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 (Keystone)
(Keystone)

Die Hauptzuständigkeit für die Bildung in der Schweiz liegt bei den Kantonen, es gibt somit 26 Schulsysteme. Sie unterscheiden sich in gewissen Belangen, folgen aber ähnlichen Grundzügen. Damit wird den unterschiedlichen Kulturen und Sprachen in der Schweiz Rechnung getragen.

Die obligatorische Schule steht vor bedeutenden Reformen und Herausforderungen. Es sind Bemühungen im Gange, das System einheitlicher zu gestalten. 2006 hatte sich das Schweizer Stimmvolk mit überwältigender Mehrheit dafür ausgesprochen, dass die Kantone wichtige Eckbereiche des Schulsystems einheitlich regeln müssen.

Werden die Kantone sich nicht einig, hat der Bund die Kompetenz, eine nationale Lösung anzuordnen.

Die Harmonisierungs-Bestrebungen sind umstritten: Auf Widerstand stösst zum Beispiel die obligatorische Einschulung der Kinder ab vier Jahren (für zwei Jahre obligatorische Vorschule/Kindergarten) oder der Unterricht von zwei Fremdsprachen bereits auf der Primarstufe. 15 Kantone schlossen sich bis Ende 2010 einer Einigung im Rahmen des so genannten Projekts Harmos an, 7 lehnten sie ab.

Die Harmonisierungs-Bemühungen zielen auf eine nationale Qualitätssicherung ab. Zudem würde eine grössere Angleichung der kantonalen Schulsysteme die Mobilität innerhalb des Landes erleichtern.

Weitere Informationen zu den Harmonisierungsbestrebungen sind auf der Website der Konferenz der Kantonalen Erziehungsdirektoren zu finden.

Detaillierte Informationen zum gesamten Schweizer Bildungswesen sind auf dem Schweizerischen Bildungsserver Educa zu finden.

Einen Überblick zum Bildungssystem der Schweiz bietet auch die Internet-Plattform der Bundesbehörden, "Die Schweiz entdecken".

Primarstufe und Sekundarstufe I

Die obligatorische Schulpflicht in der Schweiz dauert neun Jahre, der Besuch der Schule ist kostenlos. Die Schulzeit ist in allen Kantonen aufgeteilt in Primarstufe und Sekundarstufe I. Die Gemeinden stellen sicher, dass jedes Kind eine öffentliche Schule am Wohnort besuchen kann (bei kleinen Gemeinden erfolgt der Schulbesuch unter Umständen in der am Wohnort am nächsten gelegenen Gemeinde).

Die meisten Kinder treten im Alter von sechs bis sieben Jahren in die Schule ein, nachdem sie ein, in mehreren Kantonen zwei Jahre, einen Kindergarten (Vorschule) besucht haben. In den meisten Kantonen dauert die Primarstufe sechs Jahre, gefolgt von drei Jahren Sekundarstufe I.

Die Sekundarstufe I vermittelt eine grundlegende Allgemeinbildung. Die Fächer umfassen unter anderem eine Landes- und zwei Fremdsprachen, Mathematik, Geographie, Geschichte. Sie bereitet die Kinder auf die berufliche Grundausbildung oder auf den Übertritt an allgemeinbildende Schulen der Sekundarstufe II wie Gymnasien vor. Mit der Sekundarstufe I endet die obligatorische Schulpflicht.

Berufliche Grundbildung – Sekundarstufe II

Auf die 9 Jahre obligatorische Schulpflicht folgt normalerweise ab dem Alter von 15, 16 Jahren die weitere Ausbildung auf der Sekundarstufe II, die in der Regel drei bis vier Jahre dauert. Etwa 90% aller Jugendlichen in der Schweiz bilden sich im Rahmen der Sekundarstufe II weiter, etwa zwei Drittel davon auf dem Weg einer beruflichen Grundbildung.

Das duale Berufsbildungssystem (Praxis im Ausbildungsberuf, Theorie und Allgemeinbildung in der Berufsfachschule) ist vergleichbar mit den Systemen in Deutschland und Österreich. Je nach Ausbildungsgrad wird in der Schweiz mit einem eidgenössischen Berufsattest oder Fähigkeitszeugnis abgeschlossen, während es in Deutschland und Österreich Abschlüsse zum Gesellen oder Facharbeiter gibt.

Jugendliche, die eine berufliche Grundausbildung machen, werden in der Schweiz offiziell als Berufslernende (früher Lehrling/Lehrtochter) bezeichnet (Deutschland: Auszubildender/Auszubildende, Österreich: Lehrling).

Zur Auswahl stehen in der Schweiz rund 300 Lehrberufe, darunter zahlreiche Handwerksberufe. Weitere Informationen zum System der beruflichen Grundbildung finden Sie auf der Website des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI).

Weiterführende Allgemeinbildung – Sekundarstufe II

Etwa 20-30% der Jugendlichen besuchen eine Maturitätsschule oder eine Fachmittelschule. Die Maturitätsschulen bereiten auf den Eintritt in weiterführende Ausbildungsgänge vor, vor allem auf universitäre Studien.

An den Maturitätsschulen, den Gymnasien, wird generell ein vertieftes Allgemeinwissen in Sprachen, Naturwissenschaften, Geistes- und Sozialwissenschaften, bildnerischem Gestalten und Musik vermittelt. Wer die Abschlussprüfung mit Erfolg besteht, erhält einen schweizerischen Maturitätsausweis, was in Deutschland mit dem Abitur, in Österreich mit der Matura verglichen werden kann.

Wer einen Maturitätsausweis hat, kann ein Studium an den kantonalen Universitäten oder den Eidgenössischen Technischen Hochschulen (ETH Zürich oder EPFL Lausanne) aufnehmen.

Statt einer Maturitätsschule können die Jugendlichen auch eine Fachmittelschule (FMS) besuchen. Die Ausbildung bis zum Fachmittelschul-Abschluss dauert drei Jahre. Danach kann man mit einer einjährigen Zusatzausbildung eine Fachmaturität erlangen.

Auch Fachmittelschulen vermitteln eine vertiefte Allgemeinbildung. Sie bereiten auf bestimmte Berufsausbildungen an höheren Fachschulen und Fachhochschulen vor in den Bereichen Gesundheit, Soziale Arbeit, Pädagogik, Kommunikation, Gestaltung und Kunst, Musik und Theater sowie Angewandte Psychologie.

Auf dem Schweizerischen Bildungsserver educa sind weitere Informationen zur beruflichen Grundbildung sowie zu den Maturitätsschulen und Fachmittelschulen zu finden.

Tertiärstufe - Hochschulen

In der Schweiz gibt es zwölf öffentliche Universitäten, darunter die beiden Eidgenössischen Technischen Hochschulen in Zürich und Lausanne, die zu den weltweit führenden Universitäten ihres Fachs gehören.

7 Fachhochschulen und 14 Pädagogische Hochschulen runden das öffentliche Hochschulwesen des Landes ab.

Als Institutionen mit Hochschulcharakter gelten zudem Institute wie das "Institut universitaire de hautes études internationales et du développement" (IHEID) in Genf oder das "Institut de hautes études en administration publique" (IDHEAP) in Lausanne.

Mehr Informationen zu den Schweizer Universitäten finden Sie auf der Website der Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten oder auf dem Schweizerischen Bildungsserver Educa.

Tertiärstufe - Fachhochschulen

Neben der Ausbildung im universitären Hochschulbereich gibt es in der Schweiz auf der Tertiärstufe auch Ausbildungsgänge für die höhere Berufsbildung. Ziel der höheren Berufsbildung ist die Kaderausbildung oder berufliche Spezialisierung.

Ergänzend zur drei- oder vierjährigen Grundbildung kann eine Berufsmaturitäts-Ausbildung absolviert und ein eidgenössisches Berufsmaturitäts-Zeugnis erlangt werden. Die Ausbildung kann während der Grundbildung erfolgen oder zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden.

Inhaber und Inhaberinnen eines Berufsmaturitäts-Zeugnisses haben Zugang zu einem Studium an einer Fachhochschule (FH). Die Fachhochschulen bieten praxis- und anwendungsorientierte Studiengänge an. Das Angebot ist breit gefächert und umfasst Bereiche wie Technik und Informationstechnologie, Bau und Architektur, Wirtschaft und Dienstleistungen bis hin zu Gesundheit, Design oder Musik und anderes mehr.

Die Pädagogischen Hochschulen (Ausbildung von Lehrern und Lehrerinnen) sind ähnlich strukturiert wie die Fachhochschulen: Das Studium vermittelt neben theoretischem Fachwissen und Didaktik auch Berufspraxis.

Inhaberinnen und Inhaber von Berufsmaturitäts-Ausweisen können neben Fachhochschulen auch eine universitäre Hochschule oder eine Pädagogische Hochschule besuchen, wenn sie eine entsprechende Prüfung ablegen.

Weitere Informationen zu den Fachhochschulen sind auf der Website des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) zu finden, Informationen über die Pädagogischen Hochschulen bei der Kammer Pädagogische Hochschulen.

Auch der Schweizerische Bildungsserver Educa bietet weitere Informationen zu den Fachhochschulen und den Pädagogischen Hochschulen.

Sprachen und Bildung

Die Schweiz hat als Land mit vier Amtssprachen dem Lernen von Sprachen in ihrem Bildungssystem besonderes Gewicht eingeräumt. Neben der Sprache der jeweiligen Region (und in der Deutschschweiz Hochdeutsch) gehört der Unterricht einer der anderen Landessprachen seit langem zu den Pflichtfächern. Heute werden zudem die meisten Schülerinnen und Schüler in der obligatorischen Schule in zwei Fremdsprachen unterrichtet.

Im Zuge der Globalisierung ist Englisch auch in der Schweiz immer wichtiger geworden. Und damit die Frage, welchen Platz diese Sprache im Rahmen des Schulsystems einnehmen soll, ob sie als erste oder zweite Fremdsprache auf dem Lehrplan stehen soll.

Man kann von einer eigentlichen Kontroverse sprechen: Die einen betonen den Wert der Landessprachen für den nationalen Zusammenhalt – diese müssten daher Vorrang vor dem Englisch haben –, während die andere Seite sich dafür einsetzt, Englisch als erste Fremdsprache zu unterrichten.

Ein Teil der Deutschschweizer Kantone setzt heute auf das Modell, ab der dritten Klasse Englisch und ab der fünften Klasse Französisch zu unterrichten. Andere wie Bern, Solothurn, Basel-Stadt, Basel-Landschaft sowie die deutschsprachigen Teile von Freiburg und Wallis ziehen Frühfranzösisch vor. In der französischsprachigen Schweiz lernen die Schülerinnen und Schüler bisher ab der dritten Klasse Deutsch.

Gestritten wird aber nicht nur um die Frage des Fremdsprachen-Unterrichts. In der Deutschschweiz sorgt auch das Thema Dialekt versus Hochdeutsch seit längerem für Schlagzeilen, besonders im Zusammenhang mit dem Kindergarten-Unterricht (Vorschule). Teilweise heftig wird debattiert, ob in der Vorschule in der Deutschschweiz in Zukunft nur noch Hochdeutsch gesprochen werden soll.

Dafür spricht nach Ansicht der Befürworter unter anderem, dass heute immer mehr Kinder aus Immigrantenfamilien hier leben, die im Kindergarten-Alter die neue lokale Sprache oft noch nicht gut kennen und im Jahr darauf mit Eintritt in die Primarstufe gleich noch eine weitere Sprache lernen müssten.

Um den Bedürfnissen aller Kinder gerecht zu werden, haben vor allem Lehrkräfte der Kindergarten- und Primarstufe mit der heutigen Viel- statt Viersprachigkeit der Schweiz eine Aufgabe zu meistern, die nicht unterschätzt werden sollte.

Weitere Informationen zum Thema Sprachenunterricht in der obligatorischen Schule sind auf der Website der Konferenz der Kantonalen Erziehungsdirektoren zu finden:

Informationen zur Koordination und Weiterentwicklung des Sprachenunterrichts sowie Resultate einer Kantonsumfrage 2014/2015 zum Thema Fremdsprachenunterricht.

Allgemeine Informationen zum Thema Schweiz und Sprachen finden Sie unter anderem beim Bundesbehörden-Portal "Die Schweiz entdecken".

Informationen zur Mehrsprachigkeit des Landes bietet auch ein Artikel im Historischen Lexikon der Schweiz.

Und ein Nationales Forschungsprogramm mit dem Titel "Sprachenvielfalt und Sprachkompetenz in der Schweiz" beleuchtet das Thema aus unterschiedlichen Gesichtspunkten.

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