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Qualifizierte Lehrer sind rar geworden: Häufig müssen Schulen Lehrer und Lehrerinnen einstellen, die nicht alle Anforderungen des Stellenprofils erfüllen. (Symbolbild)

KEYSTONE/PETER SCHNEIDER

(sda-ats)

Zahlreiche Schulen in der Schweiz müssen auf unterqualifizierte Lehrpersonen zurückgreifen. Nur 17 Prozent der Schulleiter in der Deutschschweiz gaben in einer Umfrage an, alle offenen Stellen mit Personen besetzen zu können, die das Stellenprofil erfüllten.

In der Westschweiz waren es gar nur 9 Prozent der befragten Schulleiter und Schulleiterinnen. Über die gemeinsame repräsentative Umfrage der Berufsverbände der Schulleitenden aus der Deutschschweiz VSLC und der Westschweiz und des Tessins CLACESO berichteten am Sonntag die "Sonntagszeitung" und "Le Matin Dimanche". Insgesamt wurden 1141 Schweizer Schulleiter befragt.

Laut rund einem Drittel der befragten Schulleiter in der Deutsch- und der Westschweiz genügten die letztjährigen Anstellungen den Qualitätsansprüchen der Schule nur teilweise.

Besonders schwierig für die Schulen ist es, Heilpädagogen zu finden. In der Deutschschweiz gaben 63 Prozent der Schulleiter an, Mühe bei der Stellenbesetzung zu haben. Laut 21 Prozent ist es gar hoffnungslos, die Stelle zu besetzen. Bei den Fachlehrpersonen an der Primarschule für die dritte bis sechste Klasse haben 47 Prozent Schwierigkeiten bei der Stellensuche, bei den Fachlehrpersonen an der Sekundarschule 42 Prozent.

Verschärfung erwartet

Laut den Verbänden dürfte sich der Lehrermangel noch verschärfen: Individuelle Aussagen der befragten Schulleitenden wiesen schweizweit auf wachsende Personalrekrutierungsprobleme zwischen den Kantonen hin, teilten VSLC und CLACESO mit.

Die Gründe seien Lohnunterschiede sowie Ungleichheiten zwischen finanzstarken und -schwachen Gemeinden. Zudem müssten Schulen vermehrt Abbaumassnahmen umsetzen. Klassenzusammenlegungen, das Streichen von Unterstützungsangeboten zur Integration und das Aufschieben von Renovationen seien für die Lehrpersonen und die Schulleitungen zunehmend belastend.

Die Abbaumassnahmen führten zu qualitativen Unterschieden im Unterstützungs- und Leistungsangebot zwischen den Schulen, heisst es weiter. Die Schulleiterverbände stufen die Chancengleichheit der Kinder in der ganzen Schweiz deshalb als gefährdet ein.

Weniger Ansehen

Laut dem Westschweizer Lehrerverband ist auch die geringe Wertschätzung des Berufs ein Grund für die Schwierigkeiten der Lehrersuche.

Der Lehrerberuf sei nicht mehr so angesehen wie früher, sagte Georges Pasquier, Präsident des Westschweizer Lehrer-Dachverbandes syndicat des enseignants romands (SER), auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Um die Lehrer der Babyboom-Generation, die nun in Pension gingen, zu ersetzen, müsse man den Beruf wieder attraktiver machen.

Laut Pasquier müsste auch die Qualität der Bildung stärker hochgehalten werden. Die Lehrer-Ausbildung auf dem Primarschulniveau sei mit 3 Jahren zu kurz.

sda-ats

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