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Campieren in der Schweiz Wenn das Zelt ein klimatisiertes Häuschen ist

Mobilehome in Rosa

Mobilehome auf dem "Campofelice Camping Village" in Tenero. Solche werden zunehmend von Campern gewünscht, die nicht auf Komfort verzichten wollen.

(swissinfo.ch)

Es war einmal ein unbewohntes Stück Land am Ufer des Lago Maggiore. Darauf steht heute der grösste Camping der Schweiz, bewertet als einer der schönsten Europas. Was ist das Erfolgsgeheimnis des Campingdorfs Campofelice in Tenero, Kanton Tessin?

"In welcher Forma auch immer, Campieren ist eine Bereicherung der Seele und dient der Charakterbildung. Es gibt nur wenige befriedigendere Momente, als die Zeit, in der man sein Zelt aufschlägt und sieht, wie die Flamme vom Lagerfeuer aufsteigt, während am Horizont die goldene Sonne untergeht – auch wenn es nur für einen kurzen Moment ist, bevor der Regen alles zerstört."

Wer bereits einmal eine Nacht im Freien verbracht hat, teilt wohl die Gedanken von "Pippa" Middleton, welche die Schwester der britischen Prinzessin Catherine vor einigen Jahren in einem Buch zum Ausdruck brachte.

Allerdings löst sich dieses romantische Bild laut Gianfranco Patelli, Direktor des "Campofelice Camping Village"externer Link, langsam auf. "Heutzutage sieht man nur noch sehr wenige Menschen mit klassischen Zelten. Anstelle des Topfs auf dem Feuer bevorzugen sie ein Glaskeramik-Kochfeld", sagt er. Geblieben hingegen seien der Gemeinschaftsgeist und die Solidarität, die für Camper typisch sind.

Die ersten Zelte

Der riesige Zeltplatz befindet sich in Teneroexterner Link, am Nordufer des Lago Maggiore, auf einer einst wilden und unbewohnten Fläche. "Das Gebiet gehörte den Grosseltern meiner Frau und wurde für die Gewinnung von Sand und Kies genutzt", erinnert sich Patelli. Campofelice ist einige Kilometer von Locarno entfernt. Von Mailand ist es lediglich eine Stunde Autofahrt.

Schwarzweiss-Foto: See und Flussmündung

Auf diesem sandigen Boden entstand der Campingplatz Campofelice (Bild von 1955).

(Campofelice Camping Village)

Bereits Anfang der 1950er-Jahre zogen die Nähe des Sees und die ebene Fläche die ersten Camper an. "Damals war bereits klar, dass es sich um einen Markt mit einem gewissen Potenzial handelt. Der Boden wurde vom Aushubmaterial gereinigt, das damals noch einfach in die Natur geworfen wurde", erzählt Patelli.

1955 entstand der Zeltplatz Campofelice (auf Deutsch: Campo = Lager, Feld; felice = glücklich, froh) mit dem Bau von Stellplätzen, sanitären Anlagen, einer Rezeption, einem kleinen Laden und einer Bar. Der älteste Zeltplatz in der Schweiz ist übrigens der Camping Rausenbachexterner Link am Greifensee im Kanton Zürich, der 1943 eröffnet wurde.

Postkarte von 1961: Campofelice in Tenero

Campofelice in Tenero auf einer Postkarte von 1961.

(Campofelice Camping Village)

3,6 Millionen Übernachtungen 2018

Mit mehr als 700 Stellplätzen und rund 100 Wohneinheiten ist Campofelice heute der grösste Campingplatz der Schweiz. Im Sommer bietet er Platz für bis zu 2800 Personen. Laut Marketingleiterin Gabriella Rolfo stammt die Mehrheit der Kundschaft aus der Schweiz (73%). Die ausländischen Gäste kommen hauptsächlich aus Deutschland und den Niederlanden.

Wie die anderen rund 400 Campingplätze in der Schweizexterner Link profitiert auch Campofelice vom Boom der Branche. 2018 verzeichnete diese 3,6 Millionen Übernachtungen, ein Plus von fast 13% gegenüber dem Vorjahr.

"Wir stellen fest, dass auch Menschen aus Osteuropa beginnen, zu uns zu kommen. Die Asiaten hingegen sind keine interessante Zielgruppe, weil sie andere Arten von Urlaub bevorzugen", betont Rolfo.

Farbfoto: See und Flussmündung, rechts daneben ein grosser Campingplatz

Der Campingplatz Campofelice erstreckt sich über eine Fläche von 15 Hektar; dort, wo der Fluss Verzasca in den Lago Maggiore mündet.

(Campofelice Camping Village)

Campieren mit Klimaanlage

Für Patelli, der den Camping zusammen mit seinem Sohn Simone führt, ist das Erfolgsrezept einfach: "Hart arbeiten und die Erwartungen der Kundschaft mit Freundlichkeit und Leidenschaft erfüllen."

Im Lauf der Zeit hätten sich die Bedürfnisse der Camperinnen und Camper verändert, stellt er fest. "Früher kamen sie für ein oder zwei Wochen hierher, und man hat sie praktisch nicht gesehen. Heute haben sie unterschiedliche Bedürfnisse, angefangen mit der WLAN-Verbindung, und fordern, verschiedene Aktivitäten durchführen zu können. Wir müssen als Tourismusbüro fungieren, diversifizieren und auch Unterhaltungsaktivitäten anbieten, wie es in einem Touristendorf der Fall ist."

Um die immer grösseren Wohnmobile und Caravans unterbringen zu können, wurden die Stellplätze erweitert. In den 1960er-Jahren konnten noch bis zu 4000 Menschen pro Tag auf dem Campingplatz wohnen. Seither haben die Verantwortlichen die Anzahl der Plätze verringert, für mehr Qualität statt Quantität. Viele Stellplätze sind heute mit Wasser-, Kanalisations- und Kabelfernseh-Anschluss ausgestattet.

"Viele wollen leben wie zu Hause, mit allem Komfort und allen Dienstleistungen. Wir müssen mit der Zeit gehen, uns ständig modernisieren und immer auf die Kunden hören", sagt der Direktor von Campofelice.

Vom Camping zum Glamping

Vergessen Sie Campingausrüstung und Zeltpflöcke! Immer mehr Menschen bevorzugen es, die Natur mühelos und ohne Komforteinbussen zu geniessen, indem sie voll möblierte Unterkünfte auf einem Campingplatz mieten.

"Glamping" nennt sich das, eine Wortkombination aus Glamour und Camping. Zur Auswahl stehen dabei Baumhütten, Appartements, Bungalows, Holzhütten, Mobilehomes, Chalets, Familien-Pods, Tipis oder Safarizelte, um nur einige zu nennen.

Infobox Ende

Die Kundenzufriedenheit hat allerdings ihren Preis: In den letzten sechs Jahren wurden über 18 Millionen Franken investiert, in neue Sanitäranlagen, einen Schwimmbadbereich, ein Wellness- und Fitnesscenter, voll ausgerüstete Waschsalons, Sportanlagen und sogar Ladestationen für Elektrofahrzeuge.

Nach einer Änderung des kantonalen Campinggesetzes im Jahr 2015 konnten zudem 100 Mobilheime aufgestellt werden, die in Europa immer beliebter werden. Einige darunter verfügen sogar über eine Geschirrspül-Maschine und eine Klimaanlage. Und kürzlich wurden einige in der Schweiz einzigartige Holzhäuschen eingeweiht.

Kleine, halbröhrenförmige Holzhäuser auf einem Campingplatz

Die "Igloo-Tubes" wurden von lokalen Handwerkern komplett aus Holz gefertigt und sind mit Solarzellen ausgestattet.

(© Elena Rosignoli 2018)

Bedroht durch den Euro und den See

Campofelice musste in den über 60 Jahren seiner Geschichte jedoch auch mit Schwierigkeiten kämpfen. Patelli erinnert dabei speziell an den Übergang von der D-Mark zum Euro, der sich negativ auf die Zahl der deutschen Touristen auswirkte. Und in jüngster Zeit war es auch nicht einfach, als der Schweizer Franken gleichwertig mit dem Euro war.

Die Hauptsorge betrifft allerdings nicht die internationale Wirtschaftslage und die Entwicklung der Finanzmärkte. Die grösste Bedrohung für Campofelice liegt nur wenige Meter entfernt. "Der See ist unser Glück, aber auch unser Fluch", sagt Patelli.

Schon mehrmals haben Überschwemmungen das Lager überflutet, zum Beispiel im Oktober 2000. "Es war eines der schlimmsten Hochwasser. Ich erinnere mich daran, dass im Empfangsbereich das Wasser 70 Zentimeter hoch stand." Zum Glück seien solche Extremereignisse bisher in der Regel in der Nebensaison aufgetreten.

Kind auf Gummiboot auf dem Hochwasser neben einem Fahrverbot

Hochwasser im Oktober 1993.

(Keystone / Str)
Massive Überschwemmung von Strassen und eines Campingplatzes

Die massive Überschwemmung vom Oktober 2000.

(Campofelice Camping Village)

Hohes Niveau halten

Aufgrund der guten Erfahrungen der vergangenen Jahre blickt der Besitzer des familiengeführten Campingplatzes gelassen in die Zukunft. Dies im Bewusstsein, dass sich Arbeit und Leidenschaft früher oder später bezahlt machen, wie es in diesem Sommer der Fall war.

Ende Juni verlieh der deutsche Automobilclub ADACexterner Link dem "Campofelice Camping Village" in Tenero eine besondere Auszeichnung: Er ist der einzige Schweizer Standort auf seiner Liste der 115 besten Campingplätze Europas.

Für Patelli ist diese Anerkennung offensichtlich eine grosse Genugtuung. Und ein Ansporn zur kontinuierlichen Verbesserung. "Es ist wie bei einem Koch, der einen Michelin-Stern erhält. Jetzt müssen wir hart arbeiten, um dieses Niveau aufrecht zu erhalten."


(Übertragung aus dem Italienischen: Christian Raaflaub)

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