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Die Handys sind bei den ersten Passagieren im neuen Gotthard-Tunnel omnipräsent. Neben Selfies kann auch gesurft werden, denn die Mobilfunkabdeckung sei durchgehend gut.

KEYSTONE/ALEXANDRA WEY

(sda-ats)

Über 80'000 Besucher sind am Wochenende auf die vier Festplätze rund um die Portale des Basistunnels ins Urnerland und ins Tessin gereist, um das Jahrhundertbauwerk zu feiern. Aber auch die Bahnhoffeste in sechs Schweizer Städten zogen rund 25'000 Personen an.

Nach Angaben der SBB waren am Samstag rund 30'000, am Sonntag sogar 50'000 Besucherinnen und Besucher auf den vier Festplätzen in Erstfeld UR, Rynächt UR, Pollegio TI und Biasca TI unterwegs. Rund 35'000 nutzten die Gelegenheit für eine erste Fahrt durch den 57 Kilometer langen Basistunnel.

Damit dieser historische Moment noch lange in Erinnerung bleibt, wurden überall und jederzeit die Handys gezückt. Man posierte vor dem Einsteigen, lächelte im dunklen Tunnel in die Kamera und schoss nach der knapp 30-minütigen Fahrt in Pollegio TI ein Selfie. Die Passagiere aus allen Landesteilen und dem nahen Ausland hätten durchgehend die gute Mobilabdeckung gelobt, freute sich die SBB.

Kaum verschwand der Zug im Tunnel, hiess es, "Achtung", "Jetzt", und "Wow". Obwohl die Aussicht nicht anders war als in jedem anderem Tunnel. Er sei irgendwie magisch, der Moment, den man nun gerade erleben durfte, versicherte man sich gegenseitig. Die Begeisterung der Bevölkerung für dieses Jahrhundertbauwerk war den ganzen Tag über auf allen Festplätzen deutlich zu spüren.

"Historischer Moment"

SBB-Chef Andreas Meyer sprach in einer Bilanz am Sonntag denn auch von einem "grossen Erfolg" und dankte 2500 beteiligten Mitarbeitern für ihre Arbeit. Bereits am Samstag hatte er bei einem Rundgang in Rynächt UR und Erstfeld UR betont, es sei ihm stets wichtig gewesen, dass nicht nur eine gewöhnliche Tunneleinweihung stattfinde: "Auch die Bevölkerung soll mit diesem Eröffnungswochenende eine Plattform erhalten."

Und der wurde tatsächlich einiges geboten. An zahlreichen interaktiven Ständen konnten sich die Besucher über den längsten Eisenbahntunnel der Welt informieren. In Erstfeld beispielsweise stand ein Fahrsimulator des neuen Gotthardzugs "Giruno". Dort konnten die Besucher erleben, wie sich die Fahrt durch den Tunnel anfühlt.

Neben der Fahrt über die Bergstrecke liess dann ein weiterer Moment die Herzen aller Nostalgiker höher schlagen: der Auftritt des Kabarettisten Emil Steinberger. Er führte die legendäre Nummer "S'Chileli vo Wasse" auf, in der seine Begeisterung für die Kirche, die auf der Fahrt in den Süden wegen der Kehrtunnels dreimal von einer anderen Seite zu sehen ist, kaum zu bremsen ist.

240 Extrazüge

Nach Angaben der SBB hat sich auch das Transportkonzept mit den insgesamt 240 Extrazügen zu den Festplätze, den 100 Gottardo-Shuttles sowie den Bustransfers zwischen den Festplätzen bewährt. Trotz des grossen Andrangs sei es nur vereinzelt zu Engpässen und Wartezeiten genommen, teilte die SBB mit.

Einen kleinen Dämpfer gab es für die Passagiere des Extrazuges am Sonntagmorgen vom Zürich nach Biasca TI und ans Gotthard-Fest: Dieser hatte wegen Gleisschadens 20 Minuten Verspätung. Nach Angaben der SBB waren Steine auf die Geleise gefallen und der Zug musste über Rotkreuz umgeleitet werden.

Wer den Weg zu den Tunnel-Portalen an diesem Wochenende nicht auf sich nehmen wollte, der konnte die Eröffnung des längsten Eisenbahntunnels der Welt auch an den Bahnhöfen in Aarau, Biel, Bern, Genf, Zürich und Winterthur feiern. Allein in Zürich zählte die SBB rund 10'000 Besucherinnen und Besucher. Insgesamt zogen die Bahnhoffeste rund 25'000 Personen an.

Probebetrieb bis am 11. Dezember

In Betrieb genommen wird der neue Gotthard-Basistunnel erst mit dem Fahrplanwechsel am 11. Dezember. Im Sommer sollen dann erste kommerzielle Züge den Tunnel befahren, wie die SBB mitteilte. Bei diesem Probebetrieb würden die Abläufe des Betriebs, der Erhaltung und der Sicherheit weiter trainiert und verfeinert und die 3900 Mitarbeitenden geschult.

sda-ats

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