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Der Süden im Westen der Schweiz


Erinnern, Austauschen, Lachen – mit diesen Stichworten präsentiert sich in Freiburg das 18. Internationale Filmfestival (FIFF). Schwerpunkte setzen die Filme aus dem Süden.

13 Filme aus 13 Ländern buhlen im Wettbewerbsteil um den Hauptpreis des Festivals, den "Regard d'Or".

Seit bald zwei Jahrzehnten bietet das Festival in Freiburg eine Plattform für Spiel- und Dokumentarfilme aus dem Süden und dem Osten. Der Begriff "Süden" habe sich aber gewandelt, betont die Festival-Leitung. Sie bezieht ihn nicht länger nur auf eine geographische Region, sondern auf eine soziologische Realität, "in der die Verlierer der Globalisierung leben".

Gezeigt werden Film-Geschichten, die gegen zählebige Klischees ankämpfen, und Interessierten einen anderen, neuen Zugang in eine fremde Kultur ermöglichen.
Es sind Geschichten aus Asien, Afrika und Lateinamerika.

Grosse und kleine Filmgeschichten

"Die Kunst des Erzählens - auch kleiner Geschichten - scheint mir in diesen Kulturen besser verankert. Kulturen, die noch nicht so zugepflastert sind mit medialen Erzeugnissen", erklärt Jodok Kobelt, Pressesprecher des Festivals, gegenüber swissinfo.

Weiter versteht sich das Festival auch als Drehscheibe für die anwesenden Filmschaffenden. Menschen, die meist mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben: Kaum Geld, keine Produktionsmöglichkeiten, wenig Vertriebskanäle und beschränkter Zugang zu neuen digitalen Technologien.

Drei anspruchsvolle Schwerpunkte

In diese Jahr sind drei Schwerpunkte am Festival auszumachen, wie der künstlerische Leiter des Festivals, Martial Knaebel, betont. Er wolle im Wettbewerbsprogramm Filme präsentieren, auf die man sich einlassen müsse. Filme, die sich dem Publikum nicht sofort erschlössen, die teilweise mit ästhetischen Mitteln experimentierten oder deren Inhalt an den Surrealismus erinnerten.

Zum Beispiel gleicht "Maargam" (Der Weg) des Inders Vijay Reghavan Rajiv einem impressionistischen Bild, dass sich aus zahlreichen Pinselstrichen aufbaut. Die Geschichte erzählt von einem ehemaligen Marxisten, der sich im Gespräch mit seiner Tochter an seine Vergangenheit erinnert.

Filme aus Zentralasien bilden ein weiteres Paket. Mit einer Retrospektive, die dem Filmschaffen in Kasachstan, Tadschikistan, Usbekistan, Kirgisistan und Turkmenistan gewidmet ist. Vom Propagandafilm bis zur Unabhängigkeit lässt sich ein grosser Geschichtsbogen filmisch erschliessen.

Ergänzend zu den Filmen zeigt eine Ausstellung Bilder des russischen Fotografen Max Penson. Er fotografierte die Wirren und Umwälzungen in Usbekistan von der traditionell islamischen zur sowjetischen Gesellschaft von 1920 bis 1940.

Spot auf Argentinien

Südamerika nimmt traditionellerweise einen grossen Platz im Festival in der Saane-Stadt ein. Dieses Jahr fällt das Schlaglicht auf Argentinien, einem Land in der Krise. Der Festival-Eröffnungsfilm heisst "Memoria del saqueo".

In der zweistündigen filmischen Anklage rechnet der Regisseur Fernando Solana mit der neoliberalen Politik der Menem-Regierung ab, die Argentinien innert eines Jahrzehnts in den Bankrott geführt hat.

"Wir sind ein engagiertes Festival. Solanas Film ist wie ein Faustschlag. Für uns war klar, dass dieser Film das Festival eröffnen soll. Aufgrund der Fragen, die er stellt", sagt Rachel Brulhart, Direktorin des Festivals. "Für uns ist es eine Ehre, mit diesem Film zu starten."

Steigende Besucherzahlen und prominente Gäste

Erwartet werden auch Aussenministerin Micheline Calmy-Rey und Walter Fust, Chef der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA).

Letztes Jahr besuchten rund 27'000 Personen das Festival in Freiburg. Doch allzu viel kann der Anlass nicht mehr wachsen. Fast alle Lokalitäten sind ausgeschöpft, abgesehen "von einem Sexkino, dass wir noch nicht belegt haben", wie Sprecher Kobelt schmunzelnd anfügt.

swissinfo, Brigitta Javurek

Fakten

2003 zog das FIFF 27'000 Festivalgänger an - 2000 mehr als im Vorjahr.
Das FIFF verfügt über ein Budget von 1,6 Mio. Franken.

In Kürze

Internationales Filmfestival Freiburg (FIFF):
21. bis 28. März 2004
Im Wettbewerb: 13 Spielfilme, davon 5 als internationale Premieren.

Die Retrospektive "Zentralasien" zeigt 50 Filme von 1963 bis 2000.



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