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Armee 95 macht den Schritt zur Armee XXI

Am 1. Januar 2004 tauscht die Schweiz die Armee 95 gegen die Armee XXI ein. Die Grösse der Streitkräfte wird reduziert und der veränderten Sicherheitslage angepasst.

Verteidigungsminister Samuel Schmid lud ein, mit grossem Pomp von der Armee von gestern Abschied zu nehmen. Tausende kamen.

Zum Start der neuen Armee übergab Bundesrat Samuel Schmid dem Korpskommandanten Christophe Keckeis die persönliche Fahne von General Henri Guisan als Emblem des künftigen Chefs der Armee.

Zum Festakt im Eisstadion "Bern-Arena" wurden 4400 Kommandanten und Fähnriche der Armeen 95 und XXI aufgeboten. Mehrere Dutzend Fanfarenbläser begrüssten die 1300 geladenen Gäste aus Militär, Politik und Wirtschaft sowie die gut 5000 Bürgerinnen und Bürger, die sich den Anlass für zehn Franken Eintritt nicht entgehen lassen wollten.

Es wurden jedoch nur rund die Hälfte der 9000 für das Publikum vorgesehenen Eintrittskarten verkauft.

Der Festakt war gespickt mit musikalischen Einlagen des Armeespiels und des Chors "Compania Rossini". Sämtliche Feldzeichen der alten und der neuen Armee wurden präsentiert.

Volksauftrag für Volkseigentum

In seiner Ansprache betonte Schmid, dass die Armee dem Volk gehöre. Am vergangenen 18. Mai hätten in einer Referendumsabstimmung 76 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer Ja gesagt zur tief greifenden Reform der Armee und auch ihre Aufträge bestätigt. Die Milizarmee sei heute kleiner und flexibler und den neuen Gefahren angepasst worden.

Als neue Gefahren nannte Schmid nannte dabei Extremismus, Terrorismus und die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen. Zugleich sei eine Anpassung an die neuen Herausforderungen im Bereich der Inneren Sicherheit und der subsidiären Unterstützung der zivilen Behörden erfolgt.

Dazu komme die Friedensförderung im Ausland durch freiwillige Armeeangehörige. Angesichts der aktuellen Weltlage stehe nicht mehr die Verteidigung des Landes im klassischen Sinne im Vordergrund. Wenn es die Unbill der Zeit erfordern sollte, werde die Verteidigungsfähigkeit deutlich erhöht, sagte Schmid.

"Sicherheit durch Kooperation"

Die neue Armee soll unter der Maxime "Sicherheit durch Kooperation" gesellschafts- und wirtschaftsverträglich umgestaltet werden.

Korpskommandant Christophe Keckeis betonte, dass die Armee Sicherheit in allen Lagen produziere und der Bevölkerung mit ihren exklusiven Mitteln jederzeit und innert Stunden zur Verfügung stehe. Er betonte auch das Engagement im Ausland, wo die Armee in bester Schweizer Tradition und Eigenart wertvolle Beiträge zur Friedensförderung im internationalen Rahmen leiste.

Keckeis sagte weiter, die Armee 95 sei die richtige Antwort auf die grossen Friedenshoffnungen nach dem Fall der Berliner Mauer gewesen. Die Armee XXI sei die richtige Antwort auf die Bedrohungen von heute und morgen.

Der Bestand der Armee XXI ist auf 140'000 Aktive und 80'000 Reservisten reduziert worden. Die Armee 95 verfügte noch über einen Bestand von 400'000 Mann und die vom Kalten Krieg beeinflussten Armee 61 gar über 800'000 Mann.

Schmid fordert Sicherheitsdepartement

Bundesrat Samuel Schmid möchte die Kompetenzen der Armee jedoch noch bedeutend erweitern: In einem Interview mit der Zeitung "Blick" fordert er ein Sicherheitsdepartement, das für alle Aufgaben dieses Bereichs zuständig ist. So könne bei Gefahr schneller reagiert und die knappen Mittel optimal eingesetzt werden.

Insbesondere zog Schmid in Betracht, den Polizeibereich aus dem Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) und das Grenzwachtkorps aus dem Finanzdepartement (EFD) ins Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) zu überführen. Dabei müsse aber die kantonale Polizeihoheit respektiert werden, sagte Schmid.

Der Armee den "Marsch geblasen"

Die Gäste der Armeefeier wurden vor der "BernArena" auf dem BEA-Gelände von gut 100 Armeegegnern friedlich mit einem kakophonen Ständchen empfangen.

Die vorwiegend jugendlichen Demonstranten machten Lärm auf mitgebrachten Musikinstrumenten wie Trompeten oder Handorgeln und liessen ab Tonband Musik laufen. Im Verlauf der Demonstration kam es zu kleineren Scharmützeln mit der Polizei.

GSoA, Anti-WTO Koordination und weitere armeekritische Organisationen riefen zu einer friedlichen, aber nicht bewilligten, Protestparade gegen "militaristische Propagandaanlässe" auf. Die Aktivisten stören sich vor allem daran, dass mit der Armee XXI eine Professionalisierung der Armee einhergehe, wie Samuel Durrer, GSoA-Sekretär vor den Medien sagte.

Mit der Modernisierung der Armee werde es in Zukunft vermehrt zu Inland-Einsätzen von Armeeangehörigen kommen. Schon heute habe man sich - im Zusammenhang mit dem WEF und G8-Gipfel - daran gewöhnt, dass Schweizer Soldaten gegen Protestierende eingesetzt würden, kritisierte David Böhner von der Anti-WTO Koordination Bern.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Die Überführung der Armee 95 in die Armee XXI ist ein Reformschritt auf dem Weg vom Kaltkriegs-Massenheer zur kleinen, beweglichen und multifunktionalen Streitmacht.
Die Armee bleibt eine Miliz, trotz Professionalisierung der Ausbildung, basierend auf der allgemeinen Wehrpflicht.
Die Armee XXI setzt sich zusammen aus dem Generalstab und den zwei Teilstreitkräften Heer und Luftwaffe.
Beim Heer treten an die Stelle der Grossverbände (Armeekorps und Divisionen) modular aufgebaute Brigaden.
Die kantonalen Formationen fallen weg.
Die Luftwaffe verfügt über mehrere Geschwader mit Kampfflugzeugen, Helikoptern und Transportflugzeugen, Flugplatzverbänden sowie Fliegerabwehr-Abteilungen.
Die Armee soll sich stärker an der internationalen Friedensunterstützung beteiligen.
Vier Haupt-Reformelemente: Militärdienst am Stück ("Durchdiener"), Dienst auf Vertragsbasis ("Zeitsoldaten"), mehr Berufspersonal und frühere Entlassung aus der Dienstpflicht.
Der Frauendienst ist weiterhin freiwillig, neu werden Frauen zu den Kampftruppen zugelassen.
Der Bestand der Armee XXI wurde auf 140'000 Aktive und 80'000 Reservisten reduziert. Bestand der Armee 95: 400'000 Mann.
Bestand der vom Kalten Krieg beeinflussten Armee 61: über 800'000 Mann.
Die Kosten der Feier in der "BernArena": 1,2 Mio. Franken.
Rund 800'000 Franken sind durch Sponsoren gedeckt, 400'000 Franken entfallen auf das VBS.



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