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Aus Liebe zu Himmel, Sternen und Wolken




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Alle kennen Claude Nicollier als Piloten und Astronauten. Nun hat seine Nichte einen Film über ihn gedreht, in dem er auch als glücklicher und gläubiger Mann zu sehen ist.

Nicollier ist auch begeistert von Science-Fiction-Romanen und überzeugt, dass das All voller Leben ist, wie er gegenüber swissinfo bei der Premiere des Dokumentarfilms "Pour l'amour du ciel" erzählt.

swissinfo: Im Film sprechen Sie von "2001", "Star Wars" und sogar "E.T. ". Lebt ein Astronaut von Sience-Fiction-Filmen?

Claude Nicollier: Ja, sicher. Und auch von Comics. Zum Beispiel "Tintin" (Tim und Struppi). "Objectif Lune" ("Reiseziel Mond") und "On a marché sur la Lune" ("Schritte auf dem Mond") waren für mich eine wunderbare Inspiration.

Auch die Filme dazu, sie bringen einen zum Träumen. Und schliesslich ist unser Beruf zum Teil ein technischer Abenteuerberuf, aber auch ein Traumberuf. So kann man zwischen den Missionen seine Träume leben, indem man SF-Filme sieht oder -Bücher liest.

Dieser Leidenschaft wird auch die gegenwärtige Raumforschung gerecht sowie alles, was wir unternehmen, um Sonnensystem und All besser zu verstehen. Die Robotermissionen auf dem Mars begeistern die Astronauten besonders. Und natürlich sagen sie sich, dass auch der Mensch eines Tages auf dem Mars landen wird.

swissinfo: Und Sie, werden Sie bedauern, dass Sie nicht dort waren?

C.N: Nicht wirklich. Ich wusste von Anfang an, dass es für mich nie einen Flug auf den Mars geben wird, denn das ist so ausserordentlich schwierig, dass es erst in einigen Jahrzehnten möglich sein wird. Mir genügt es, dass ich zu den Flügen ins All beigetragen habe – wenn auch in bescheidenem Masse.

swissinfo: Sie sind überzeugt, dass der Mensch eines Tages noch weiter geht als zum Mars. Aber Sie wissen auch, dass das eine Reihe praktischer Probleme mit sich bringt.

C.N.: Ich sage nie, dass etwas unmöglich ist. Vor nur 150 Jahren waren Flugzeuge, die fast mit Schallgeschwindigkeit fliegen, noch undenkbar.

Natürlich gibt es ein paar grundlegende physikalische Regeln. Zum Beispiel, dass man die Lichtgeschwindigkeit nicht überschreiten kann.

Ausserdem weiss man, dass sich Objekte verdünnen und Leben im All möglich ist. Das ist aber Dutzende, Hunderte, Millionen oder mehr Lichtjahre entfernt, das heisst, das sind sehr, sehr, sehr lange Reisen. Das bedeutet aber nicht, dass es nie möglich sein wird.

swissinfo: Science-Fiction kümmert sich nicht um diese Schwierigkeiten, man reist zum Beispiel durch "Wurmlöcher", welche die Raumzeit biegen können. Ist das total spinnig oder wird es vielleicht eines Tages möglich?

C.N.: Nein, das ist nicht total spinnig. Ich denke, Reisen in diesem Sinne sind möglich. Aber nicht in einigen Jahren, auch nicht in ein paar Dutzend Jahren.

Heute sind diese Konzepte rein theoretisch, sie basieren auf bestimmten "Fallbacks" der Relativitätstheorie. Aber ich schliesse nicht aus, dass das in Zukunft möglich sein wird.

swissinfo: Sie sind überzeugt, dass es sehr viel Leben gibt im All. Ist diese Überzeugung in der Astronautik verbreitet?

C.N.: Sehr sogar. Vielleicht sind nicht alle gleich überzeugt, aber ich kenne keinen Astronauten, der glaubt, wir seien die einzige Form von Leben im All. Wir sagen oft, dass es überall Leben gibt, in unterschiedlichen Formen.

Gibt es höhere Zivilisationen als die unsere? Vielleicht... Aber wir denken eher, dass die am weitesten verbreitete Form von Leben relativ einfach und primitiv ist, denn das ist die erste, die auf einem Gestirn mit günstigen physikalischen und chemischen Bedingungen entstehen kann.

Und in einigen Fällen, vielleicht auch in sehr vielen, entwickelt sich das Leben so wie auf der Erde. Aber das ist nur eine Etappe. Wer folgt auf uns in einer Million Jahren? Was wird aus den Menschen auf der Erde und aus ihren Nachkommen? Sie werden sicher weit grössere Fähigkeiten haben als wir heute.

swissinfo: Im Film entdecken wir auch die spirituelle Seite von Claude Nicollier. Was bedeutet Gott für Sie?

C.N.: Eine Macht im All. So könnte ich es beschreiben. Eine schöpferische Macht, eine Macht, die das All in eine gewisse Richtung lenkt. Daran glaube ich wirklich. Ich habe auch eine etwas pantheistische Sicht, ich sehe Gott überall.

swissinfo: In seinem Roman "Contact" hat Carl Sagan eine Menschheit gesehen, die sich um ein grosses Reiseprojekt zu den Sternen versammelt. Davon sind wir offenbar noch weit entfernt.

C.N.: Es gibt Schritte in diese Richtung. Die internationale Raumstation zum Beispiel. Sie ist zwar noch bescheiden, aber da arbeiten immerhin die USA, Russland, die elf Länder der Europäischen Weltraumorganisation sowie Kanada und Japan zusammen an einem friedlichen Projekt zur Erforschung des Weltalls.

Es wurde relativ bald nach dem Ende des Kalten Kriegs eingeleitet, der die Weltraumforschung dank der Rivalität zwischen Amerika und der Sowjetunion angekurbelt hatte. Und das war ein wichtiger geopolitischer Wendepunkt.

Und jetzt ist noch ein neues Element dazu gekommen: Der Aufstieg Chinas. Das hat nichts mehr mit dem Klima der 1950er- und 60er-Jahre zu tun. Aber schliesslich wurde die Idee, noch vor 2020 wieder auf dem Mond und 2030 auf dem Mars zu landen, in gewissem Masse von der Fähigkeit Chinas zu bemannten Weltraumflügen angeregt.

swissinfo: Denken Sie, China wird eines Tages mit den anderen zusammenarbeitet?

C.N.: Das wünsche ich mir. Die Zusammenarbeit zwischen China und den USA hat bereits begonnen, aber in noch sehr bescheidenem Mass. Ich denke, das wird sich vertiefen, und in weniger als 20 Jahren werden sie gut zusammenarbeiten.

Interview swissinfo: Marc-André Miserez
(Übertragung aus dem Französischen: Charlotte Egger)

Fakten

"Pour l'amour du ciel" von Maria Nicollier und Philippe Calame (52'). Produzenten: CAB Production, LabelImage und das Westschweizer Fernsehen Télévision Suisse Romande.
Die DVD enthält über 90 Minuten Zugaben, namentlich die vier Missionen von Claude Nicollier und einen geführten Besuch durch die internationale Raumstation ISS.
Der Film wird am 8. Januar 2007 um 20 Uhr 30 auf TSR2 ausgestrahlt.

CLAUDE NICOLLIER

Claude Nicollier ist Astrophysiker und Astronaut und war Swissair- und Testpilot.

Er ist der erste Nicht-Amerikaner, der von der NASA als Missionsspezialist zugelassen wurde.

Er hat 6600 Flugstunden hinter sich, davon 4000 im Jet und 1020 an Bord der Raumfähre, ausserdem verbrachte er 8 Stunden und 10 Minuten im Raumanzug im Weltraum.

MARIA NICOLLIER

Maria Nicollier machte ihre Ausbildung an der New Yorker Film Academy und war Reporterin für das Westschweizer Fernsehen TSR.

Nicolliers Nichte hat bereits mehrere Kurzfilme und eine Reihe von Features über Extremsportarten gedreht.

Mit Philippe Calame produzierte sie den Dokumentarfilm "Pour l'amour du ciel" mit prächtigen Bildern zwischen Hochtechnologie und Natur, mit persönlichen Momenten und mit dem unendlich weiten Himmel.



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