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Trauernde legen am Tatort des Terroranschlags in Nizza Blumen zum Gedenken an die Opfer nieder.

KEYSTONE/AP/CLAUDE PARIS

(sda-ats)

Der Attentäter von Nizza hat sich offensichtlich kurz vor seinem verheerenden Lastwagen-Anschlag mit 84 Toten dem Islamismus zugewandt. Das ergab laut Staatsanwaltschaft die Auswertung seines Computers.

Der Tunesier Mohamed Lahouaiej Bouhlel habe in jüngster Zeit ein "unbestreitbares Interesse" für die dschihadistische Bewegung gezeigt, sagte der Anti-Terror-Staatsanwalt François Molins in Paris. "Seit acht Tagen hat er sich einen Bart wachsen lassen und erklärt, dies habe eine religiöse Bedeutung", sagte der Chefermittler.

Bouhlel habe in den Tagen vor dem Anschlag auch nach Videos religiöser Gesänge gesucht, die islamistische Terrororganisationen als Propagandainstrument nutzen. Derzeit gebe es aber keine Belege für eine Zugehörigkeit zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS), die den Attentäter als ihren "Soldaten" bezeichnet hatte, sagte Molins. Die Polizei hatte den Täter erschossen.

Anschlag war vorbereitet

Der Anschlag auf der Prachtstrasse am französischen Nationalfeiertag war laut dem Chefermittler Molins über mehrere Tage vorbereitet worden. Der Lieferwagenfahrer habe mehrfach die Uferstrasse aufgesucht. Die Ermittlungen hätten den "vorsätzlichen Charakter" belegt. Der Mann war mit dem Lkw durch eine Menschenmenge auf der Strandpromenade gerast, unter den Todesopfern waren zehn Kinder und Jugendliche.

Erst am Wochenende hatte der französische Regierungschef Manuel Valls den IS für das Lastwagenattentat vom 14. Juli verantwortlich gemacht, weil die Terrormiliz verwirrten Einzelpersonen die Ideologie bereitstelle, um ihren Taten einen Sinn zu geben.

Sechs Personen aus dem Umfeld des Angreifers sitzen weiter in Polizeigewahrsam, eine weitere Person wurde nach Angaben aus Justizkreisen wieder freigelassen. Molins sagte, einer der Verdächtigen habe unmittelbar vor dem Anschlag eine Handy-Kurznachricht (SMS) von dem Attentäter erhalten.

Premierminister ausgebuht

Frankreich gedachte am Montag mit einer Schweigeminute der Opfer des Anschlags. Am Tatort an der Strandpromenade von Nizza versammelten sich dazu 42'000 Menschen, darunter auch Premierminister Valls. Ein Teil der Anwesenden buhte den Sozialisten aus.

Nach dem neuen Anschlag wird in Frankreich heftig darüber diskutiert, ob die Behörden genug für den Schutz der Bevölkerung vor Terrorangriffen getan haben. Applaus gab es dagegen für die Rettungskräfte und Feuerwehrleute, die sich um die Toten und rund 300 Verletzten gekümmert hatten. Die dreitägige Staatstrauer endete am Abend.

Präsident François Hollande gedachte der Opfer im Innenministerium in Paris in Anwesenheit zahlreicher Sicherheitskräfte.

Nach dem Anschlag schweben noch 19 Verletzte in Lebensgefahr. 71 Tote seien identifiziert, sagte Molins. Die Zahl der Todesopfer aus der Schweiz stieg derweil auf drei. Nach dem Tod eines Mädchens aus Yverdon-les-Bains VD und einer Frau aus dem Tessin bestätigte das Eidgenössische Amt für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) nun auch den Tod der Mutter des Kindes.

Opposition macht Vorwürfe

In der innerfranzösischen Sicherheitsdebatte wirft die Opposition der Regierung Versäumnisse nach den islamistischen Attentaten des vergangenen Jahres vor. Es sei nicht alles getan worden, was seit dem Anschlag auf die Satirezeitung "Charlie Hebdo" hätte getan werden müssen, sagte der konservative Ex-Präsident Nicolas Sarkozy am Sonntagabend dem Fernsehsender TF1.

Hollande hielt dagegen und sprach bei einer Sitzung des Sicherheitskabinetts von einer "Verpflichtung zu Würde und Wahrheit".

Die Tat in Nizza war der der grösste Anschlag in Frankreich nach den islamistischen Terrorangriffen im Januar und November 2015 mit zusammen 147 Toten. Für den November-Anschlag in Paris mit 130 Toten hatte der IS die Verantwortung übernommen.

sda-ats

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