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Pedro Lenz vor seiner Lesung auf dem Gemmipass, dem topografisch und stimmungsmässigen Höhepunkt des diesjährigen Literaturfestivals Leukerbad.

KEYSTONE/MANUEL LOPEZ

(sda-ats)

Mit einer Lesung von Maxim Biller ist am Sonntagnachmittag das 21. Literaturfestival Leukerbad zu Ende gegangen. Obwohl krankheitshalber fünf Vortragende absagen mussten, wurde die Rekordzahl von 3700 Eintritte gezählt, 200 mehr als in den Vorjahren.

Im Angebot waren unter anderen Lesungen in lauschigen Hotelgärten, einem alten Bahnhofswartsaal, einer Hotelbar, einer Beiz auf 2300 Meter über Meer und in einem zum schnieken Restaurant umfunktionierten, trockengelegten Hallenbad-Bassin.

Literarisch reichte die Palette von Pedro Lenz' Alltagsbetrachtungen in Oberaargauer-Dialekt über Vladimir Sorokins bizarrer Erzählung aus einem Penis-Harem bis zur universitätstauglichen literaturwissenschaftlichen Abhandlung von Jan Philipp Reemtsma.

Neben der Schweizerin Monique Schwitter mussten auch der Österreicher Clemens J. Setz, die Deutsche Barbara Köhler, die Kroatin Dubravka Ugresic und die Inderin Shumona Sinha ihre Reise ins Walliser Dalatal aus gesundheitlichen Gründen stornieren. Die 30 verbliebenen Publizierenden stammten immerhin noch aus 14 Ländern.

Prominentester Teilnehmer war der 86-jährige syrisch-libanesische Dichter Adonis, der gemeinhin als bedeutendster lebender Lyriker der arabischen Welt gilt und Jahr für Jahr die Wettlisten für den Literaturnobelpreis anführt. Mit Vladimir Sorokin und Viktor Jerofejew fanden zudem zwei der profiliertesten russischen Gegenwartsautoren den Weg ins Wallis.

Höhe-Punkt um Mitternacht

Die Schweizer Literatur wurde unter anderem vertreten durch Adolf Muschg, Lukas Bärfuss und Pedro Lenz, die allesamt die Säle zu sprengen vermochten. Letzterer bestritt zusammen mit dem phantastischen Musikduo Evelyn und Kristina Brunner die traditionelle Mitternachtslesung auf dem Gemmi-Pass.

Über 100 Festivaliers liessen sich zu nachtschlafner Stunde in die Höhe gondeln und zu Ovationen hinreissen, wie sie sonst nirgends auf dem Festival zu hören waren. Ein grosser Teil des Publikums fand sich nach wenigen Stunden Schlaf und trotz Nieselregens am nächsten Morgen auf dem Dorfplatz zum literarischen Spaziergang durch die Dala-Schlucht zusammen.

Mehr Glück hatte, wer die Spaziergangsausgabe vom Freitag gewählt hatte. Bei strahlendem Wetter konnte man sich während den von Lesungen begleiteten Verschnaufpausen auf den Alpwiesen ins Gras fläzen.

"Das schönste Literaturfestival der Welt" soll der Philosoph Alain de Botton das Literaturfest Leukerbad genannt haben. Die spektakuläre Lage und die ungewöhnlichen Leseorte machen es den Veranstaltern vergleichsweise leicht, hochkarätige Autoren anzulocken. Es werde strikt ein Einheitshonorar gezahlt, sagt Festivalleiter Hans Ruprecht. Nicht einmal für den "Weltstar" Adonis gab es eine Ausnahme.

sda-ats

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