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Auch Berufungsgericht spricht Michel Tabachnik frei

Michel Tabachnik vor dem Berufungsgericht in Grenoble.

(Keystone)

Ein Berufungsgericht in Grenoble hat den französisch-schweizerischen Dirigenten von der Anklage wegen Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung freigesprochen.

Michel Tabachnik war beschuldigt worden, für den Selbstmord von Mitgliedern der Sonnentempler-Sekte verantwortlich zu sein.

"Mein elfjähriger Albtraum hört endlich auf", wurde der 63-jährige Tabachnik in einer Pressemitteilung zitiert. Er hatte stets seine Unschuld beteuert.

Der Anwalt des Beschuldigten reagierte ebenfalls erfreut auf den Freispruch. Er zeige klar, dass man Tabachnik keine bewusste Beteiligung an dieser kriminellen Organisation nachweisen könne. Er hoffe, dass die Angelegenheit damit nun abgeschlossen werden könne.

Schon in erster Instanz freigesprochen

In erster Instanz war Tabachnik im April 2001 vom Strafgericht in Grenoble freigesprochen worden. Die Anklage, die damals fünf Jahre Gefängnis gefordert hatte, zog das Urteil weiter.

Der Staatsanwalt hatte in der Verhandlung Ende Oktober auf einen Strafantrag gegen den französisch-schweizerischen Dirigenten verzichtet. Es sei schwierig, sich der Wahrheit hinter Michel Tabachnik zu nähern, hatte er eingeräumt. Tabachnik sei eine sehr komplexe Person - zugleich sehr weltlich, geheimnisvoll und sehr stark der Esoterik zugeneigt.

Der Staatsanwalt verwies aber auf eine belastende psychiatrische Expertise und warf dem 63-Jährigen schuldhafte Absicht vor. Tabachnik habe die Ziele der Sonnentempler mindestens vage gekannt und bewusst mitgewirkt.

"Selbstmörderische Dynamik"

Tabachnik wurde vorgeworfen, für den Tod von 16 Mitgliedern der Sonnentempler-Sekte mitverantwortlich zu sein. Er soll mit seinen Lehren unter den Mitgliedern der Sonnentempler eine "selbstmörderische Dynamik" ausgelöst haben.

Diese 16 Sonnentempler waren am 23. Dezember 1995 rund 30 Kilometer südwestlich von Grenoble gefunden worden.

Zwischen 1994 und 1997 kamen insgesamt 74 Sektenmitglieder ums Leben. In der Schweiz starben in Cheiry (FR) und Salvan (VS) 48 Sonnentempler. Beim ersten Prozess hatte die Staatsanwaltschaft Tabachnik Mitverantwortung für alle 74 Ritualmorde vorgeworfen.

Der heute 63-jährige Tabachnik unterhielt jahrelang enge Kontakte zu Sektenchef Joseph Di Mambro. Bis Anfang der 80er-Jahre leitete er das Philharmonie-Orchester von Metz und arbeitete dann als freier Dirigent.

swissinfo und Agenturen

Eine lange Blutspur

1983: Gründung eines Ordens in Genf, der mehrere esoterische Gruppen vereint. Unter den Gründungsmitgliedern befinden sich der Franko-Kanadier Joseph Di Mambro und der Belgier Luc Jouret. 1990 nannte sich die Sekte Orden des Sonnentempels.

30. September 1994: Ein 35-jähriger Schweizer, seine britische Frau und ihr dreimonatiges Kind werden in Morin Heigths bei Québec (Kanada) umgebracht, in einem Haus, das Di Mambro gehörte.

5. Okt. 1994: In Cheiry FR sowie in Les Granges bei Salvan VS werden in abgebrannten Gebäuden 23 respektive 25 Leichen von Sonnentemplern entdeckt, unter ihnen Di Mambro und Jouret. Die meisten Toten wurden vor den Bränden vergiftet oder erschossen.

23. Dez. 1995: In den französischen Vercors-Bergen bei Grenoble werden 16 sternförmig angeordnete verkohlte Leichen von Sonnentemplern gefunden. Sie weisen Schussverletzungen auf.

22. März 1997: Im Haus eines Sonnentemplers in Saint-Casimir (Québec) werden fünf Leichen entdeckt. Insgesamt gab es jetzt 74 Todesopfer, darunter 30 Schweizer, 30 Franzosen und 10 Kanadier.

August 1998: Das freiburgische Kantonsgericht stellt das Verfahren im Zusammenhang mit dem Sonnentempler-Drama von Cheiry ein. Danach wird auch das Verfahren im Wallis eingestellt.

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