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Ausgangsverbot in der Schweiz Zwangspause für das turbulente Genfer Quartier Pâquis

Kosmopolitisch, populär, pulsierend: Pâquis, in der Nähe des Genfer Bahnhofs, erlebt in der Regel ein zweites Erwachen, wenn die Sonne untergeht. Zwei "Pâquisards" – der Fotograf Patrick Gilliéron Lopreno und swissinfo-Journalist Frédéric Burnand – über das fast unvorstellbare Ausgangsverbot in ihrem Quartier.

Dieser frühlingshafte Montagabend war das Ende. Das Ende der Aperitifs auf der Terrasse, der Besuche im Rotlichtviertel, der Gespräche auf den Trottoirs bis zur Morgenstunde, der frühmorgendlichen Treffen der Rentner in ihren Cafés.

Die am Nachmittag des 16. März auf nationaler Ebene angekündigten sowie die von den lokalen Behörden ergriffenen Massnahmen zwingen uns, uns auf das Wesentliche zu beschränken. Das Überflüssige – die Seele des Bezirks – wurde auf bessere Zeiten verschoben!

Überraschenderweise hält sich das Quartier in dieser ersten Woche des partiellen Ausgangsverbots an die Vorschriften der Behörden. Selbst die Randständigen, die den Tag auf dem Place de la Navigation – dem Mittelpunkt des Quartiers – verbringen, respektieren den von den Gesundheitsbehörden empfohlenen zwischenmenschlichen Abstand. Die Polizeipatrouillen, das stimmt, beobachten die Einhaltung der Regeln genau.

Die Zeit im Pâquis – normalerweise gekennzeichnet durch Hektik – steht still und das Quartier erstarrt in der Leere, die es bewohnt. Die Menschen verdauen die Folgen des Gesundheitsnotstands, die Einkommensverluste und die ungewisse Zukunft dieses Quartiersexterner Link mit seinen 10'000 Bewohnerinnen und Bewohnern in ihren vier Wänden.

carte des paquis
(Ville de Genève)

Prostitution in der Warteschleife, sozialer Notstand

Den Arbeitenden im Rotlichtviertel bleibt kaum Zeit, zu reagieren. Diese in der Schweiz rechtlich anerkannten selbständig arbeitenden Frauen kann das Arbeitsverbot besonders brutal treffen.

"Rund hundert haben uns diese Woche kontaktiert. Wir organisieren uns, um ihnen zu helfen. Einige der Sexarbeiterinnen haben nicht genug zu essen, diejenigen, die nach Hause zurückkehren wollten, sehen, dass ihre Flüge gestrichen wurden, andere riskieren, auf der Strasse zu landen", erklärt Aspasieexterner Link, ein Verein zur Unterstützung von Prostituierten, der im Herzen des Rotlichtviertels von Pâquis angesiedelt ist.

Einige Vermieter akzeptieren spezielle Abmachungen mit Blick auf die Mieten, die oft unerschwinglich hoch sind (bis zu 100 Franken pro Tag). Andere halten an den gewohnten Regeln fest, wie Aspasie sagt. Die "Freudenmädchen" am Rande der Gesellschaft sehen sich schnell mit den härtesten Folgen der Gesundheitskrise konfrontiert, die uns alle betrifft.

Während die "Pâquisards" auf die von den Behörden versprochenen Unterstützungsmassnahmen warten, helfen sie sich via soziale Netzwerke gegenseitig und applaudieren dem unter Druck stehenden Gesundheitspersonal des Universitätsspitals Genf jeden Abend um 21 Uhr an ihren offenen Fenstern. Die Stille kehrt jeweils schnell zurück. Eine unwirkliche Ruhe umgibt das Quartier in diesem Krieg ohne Waffen.

>> Wie ein bisschen überall in Europa erhält das Gesundheitspersonal in Genf jeden Abend um 21 Uhr einen herzlichen Applaus:

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