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Die Schweiz bangt an der WM in Russland weiter um die Viertelfinals. Gegen Russland verlieren die Schweizer 1:5. Erinnerungen kommen auf an die letzte WM unter Ralph Krueger vor sieben Jahren in Bern.

Nach zwölf Jahren in der Schweiz dachte Ralph Krueger 2009, sein Team sei mittlerweile soweit, dass es mit den grossen Hockey-Nationen auf Augenhöhe offensiv mitspielen könne. Damals in Bern dominierte die Schweiz gegen Russland, den späteren Weltmeister, mit 39:25 Torschüssen - und verlor dennoch 2:4. Die Schweizer verpassten damals an der Heim-WM die Viertelfinals. Ein Jahr später suchte und fand Krueger bei den Winterspielen in Vancouver den Erfolg wieder mit einer defensiveren Ausrichtung.

Ähnliches wie Krueger vor sieben Jahren versucht derzeit Patrick Fischer. Die Schweizer wollen unter Fischer mit den Grossen mitspielen. Am Samstag in Moskau kam die Schweiz wieder zu 35 Torschüssen, der grössten Anzahl Schüssen in einem WM-Spiel gegen Russland seit 2009. Trotzdem resultierte am Ende eine 1:5-Niederlage. Am Pfingstsonntag gegen Schweden (19.15 Uhr) und am Dienstagmittag gegen Tschechien (11.15 Uhr) bieten sich den "Eisgenossen" zwei weitere Möglichkeiten, unter Beweis zu stellen, dass die Schweizer mittlerweile dazu in der Lage sind, mit den grossen Nationen mitzuspielen. Der erste Versuch gegen Russland muss indes als gescheitert erachtet werden. Die Schweizer gerieten früh in Rückstand, kassierten viel zu viele Strafenminuten (26) und blieben chancenlos. Am Ende blieb als schwacher Trost nur, dass "die Russen auch ins Schwitzen gerieten", wie es Verteidiger Noah Schneeberger ausdrückte.

Zuversichtlich stimmt für die nächsten Spiele, dass die Schweizer auch gegen Russland mit riesigem Engagement und Einsatzwille auftraten, und dass die Schweizer in den letzten neun Jahren an Weltmeisterschaft mit einer Ausnahme (2012 in Helsinki) immer gegen die "Grossen" gepunktet haben. Gemäss ersten Hochrechnungen müssen die Schweizer in Moskau gegen Schweden und Tschechien zwei Punkte holen, um die Viertelfinals noch zu erreichen.

Gegen Russland lag ein Punktgewinn in der Ferne. Der WM-Gastgeber, inspiriert durch das erstmalige Mittun der NHL-Stars Alexander Owetschkin, Jewgeni Kusnezow und Dimitri Orlow (alle von den Washington Capitals), dominierte die Schweizer klar. Nach dem 2:0 durch Kusnezow in der 29. Minute suchte die russische "Sbornaja" weitere Goals nicht mehr mit letzter Konsequenz. Die Russen übertrieben zuweilen das Kombinieren. Erst in den letzten Minuten wurde das Skore von 2:0 auf 5:1 nochmals in die Höhe geschraubt.

Das bedeutsame erste Tor gelang Ivan Telegin für Russland nach fünf Minuten. Die Schweizer reklamierten vehement. Telegin war in Goalie Reto Berra gestürzt und hatte den Schweizer Keeper behindert, noch ehe er den Puck hinter die Torlinie drückte. Die Referees anerkannten das Goal ohne Videostudium trotzdem - und lagen richtig: Telegin rutschte in Berra, weil Yannick Weber den Russen zu Fall gebracht hatte. Ausserdem ging dem ersten Gegentor ein blinder Fehlpass von Samuel Walser voraus. "Derartige Fehler", so Nationalcoach Patrick Fischer, "dürfen wir uns auf diesem Niveau nicht erlauben."

Russlands zweites Tor war die Folge einer brillanten Einzelleistung von Jewgeni Kusnezow. Der Jungstar liess sich von den Verteidigern Weber und Christian Marti nicht aufhalten und skorte letztlich in Baseball-Manier, derweil er hinter dem Tor durchkurvte. Dieser mehr als vorentscheidende zweite Treffer fiel unmittelbar nach der stärksten Schweizer Phase. Patrick Geering (27.) und Sven Andrighetto (28.) besassen innerhalb weniger Sekunden zwei Möglichkeiten zum 1:1-Ausgleich. Eine halbe Minute später lag der Puck auf der anderen Seite im Netz.

Viele gute Abschlussmöglichkeiten vermochten sich die Schweizer trotz offensiver Ausrichtung und 35 Schüssen nicht zu erspielen. Im ersten Abschnitt bot sich eine Möglichkeit während zwei Minuten in Überzahl gegen einen "kalten" russischen Goalie. Ilja Sorotschkin musste während 140 Sekunden für Sergej Bobrowski vor das russische Tor stehen, weil Bobrowski unerlaubterweise für eine Trinkflasche an die Bande gefahren war. Wegen des gleichen regeltechnischen Fehlers hatte gegen Dänemark Reto Berra bis zum nächsten Spielunterbruch für Robert Mayer Platz machen müssen.

Eine Steigerung gelang den Schweizern im Vergleich zu den ersten vier WM-Partien im Unterzahlspiel. Russland spielte acht Mal Powerplay, meist mit Owetschkin, dem stärksten Powerplay-Spieler der NHL, brachte aber kein Tor zu Stande. In den ersten vier WM-Partien hatten die Russen in 40 Prozent aller Überzahlchancen ein Goal erzielt.

Telegramm:

Russland - Schweiz 5:1 (1:0, 1:0, 3:1)

Moskau. - 12'100 Zuschauer (ausverkauft). - SR Jerabek/Rantala (CZE/FIN), McIntyre/Sefcik (USA/SVK). - Tore: 6. Telegin (Ljubimow) 1:0. 29. Kusnezow (Owetschkin) 2:0. 49. Telegin (Ljubimow) 3:0. 56. Schirokow (Saizew) 4:0. 59. Simon Moser (Yannick Weber, Niederreiter) 4:1. 60. Mosjakin (Dazjuk, Sannikow) 5:1. - Strafen: 3mal 2 Minuten gegen Russland, 8mal 2 plus 10 Minuten (Grossmann) gegen die Schweiz.

Russland: Bobrowski (17:07 - 19:27 Sorokin); Woinow, Jemelin; Saizew, Martschenko; Orlow, Antipin; Below; Burmistrow, Kusnezow, Owetschkin; Dadonow, Schipatschjow, Panarin; Sannikow, Dazjuk, Mosjakin; Ljubimow, Kalinin, Telegin; Schirokow.

Schweiz: Berra; Schneeberger, Blum; Geering, Félicien Du Bois; Yannick Weber, Christian Marti; Grossmann; Marc Wieser, Walker, Dino Wieser; Niederreiter, Trachsler, Simon Moser; Andrighetto, Schäppi, Grégory Hofmann; Ambühl, Walser, Hollenstein.

Bemerkungen: Schweiz ohne Robert Mayer (Ersatztorhüter), Diaz (verletzt), Martschini und Zurkirchen (beide überzählig). - Schüsse: Russland 38 (16-11-11); Schweiz 35 (12-9-14). - Powerplay-Ausbeute: Russland 0/8; Schweiz 0/3.

sda-ats

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