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Beschäftigung 4.0


Der Wandel in der Schweizer Berufslandschaft hat bereits begonnen




 (swissinfo.ch)
(swissinfo.ch)

Mit der vierten industriellen Revolution dürfte fast die Hälfte aller Arbeitsplätze in den industrialisierten Ländern verschwinden oder einen radikalen Wandel durchlaufen. Die Digitalisierung der Wirtschaft und der Verlust vieler Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor sind nicht nur eine Hypothese: In der Schweiz hat die Digitalisierung die Berufslandschaft in den letzten fünfzehn Jahren bereits weitgehend umgepflügt.

Nach der Mechanisierung, der Elektrifizierung und der Automatisierung ist die Digitalisierung der nächste grosse technologische Schritt, der die Arbeitswelt ein weiteres Mal auf den Kopf stellen wird. In den Industrieländern werden sich 40 bis 50% der Jobs verändern, oder ganz verschwinden. Dies prognostiziert eine Studie von Carl Benedikt Frey und Michael Osborne, Ökonomen an der britischen Universität Oxford.

Und das World Economic Forum (WEF) sagt voraus, dass zwei Drittel der Kinder, die heute die Primarschule besuchen, einmal einen Beruf ausüben werden, der heute noch gar nicht existiert.

Die Digitalisierung der Dienstleistungen (E-Banking, Online-Schalter, E-Mail, usw.) und die Verwaltung mit Computerprogrammen haben laut Angaben des Bundesamts für Statistik (BFS) in der Schweiz in den letzten 15 Jahren bereits zum Verlust von über 180'000 Verwaltungsstellen geführt.

1991 waren über 15% aller Arbeitsstellen in der Schweiz administrative Jobs, 2015 waren es noch 9%. In der gleichen Zeit haben sich intellektuelle und wissenschaftliche Stellen mehr als verdoppelt (614'000 von 1'013'000 in dieser Zeit geschaffenen Arbeitsstellen). Sie entsprechen heute mehr als einem Viertel aller Arbeitsstellen.

Dieses Phänomen ist nicht nur in der Schweiz zu beobachten, sondern in allen industrialisierten Ländern. Die untenstehende Grafik zeigt die Zunahme hochqualifizierter und technischer Jobs in Europa zu Lasten von Landwirtschaft, Industrie sowie Berufen mit mittlerer oder geringer Qualifikation.

Das Verschwinden von zahlreichen Arbeitsstellen durch die Vollautomatisierung – vom Kassier über den Schalterangestellten bis zum Übersetzer – ist eines der Hauptargumente der Befürworter einer Volksinitiative zur Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens, über die das Schweizer Stimmvolk am 5. Juni befinden wird.

Sie stützen sich dabei besonders auf einen Bericht, der am letzten WEF in Davos vorgestellt wurde. Laut diesem könnten in den nächsten fünf Jahren weltweit 7,1 Millionen Arbeitsstellen verloren gehen, davon zwei Drittel im Verwaltungsbereich.

Die so genannten Makler-Berufe (Bankier, Versicherer, Immobilienmakler) könnten von dieser Tendenz auch stark betroffen werden. Doch trotz der Zunahme von "Fintech" (Financial Technology) und Roboter-Berater, mit denen das Vermögensgeschäft automatisiert wird, sagt der WEF-Bericht eine Zunahme der Arbeitsplätze in den Bereichen Finanzen voraus, wie auch in anderen wichtigen Bereichen wie Informatik, Ingenieurwesen und Management.

Während einige eine digitale (R)Evolution begrüssen, weil sie die Produktivität erhöhe und das Leben der Konsumentinnen und Konsumenten vereinfache, blicken andere viel kritischer auf diese Veränderung der Arbeitswelt. Das ist unter anderen der Fall bei David Graeber, Anthropologe an der London School of Economics, der mit einem Pamphlet über so genannte "Bullshit-Jobs" für einigen Wirbel gesorgt hat.

Gemäss Graeber wird eine immer grössere Menge oft sehr gut qualifizierter Personen in Unternehmen für unnötige, schwer verständliche oder sinnlose Aufgaben eingesetzt. Personalwesen, Management, Rechtswesen, Qualitätssicherung, Finanzen, Kommunikation, Beratung: Besonders in diesen Bereichen beobachtet der Anthropologe eine inflationäre Zunahme der "Bullshit-Jobs". Paradoxerweise sind dies Arbeitsplätze, die besser bezahlt sind als jene Jobs, die er als wirklich nützlich beschreibt: Pflege, Wissensvermittlung, Müllabfuhr, Maschinenbau und Wartung, Landwirtschaft, usw.

Zudem darf ein weiteres Phänomen nicht unterschätzt werden: die deutliche Zunahme von Arbeitsplätzen im Gesundheits- und Sozialwesen (+ 354'000 Jobs). Zu den Hauptgründen dafür gehören die Alterung der Gesellschaft sowie eine zunehmende Nachfrage nach Pflegeleistungen und ausserfamiliärer Kinderbetreuung. Die Folge ist eine Bewegung der Arbeitskräfte aus dem privaten in den öffentlichen Sektor. Eine Entwicklung, die sich in Zukunft fortsetzen könnte.


(Übertragen aus dem Französischen: Christian Raaflaub)

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