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Hier herrschte noch Harmonie in der Grossen Moschee in Genf: Muslime lauschen während des grossen Freitagsgebets der Predigt eines der Imame (Archiv).

KEYSTONE/MARTIAL TREZZINI

(sda-ats)

Saudi-Arabien hat die islamischen Kulturstiftung, welche die grosse Genfer Moschee in Petit-Saconnex betreibt, gemassregelt. Die Kritik überbrachte der Generalsekretär der islamischen Weltliga. Diese ist ein religiös-politisches Instrument Saudi-Arabiens.

Mit deren Hilfe finanzieren und kontrollieren die Saudis seit Jahrzehnten Moscheen rund um den Globus, wie der Genfer Politologe Hasni Abidi in einem Interview sagte.

Angereist sei der Generalsekretär der islamischen Weltliga, Abdullah bin Abdel Mohsin al-Turki, ein ehemaliger saudischer Minister, sagte Abidi gegenüber der Zeitung "Tribune de Genève" (TdG) vom Samstag. Al-Turki habe der Leitung der Genfer Moschee "keinen Höflichkeitsbesuch" abgestattet.

Al-Turki, zugleich Präsident der Genfer islamischen Kulturstiftung, habe am Donnerstag Stiftungsrat sowie Geschäftsleitung vorgeladen. Saudi-Arabien sei besorgt über Berichte über Missmanagement in der Moschee, sagte Abidi. Zudem seien die Saudis über die Medienberichte aufgebracht, dass sich einige Jugendliche radikalisiert hätten, die die Moschee besucht hätten.

Vergangenes Jahr hatte die "TdG" berichtet, dass zwei junge Männer mit engen Verbindungen zur Grossen Moschee nach Syrien gereist seien, um sich dem Dschihad anzuschliessen.

Gemäss der Zeitung hatten zudem zwei der drei Imame der Moschee eine Fiche beim französischen Geheimdienst. Wer so registriert ist , wird von den französischen Behörden als "potenzielle Gefährdung für die Staatssicherheit" eingestuft.

Dschihadistische Konkurrenz

Saudi-Arabien versucht aber seit einigen Monaten, sich vom Terrorismus der sunnitischen Miliz des Islamischen Staates (IS) und von dessen "Kalifat" im Irak und in Syrien abzugrenzen, wie Abidi im Interview erklärte. Die islamische Weltliga sei dabei eine der Waffen im "religiös-politischen Arsenal" der saudischen Regierung.

Zum einen wolle man mit dem Vorgehen gegen sunnitischen Terror Saudi-Arabien der immer schärfer werdenden Kritik der internationalen Gemeinschaft gegen sich selbst die Spitze nehmen. Zum anderen sehe das Königshaus den Aufstieg der IS-Miliz zunehmend als Problem angesichts der vielen saudischen Bürger, die in den Reihen der Miliz in Syrien und im Irak kämpften.

Führungswechsel erwartet

Abidi erwartet, dass es nach dem Besuch al-Turkis bald einige personelle Änderungen geben wird bei der Führungsriege der Genfer Moschee. Der Politologe Abidi leitet des Genfer Forschungszentrums für arabische Länder.

Erst am Freitag hatten die Kantonsbehörden erklärt, bislang seien im Kanton Genf fünf Personen, darunter drei Schweizer, registriert worden, die ins Kampfgebiet in Syrien und im Irak gezogen sind. Weitere potenzielle Dschihad-Reisende würden beobachtet.

sda-ats

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