Wieder Massenansturm auf Grenzzaun zur spanischen Exklave Ceuta


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Einer der Flüchtlinge, die am Freitag erfolgreich den Grenzzaun bei Ceuta gestürmt hatten, hält eine EU-Flagge in seinen Händen. Am Montag gelang es erneut Hunderten Flüchtlingen, die spanische Exklave in Marokko zu erreichen. (Archiv)

Keystone/AP/JESUS MORON

(sda-ats)

In der spanischen Exklave Ceuta an der Grenze zu Marokko ist es erneut zu einem Massenansturm afrikanischer Flüchtlinge gekommen. Rund 700 Menschen versuchten am Montag, über den sechs Meter hohen doppelten Grenzzaun zu klettern. Jeder Zweite hatte Erfolg.

356 der rund 700 seien "durchgekommen", sagte ein Behördenvertreter am Montagmorgen nach der nächtlichen Aktion. Den Flüchtlingen gelang es demnach, mit Hämmern und Drahtschneidern die Tore an der mit messerscharfem NATO-Draht befestigten Anlage zu durchbrechen.

Die Erstürmung ereignete sich nach Angaben der spanischen Polizei um 03.30 Uhr Ortszeit. Elf Flüchtlinge hätten sich Verletzungen zugezogen, teilte das Rote Kreuz mit. Einige hätten mit Knochenbrüchen im Spital behandelt werden müssen.

Die anderen stiessen Jubelschreie aus. "Gelobt sei Gott!", "Danke, Spanien!" und "Ich bin in Europa!", riefen die Ankömmlinge, die nun auf eine Chance hoffen, von Ceuta aus auf spanisches Festland zu gelangen. Sie wurden in das Erstaufnahmezentrum (CETI) gebracht und dort von Helfern versorgt.

Das Zentrum ist derzeit Medienberichten zufolge völlig überfüllt: Die normale Aufnahmekapazität, die bei 512 Plätzen liege, sei mit mehr als 1400 Personen fast um das Dreifache überschritten, hiess es.

Ceuta und Melilla im Fokus

Flüchtlinge aus Afrika versuchen immer wieder, über die spanischen Exklaven Ceuta, an der Meerenge von Gibraltar, und das 250 Kilometer weiter östlich gelegene Melilla an der Mittelmeerküste EU-Boden zu erreichen. Die beiden Exklaven haben die einzigen EU-Aussengrenzen auf dem afrikanischen Kontinent.

Die Grenzanlage in Ceuta besteht aus zwei acht Kilometer langen und sechs Meter hohen Zäunen. Dutzende Infrarotkameras überwachen die Anlage. Beim Versuch, das Bollwerk zu überwinden, riskieren Flüchtlinge immer wieder ihr Leben.

Erst am Freitag hatten etwa 1000 Flüchtlinge versucht, in Ceuta über den Zaun zu klettern. 500 von ihnen schafften es, Spanien zu erreichen. Sie wählten dabei wie im jüngsten Fall eine Stelle, die für die Grenzbeamten nicht gut einzusehen ist, weshalb ein Ansturm dort nur schwer aufgehalten werden kann.

Druck auf Spanien gefordert

Menschenrechtsorganisationen fordern regelmässig von der UNO und der EU, Druck auf Spanien auszuüben, damit Flüchtlinge einen Asylantrag stellen können. Im Jahr 2016 kamen nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) rund 18'000 Flüchtlinge in Spanien an. In der Nähe der Gebiete um Ceuta und Melilla harren Zehntausende notleidende Afrikaner sowie mittlerweile auch zahlreiche Syrer aus.

Die Bundestagsfraktion der deutschen Partei Die Linke bezeichnete den Zaun in Ceuta am Montag als "ein Symbol der menschenverachtenden Flüchtlingspolitik der EU" und als "Versuch, die von Europa zu grossen Teilen selbst verursachte globale soziale Ungleichheit mit Gewalt aufrechtzuerhalten".

Deshalb begrüsse die Fraktion ausdrücklich die Grossdemonstration zur Aufnahme von Flüchtlingen in Barcelona, an der am Samstag Zehntausende Menschen teilgenommen hatten, sagte eine Parteisprecherin. Behördenschätzungen zufolge hatten sich als 160'000 Menschen zu der Massenkundgebung versammelt, die Veranstalter sprachen sogar von einer halben Million Menschen.

SDA-ATS

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