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Bodensee-Anrainer kämpfen für ihren Lebensraum

Morgenstimmung am Bodensee

(Keystone)

Freizeit-Kapitäne sollen auf Europas Seen künftig nur noch herumkurven können, wenn ihre Motorboote mit Katalysatoren ausgerüstet sind. Fachleute und Behörden am Bodensee fordern von der EU die Übernahme der Abgasnormen, die seit 1996 auf dem Bodensee gelten. Die Erfolgsaussichten sind allerdings ungewiss.

Motorboote beschäftigen die Wasserfachleute am Bodensee seit Jahren, weil rund fünf Millionen Menschen aus dem "Schwäbischen Meer" ihr Trinkwasser beziehen. Zweitakt-Aussenbordmotoren und ein Grossteil der Einbaumotoren der Sportschiffe wurden zum immer grösseren Risiko für die Wasser-Reinhaltung. Sie belasten den See mit einer ganzen Palette von Schadstoffen, darunter das hochgiftige Benzol.

Abgasnormen seit 1993

Bereits 1993 waren am Bodensee weltweit erstmals Abgasnormen für Bootsmotoren definiert worden. Drei Jahre später wurden sie in verschärfter Form eingeführt. Seither werden nur noch Neumotoren und Austausch-Triebwerke zugelassen, die über einen Katalysator verfügen.

Die steigenden Emissionen durch die Sportschifffahrt haben jetzt auch die Europäische Union auf den Plan gerufen. "Der Entwurf der geplanten EU-Abgasnormen liegt aber weit unter den Richtwerten der Bodensee-Schifffahrtsordnung BSO", sagt Mario Sacchetti, Departements-Sekretär im Amt für Umwelt des Kantons Thurgau.

Die Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB) ist deshalb bei der EU-Kommission vorstellig geworden, die den Entwurf für europäische Normen ausgearbeitet hat. "Jetzt braucht es ein politisches Signal, damit die Industrie serienmässig abgasarme Bootsmotoren bauen und auf den Markt bringt", sagt Christian Gehring vom Ministerium für Umwelt und Verkehr in Baden-Württemberg. Weil der Bodensee-Markt zu klein sei, um bei den Motorenherstellern eine solche Innovation auszulösen, brauche es den europäischen Markt.

Technisch kein Problem

Das Bauen von abgasarmen Aussenbord-Motoren ist laut Wolfgang Wachter, Leiter der Abteilung Maschinenwesen bei der Vorarlberger Landesregierung, technisch kein Problem. Es brauche lediglich den Anreiz dazu. Die EU sei in der Lage, diesen zu schaffen.

Karl Wohlbold vom Motorenbauer MTU des Daimler-Chrysler-Konzerns bestätigt dies: "Wir stellen bereits Schiffsmotoren her, die den Abgasnormen des Bodensees entsprechen. Auch Konkurrenz-Unternehmen wie Honda, Volvo und MAN bauen solche Motoren", sagt er.

Lobbyismus gegen Bodensee-Abgasnormen

Andere Hersteller weigerten sich noch, solche Motoren auf den Markt zu bringen, heisst es bei Bodensee-Wasserfachleuten. Diese Hersteller lobbyierten bei der EU, damit die Bodensee-Abgasnormen nicht eingeführt werden. Die Abgasnormen der EU könnten von grosser Tragweite sein und neben Binnengewässern auch Küstengewässer und somit die Schifffahrt auf dem Meer betreffen.

Benjamin Sollberger vom Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft in Bern zweifelt allerdings daran, dass die Bodensee-Anrainer genügend politisches Gewicht haben, um die EU dazu bewegen, die Abgasnormen des Bodensees zu übernehmen. "Die Schweiz unterstützt aber trotz geringer Erfolgsaussichten den Vorstoss der IGKB in Brüssel", sagt Sollberger.

swissinfo und Harry Rosenbaum (AP)

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