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Christian Constantin, mehr als der König des FC Sion



Christian Constantin, Präsident und manchmals Trainer des FC Sion in Personalunion.

Christian Constantin, Präsident und manchmals Trainer des FC Sion in Personalunion.

(Reuters)

Christian Constantin ist die schillerndste Figur im Schweizer Fussball: Als Präsident des FC Sion entlässt er seine Trainer nach Belieben und legt sich mit Verband und Schiedsrichtern an. Am 29. Mai strebt seine Equipe den zwölften Schweizer Cupsieg an.

Laurent Roussey ist Trainer Nummer 31 des FC Sion seit der Jahrtausendwende, und der 27. Trainer, seit der Sion-Präsident Christian Constantin heisst. Gäbe es eine Rangliste im Verschleiss von Coaches an der Seitenlinie, dürfte dem allgewaltigen Sittener Klubpräsidenten die Spitzenposition sicher sein.

Roussey hat gute Karten, dass er seinen Posten noch eine Weile behält: Der Franzose führte die Walliser einmal mehr in den Schweizer Cupfinal, und der FC Sion hat Ende Monat im Basler St. Jakobpark die Chance, seinen Mythos als "FC Cup" zu zementieren.

Elfmal standen die Walliser bisher im Final dieses Wettbewerbs, und elfmal stemmten nach dem Schlusspfiff die Spieler des FC Sion den Cup-Pokal in die Höhe – Schweizer- und Weltrekord!

Becher Nummer zwölf liegt in der Luft, denn gegen Neuenburg Xamax tritt der Constantin-Klub als Favorit an. Während die Neuenburger in der Meisterschaft gegen den Abstieg in die zweithöchste Schweizer Liga kämpfen, liegt für die Walliser wenige Runden vor Schluss Platz drei im Meisterrennen drin. Angesichts dieser positiven Perspektiven gibt sich Christian Constantin im Gespräch mit swissinfo.ch sanftmütig und besonnen.

Der erfolgsorientierte ehemalige Torhüter ist aber nicht nur als Herrscher des FC Sion am Drücker. Der Architekt und Unternehmer will auch im ganz grossen Geschäft um die Weltmeisterschafts-Endrunde 2022 in Katar mitmischen: Constantin hat einen riesigen Stadionkomplex entworfen, in dem die besten Teams der Welt den WM-Ball jagen sollen.

swissinfo.ch: Woher rührt Ihre starke Verbindung mit dem FC Sion?

Christian Constantin: Ich bin überzeugt, dass die Menschen die Erde verteidigen, wo sie geboren sind. Ich wurde im Wallis geboren. Der FC Sion verbindet zwei Sprachregionen, das deutschsprachige Oberwallis und das Unterwallis, wo französisch gesprochen wird. Dies bedeutet auch zwei verschiedene Denkweisen.

Fussball ist das einzige Element, das die Zuschauer unter der Fahne mit den 13 Sternen vereint. Deshalb lieben und respektieren die Walliser ihren Klub.

swissinfo.ch: Sie haben lange Zeit davon geträumt, im Wallis ein grosses Stadion wie in Basel und Bern zu bauen. Ist dieser Traum noch aktuell?

C.C.: Das Projekt in Riddes ist definitiv beerdigt, weil wir die Bewilligungen nicht erhalten haben. Das grosse Walliser Stadion wird es in meiner Präsidentschaft nicht geben. Die Stadt Sitten hat entschieden, das Stadion Tourbillon für 13 Mio. Franken zu modernisieren.

Im Tourbillon absolvieren wir die Meisterschaftsspiele, die Partien im Europacup aber in Genf. Sollten wir uns für die Champions League qualifizieren, liegt der Ball nicht mehr bei uns, sondern bei den politischen Behörden, denn sie waren es, die einen Neubau verhindert hatten.

swissinfo.ch: Mit Ihren eigenwilligen Methoden haben Sie sogar die Aufmerksamkeit ausländischer Medien geweckt. Überschreiten Sie keine Grenzen, wenn Sie beispielsweise das Coaching der Mannschaft übernehmen?

C.C.: Agiere ich als Trainer und wir verlieren, so habe ich einen schlechten Job gemacht, gewinnen wir, habe ich gute Arbeit geleistet. Da aber letzteres der Fall war, bin ich ziemlich zufrieden mit den Situationen, in denen ich jeweils die Trainer ersetzt habe.

swissinfo.ch: Im Februar haben Sie den 26. Trainer in zwölf Jahren in die Wüste geschickt. Braucht ein Klub nicht Stabilität, um längerfristig erfolgreich zu sein?

C.C.: Ein Klub braucht einen Trainer, der gewinnt. Mein vorletzter Coach kam auf einen Schnitt von 1,4 Punkt pro Spiel (ein Sieg gibt drei Punkte, die Red.). Das war für Platz fünf in der Meisterschaft gut, womit für uns die Türen für die Europa League zu waren.

Der aktuelle Trainer weist durchschnittlich 1,7 Punkte auf. Damit liegen wir auf einem Platz, mit dem wir für die Europa League qualifiziert sind. Kommen wir unter die ersten Vier, erhält der Klub eine Prämie von 850'000 Franken.

Mit der Qualifikation für den Cupfinal winkt mir ein weiterer grosser Titel. Ab einem gewissen Punkt muss man die Maschine vorwärts bringen. Der Sherpa wird geopfert, Hauptsache, der Rucksack kommt auf den Gipfel.

swissinfo.ch: Bringen Sie mit den häufigen Trainerwechseln nicht Unruhe in die Mannschaft?

C.C.: Die Spieler werden bei mir sehr gut behandelt. Wechsle ich den Trainer, übernehmen die Spieler Verantwortung, indem ein Ruck durch die Mannschaft geht und der alte Trott überwunden wird. Das ist die Grundlage für die Erfolge des Klubs.

swissinfo.ch: Für Ihre frontalen Angriffe auf Schiedsrichter wurden Sie zuletzt auch stark kritisiert. Bedauern Sie Ihr Verhalten?

C.C.: Das einzige, das ich feststelle, ist, dass es seit diesen Kampagnen keine grossen Schiedsrichterfehler mehr gegeben hat. Wir haben einen Dialog gestartet und eine Beziehung aufgebaut, was die Situation verbessert hat.

swissinfo.ch: Stört Sie das Bild als unerbittlichen Präsidenten, als den Sie oft dargestellt werden?

C.C.: Nicht im Wettkampf, denn ich hasse es zu verlieren. Sonst kann ich sehr besonnen und ausgeglichen sein, um eine Situation zu analysieren und die nötigen Entscheide zu treffen.

Ich bin nicht hart, aber gerecht. Ich kann die Niederlage akzeptieren, solange meine Spieler das Feld erhobenen Hauptes verlassen können.

swissinfo.ch: Sie werden oft mit dem französischen Geschäftsmann und ehemaligen Klubpräsidenten Bernard Tapie verglichen, der ehrgeizig und kompromisslos war. Ehrt Sie das?

C.C.: Ich mag Tapie sehr. Er spielte mit Marseille übrigens seine letzte Partie im Europacup gegen Sion. Er ist der einzige Klubpräsident Frankreichs, der je die Champions League gewonnen hat. Er entstaubte den französischen Fussball.

Er sagte damals zu mir, dass wir die Bestien seien, auf welche die Menschen einschlagen. Aber es seien diese Bestien, die den Schlitten zögen.

swissinfo.ch: Sie sind erfolgreich im Immobiliengeschäft. Hilft Ihnen der Fussball im Geschäft?

C.C.: Der Fussball macht mich bekannt, aber hilft mir nicht direkt, sondern ermöglicht das Knüpfen von Beziehungen. Erfolge im Geschäftsleben bedingen Seriosität, Ehrlichkeit, Verbindlichkeit und schnelle Entscheide.

swissinfo.ch: Wie weit ist Ihr Projekt eines riesigen, klimatisierten WM-Stadions und Geschäftszentrums in Katar gediehen?

C.C.: Es ist ein Gedankengebäude. Katar wird die WM 2022 eher nicht im Sommer durchführen, was die Ausgangslage verändert, denn im Winter braucht es nicht unbedingt ein klimatisiertes Stadion. In Ländern wie Katar sind Lösungen nie einfach. Wie alle Projekte muss auch dieses seinen Weg gehen.

swissinfo.ch: Mit geplanten 2,7 Mrd. Franken ist es ein gigantisches Projekt pharaonischen Ausmasses. Leiden Sie unter Grössenwahn?

C.C.: Ein Projekt, das Menschen auf intelligente Weise realisieren können, ist nicht pharaonisch. Pharaonisch ist nur, was Menschen nicht bauen können.

Christian Constantin

Sion-Präsident und Unternehmer aus Martigny im Kanton Wallis. Seit 2003 führt der ehemalige Goalie von Neuenburg Xamax den FC Sion, den er bereits von 1992 bis 1997 geleitet hatte.  

  

Constantin errang als Sion-Präsident fünfmal den Cup sowie einen Meistertitel.

Daneben geriet er mit seinen Trainerentlassungen, verbalen Attacken auf Schiedsrichter in die Schlagzeilen.

Er legte mehrere Pläne für ein Stadion im Wallis mit 40'000 Plätzen vor, die aber alle scheiterten.

Er versuchte auch erfolglos, einen grossen Westschweizer Klub zu initiieren, der in der Champions League hätte mitspielen sollen.

An der WM 2022 in Katar plant Constantin einen riesigen Komplex in Form des Matterhorns. Er würde neben einem WM-Stadion Geschäfte, ein Fünfstern-Hotel sowie Kinos und eine Eisbahn umfassen.

Als Planer und Erbauer von Geschäftszentren und Luxuswohnungen wird sein Jahresumsatz auf 200 Mio. Franken pro Jahr geschätzt. Sein Architekturbüro beschäftigt in Martigny 130 Mitarbeiter.

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Der FC Sion und der Cup

1909 gegründet, wurden die Sittener 1992 und 1997 Schweizer Meister.

Die elf Siege im Cup sind Schweizer Rekord: 1965, 1974, 1980, 1982, 1986, 1991, 1995, 1996, 1997, 2006 und 2009.

Gar Weltrekord ist, dass Sion bei allen elf Finalqualifikationen den Sieg errang.

Am Sonntag, den 29. Mai treffen die Walliser im Cupfinal auf Neuenburg Xamax. Im St. Jakobpark werden die Walliser Fans dafür sorgen, dass Sion praktisch ein Heimspiel bestreiten kann.

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(Übertragen aus dem Französischen: Renat Kuenzi), swissinfo.ch


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