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Manchester United und Manchester City peilen in der Premier League mit Rekord-Investitionen die Rückkehr auf den Thron an. Im Titelkampf der Milliardäre ist mit Spektakel zu rechnen.

Auf dem Platz tummeln sich immer mehr Weltstars, an der Seitenlinie stehen immer mehr der namhaftesten Trainer: Das Wettrüsten in der Premier League ging in der Sommerpause in die nächste Runde. Aberwitzige zehn Milliarden Franken spült der neue TV-Deal den Klubs zwischen 2016 und 2019 in die Kassen, mehr als eine Milliarde gaben die 20 Teams im Sommer für neue Spieler aus. Die Rekord-Investitionen der Top-Klubs lassen einen erneuten Coup eines Aussenseiters wie Leicester City im Vorjahr noch unwahrscheinlicher erscheinen. Für den Titel kommen gleichwohl so viele Klubs wie sonst in keiner europäischen Top-Liga in Frage.

In die Poleposition schoben sich im Sommer die Teams aus Manchester, die mit neuen Stars und Trainern die Rückkehr auf den englischen Thron anstreben. Chelsea, Arsenal, Tottenham, Liverpool und womöglich Leicester, das von den Leistungsträgern der Meistersaison lediglich N'Golo Kanté zu Chelsea ziehen liess und sich mit dem Nigerianer Ahmed Musa von ZSKA Moskau verstärkte, könnten den beiden Grossinvestoren die Stirn bieten.

Die wirtschaftliche Potenz der Premier League akzentuierte sich in diesem Sommer weiter. Bei sieben der zehn teuersten Transfers des Sommers kam der Käufer aus der Premier League. Manchester United stellte mit der Rückholaktion von Paul Pogba aus Juventus für 115 Millionen Franken einen neuen Transferrekord auf - vier Jahre, nachdem der damals 19-jährige Franzose den Klub ablösefrei verlassen hatte.

Die Verpflichtung von Pogba war das vorläufig letzte eindeutige Signal, das Manchester United an die Konkurrenz sandte. José Mourinho tritt im Old Trafford mit dreijähriger Verspätung das Erbe von Sir Alex Ferguson an. Der Portugiese, der als Trainer von Chelsea trotz Rivalität den höchsten Respekt von Ferguson genoss, soll eine neue erfolgreiche Ära einläuten. Seine Vorgänger David Moyes und Louis van Gaal scheiterten daran hochkant, hatten aber auch nicht die gleichen Mittel zur Verfügung wie nun Mourinho. Seit dieser Ende Mai als neuer Trainer vorgestellt wurde, investierte der englische Rekordmeister über 200 Millionen Franken in neue Spieler. Zlatan Ibrahimovic, der ein Jahresgehalt von 13 Millionen Franken erhalten soll, kostete dabei keine Ablöse.

City hofft auf den Pep-Effekt

Auch der zweite Vertreter aus Manchester ging in die Offensive. Manchester City, mit gut 640 Millionen Franken der Klub mit dem höchsten Spielerwert, hat mit Pep Guardiola endlich seinen Wunschtrainer bekommen und hofft auf den Pep-Effekt. Wie Mourinho bei ManU rührte auch Guardiola auf dem Transfermarkt mit der grossen Kelle an. Die Dienste des englischen Nationalverteidigers John Stones etwa liessen sich die Citizens 60 Millionen Franken und jene des deutschen Jung-Internationalen Leroy Sané von Schalke 54 Millionen kosten.

Mit Antonio Conte, an der EM noch Nationaltrainer Italiens und zuvor von 2011 bis 2014 mit Juventus in der Serie A das Mass der Dinge, zog es einen weiteren hoch angesehenen Trainer in die finanzstärkste Liga. Sein neues Team Chelsea hielt sich auf dem Transfermarkt trotz einer enttäuschenden letzten Saison (10. Schlussrang, keine Titel), auch auf Geheiss von Conte, vergleichsweise zurück. Viel Geld für Transfers gaben die Londoner (bisher) nur für Michy Batshuayi (für 42,5 Mio. Franken von Olympique Marseille) und Kanté (für 39 Mio. von Leicester) aus.

Granit Xhaka vor dem Premier-League-Debüt

Bei den horrenden Summen erscheint es umso bemerkenswerter, dass Arsenal mit zwar ebenfalls grossem, aber vergleichsweise kleinerem Budget konstant vorne mitmischt. Seit Arsène Wenger Arsenal 1996 übernommen hat, klassierten sich die Londoner nie ausserhalb der Top 4. Allerdings warten sie seit 2004 auch auf den 14. Meistertitel. Mit Granit Xhaka, der von Gladbach kam und mit 49 Millionen Franken nur minim weniger kostete als Rekordeinkauf Mesut Özil (51 Mio.), nehmen sie einen neuen Anlauf.

In seinem ersten Premier-League-Spiel trifft Xhaka mit Arsenal am Sonntag auf Liverpool, das sich der Spitze im ersten kompletten Jahr unter Trainer Jürgen Klopp weiter annähern will. Für die Reds beginnt die Saison indes happig: Nach Arsenal warten bis zur 5. Runde mit Tottenham, Leicester und Chelsea weitere Schwergewichte. Eröffnet wird die Meisterschaft am Samstag mit der Partie von Meister Leicester bei Aufsteiger Hull City, jenem Klub, der zusammen mit Mitaufsteiger Burnley mit den bescheidensten Mitteln wirtschaftet. Zum Vergleich: Der Spielerwert der beiden Teams (Hull: 65 Mio., Burnley 67 Mio.) entspricht nicht ganz jenem des FC Basel (71 Mio.). Sunderland als englische Nummer 18 jongliert bereits eine Kategorie höher (89 Mio.).

Schweizer mit unterschiedlichen Perspektiven

Mit Xhaka, Xherdan Shaqiri (Stoke City), Valon Behrami (Watford), Shani Tarashaj (Everton), Raphael Spiegel (West Ham), Eldin Jakupovic (Hull City) und Gökhan Inler (Leicester City) stehen sieben Schweizer bei Klubs aus der Premier League unter Vertrag. Zum Stammpersonal in der Meisterschaft dürften nur Xhaka, Shaqiri und Behrami gehören.

Inler steht bei Leicester auf dem Abstellgleis und verhandelt derzeit mit anderen Klubs. Eldin Jakupovic darf sich bei Hull City wohl wie in der letztjährigen Aufstiegssaison nur in den Pokal-Wettbewerben im Tor beweisen. Raphael Spiegel, der 2009 zum U17-Team gehörte, das in Nigeria den WM-Titel holte, ist bei West Ham Goalie Nummer 3 und wartet noch auf sein Debüt in der ersten Mannschaft. Auch Shani Tarashaj muss sich bei Everton wohl zunächst hinten anstellen.

sda-ats

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