Odebrecht zahlte FARC Schutzgelder - Politiker fordern Untersuchung


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FARC-Guerilla-Kämpfer und -Kämpferinnen in Kolumbien (Aufnahme von Anfang Februar).

KEYSTONE/EPA EFE/MAURICIO DUENAS CASTANEDA

(sda-ats)

Im Korruptionsskandal um den brasilianischen Baukonzern Odebrecht sind weitere Vorwürfe laut geworden: Das Unternehmen soll der kolumbianischen FARC-Guerilla hunderttausende Dollar gezahlt haben. Kolumbianische Parlamentarier forderten Untersuchungen zu den Vorwürfen.

Odebrecht zahlte Medienberichten zufolge zwischen 50'000 und 100'000 Dollar monatlich für "Baugenehmigungen" in von den so genannten Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (FARC) kontrollierten Gebieten, um unbehelligt zu bleiben. Das hätten zwei Konzernvertreter während der Ermittlungen ausgesagt, berichtete das brasilianische Magazin "Veja" am Samstag.

Erstmals seien die Gelder in den 1990er Jahren geflossen, nachdem zwei Odebrecht-Mitarbeiter von der FARC entführt worden seien, sagten die beiden Konzernvertreter laut "Veja". Der brasilianische Konzern habe ein US-Verhandlungsteam beauftragt, das die Entführten frei bekommen habe. Anschliessend seien regelmässige Zahlungen erfolgt, um ähnliche Vorkommnisse für die Zukunft auszuschliessen.

Die FARC haben in diesem Zusammenhang von einer "Guerilla-Steuer" gesprochen, Odebrecht die Gelder als "operative Kosten" oder "Gebietstribut" verbucht. Auf diese Weise habe Odebrecht neben anderen Projekten eine mehr als 500 Kilometer lange Autobahn fertigstellen können, hiess es in dem Bericht. Die Strasse verbindet Kolumbiens Landesinnere mit der Karibikküste des lateinamerikanischen Landes.

Ganz Lateinamerika betroffen

Der weitverzweigte Korruptionsskandal um den Baukonzern Odebrecht erschüttert derzeit ganz Lateinamerika. Die Ermittlungen gegen das Unternehmen begannen im Jahr 2014 und förderten nach und nach ein ausgeklügeltes System zur Zahlung von Schmiergeldern an Politiker, Parteien, Staatsbeamte und Manager zutage. Mit dem Geld sollen sich der Konzern und andere Baufirmen Aufträge gesichert und teils sogar eine vorteilhafte Gesetzgebung erkauft haben.

Insgesamt sollen 785 Millionen Dollar Schmiergelder in zwölf Ländern geflossen sein. Es soll im Konzern extra eine eigene "Bestechungsabteilung" gegeben haben. Mehrere Manager hatten durch ihre Aussagen die Ausmasse des Skandals ans Licht gebracht. Sie hoffen auf eine gnädige Kronzeugenregelung, nachdem der langjährige Chef Marcelo Odebrecht zu mehr als 19 Jahren Haft verurteilt worden ist.

Grösste Strafsumme der Geschichte

Vor Weihnachten willigten der von Nachfahren deutscher Einwanderer gegründete Odebrecht-Konzern und das Chemie-Unternehmen Braskem, an dem Odebrecht beteiligt ist, in einen historischen Vergleich ein: 3,5 Milliarden US-Dollar sollen über mehrere Jahre gezahlt werden. Es ist laut US-Justizministerium die grösste Strafsumme, auf die sich die Beteiligten je in einem Korruptionsfall geeinigt haben.

Die Strafzahlungen sollen in den USA, Brasilien und der Schweiz geleistet werden. Odebrecht hat seine Schuld eingeräumt, versucht aber, die zu zahlenden Geldsummen noch zu drücken.

Die Bundesanwaltschaft (BA) in Bern hatte im Dezember eine Zahlung von über 200 Millionen Franken gefordert. Aufgrund von Meldungen der Meldestelle für Geldwäscherei (MROS) betreffend verdächtiger Bankbeziehungen hätten Bestechungszahlungen von verschiedenen Unternehmen im Bausektor für Auftragsvergaben ermittelt werden können, hiess es in einer Erklärung der BA.

Nächste "Bombe" erwartet

In Brasilien wird in Kürze die nächste "Bombe" erwartet. Der Justiz liegen zahlreiche brisante, noch unter Verschluss gehaltene Aussagen von Odebrecht-Managern vor, die die Regierung von Präsident Michel Temer erschüttern könnten. Unter dubiosen Umständen kam nämlich der in der Affäre ohne Rücksicht ermittelnde Richter am Obersten Gerichtshof, Teori Zavascki, am 19. Januar bei einem Flugzeugabsturz ums Leben.

SDA-ATS

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