Der Marienplatz im Herzen der Stadt war am Abend wie leer gefegt. Die Landeshauptstadt forderte die Bürger über das Smartphone-Warnsystem Katwarn auf, ihre Wohnungen nicht zu verlassen.

Fahndung läuft

"Wir wissen derzeit nicht wo sich die Täter befinden. Passt auf Euch auf und meidet nach wie vor die Öffentlichkeit", schrieb die Polizei rund zwei Stunden nach Beginn der Schiesserei auf Twitter.

"Starke Polizeikräfte in der gesamten City. Wir fahnden mit Hochdruck nach den Tätern", twitterte die Polizei später. Die Polizei forderte Spezialeinheiten aus mehreren anderen Bundesländern an. Darunter ist auch das GSG 9, ein Spezialkommando, das auch im Anti-Terrorkampf eingesetzt wird.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer und Innenminister Joachim Herrmann setzten ein Krisentreffen in der Staatskanzlei an; am Samstag um 11.00 Uhr sollte das Kabinett zu einer Sondersitzung zusammenkommen.

Ferien abgebrochen

Auch die deutsche Regierung stellte sich auf eine Krisenlage ein. Innenminister Thomas de Maizière brach wegen der Schiesserei einen Aufenthalt in den USA umgehend ab. Die Regierung erklärte in einer ersten Reaktion, ihre Gedanken sei bei den Opfern des schrecklichen Angriffs. "Bitte haben sie Verständnis dafür, dass wir keine voreiligen Stellungnahmen und Spekulationen abgeben wollen und können."

Nach den Schüssen eilten von überall in der Stadt Polizei- und Rettungskräfte zum Einkaufszentrum. Die Gegend war abgeriegelt. Über der ganzen Stadt kreisten Helikopter. Die Polizei rief Autofahrer auf, die Autobahnen in Richtung München für Einsatzfahrzeuge freizumachen.

Das Olympia-Einkaufszentrum liegt mitten in einem Wohngebiet, zwei U-Bahn-Stationen vom Olympiastadion entfernt. Mit 135 Geschäften ist es eine der grössten Shopping-Meilen in München.

Keine Videos veröffentlichen

Die Polizei rief dazu auf, keine Bilder vom Tatort zu veröffentlichen. "Bitte keine Fotos/Filme von polizeilichen Massnahmen online stellen. Unterstützt nicht die Täter!", twitterte sie.

Facebook aktivierte am Freitagabend den "Safety Check" ("Sicherheitscheck") für München, womit Bewohner mitteilen können, dass sie in Sicherheit sind. Zudem twitterten etliche Bewohner der Stadt den Hashtag #OffeneTür im Kurznachrichtendienst Twitter, um Menschen in München Unterschlupf zu gewähren oder zu suchen.

US-Präsident Barack Obama sagte unmittelbar nach der Schiesserei die Hilfe seines Landes zu. Der französische Präsident François Hollande richtete eine "persönliche Unterstützungsbotschaft" an Bundeskanzlerin Angela Merkel, wie in Paris mitgeteilt wurde.

sda-ats

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