Your browser is out of date. It has known security flaws and may not display all features of this websites. Learn how to update your browser[Schliessen]

Die Schweiz, total vermessen

In der Schweiz ist jede Ecke kartografiert und vermessen. Ein interaktiver Atlas ermöglicht neue Einblicke und Perspektiven.

Schweizer Karten und Kartografen haben international einen guten Ruf. Die hohe handwerkliche und artistische Kunst wurden jüngst gar in einer Ausstellung gewürdigt.

Die Schweiz ist vielleicht das am intensivsten kartografierte Land der Welt. Das gesamte Territorium ist in qualitativ hoch stehende Karten interaktiv aufgelöst. Mit den neuen technischen Möglichkeiten kann praktisch alles aus Geografie, Gesellschaft und Soziologie dargestellt werden.

Ein neuer digitaler Atlas der Schweiz gibt zum Beispiel darüber Auskunft, wo das Taubpfauenauge, die Feldgrille oder der Rothirsch lebt und wie sich die Schweizer Gemeinden als leuchtendes Aquarell darstellen lassen.

Der neue Atlas stellt Wetter und Klima, Geologie und Rohstoffe, Boden, Wasser, Eis und Schnee, Landschaften, Pflanzen und Tiere zwei- und dreidimensional dar. Dazu kommen statistische Karten zu den Bereichen Gesellschaft, Wirtschaft, Staat und Politik, sowie das Verhältnis der Schweiz zu Europa. Höhenstufen, Hangneigungen und Geländeprofile der Landschaften lassen sich dreidimensional darstellen.

Wie wirklich ist die Wirklichkeit?

Die Ausstellung "Mapping Switzerland" im Seedamm Kulturzentrum in Pfäffikon (Schwyz) zeigte jüngst die Vielschichtigkeit von Karten in Wissenschaft, Kunst und Kultur. Die Schau zeigte unter anderem, wie die Anwendung der Satelliten- und Luftbildtechnologie die Grenzen zwischen Abstraktions- und Realitäts-Darstellung weitgehend auflöst.

Seit rund 150 Jahren stellen Schweizer Kartenzeichner an vorderster Front Feld und Berg, Fluss und Ebene akribisch und detailtreu dar. Die traditionellen Karten zeugen von grossem handwerklichem- und technischem Können.

Neue Technologien und Computeranwendungen zeigen dem Betrachter heute Bilder und Darstellungen der Schweiz, welche die Dimensionen von Raum und Zeit durchbrechen. Die Ausstellung "Mapping Switzerland" machte sichtbar, wie kleinräumig die Schweiz ist und wie verdichtet die Menschen zusammenleben.

Wenn Karten mehr zeigen, als uns lieb ist

Ein virtueller Spaziergang durch die Schweiz zeigt ein zersiedeltes und kleinräumig organisiertes Land. Aus der Luft sehen die Schweizer Städte in den hoch aufgelösten Karten wie Gärten, die Agglomerationen wie Gestrüpp aus. Kartografisch wirkt das Wachstum in den dreidimensionalen Darstellungen ohne sichtbaren Gestaltungswillen.

Die Schau "Mapping Switzerland" zeigte neben der handwerklich-technischen und didaktischen Komponente, wie Kunstschaffende mit den neuartigen Karten umgehen und uns einen Blick in die Zukunft ermöglichen.

Mit Karten durch die Zeit reisen

Ursula Paella präsentierte in einer Performance den bürgerlichen Traum vom Einfamilienhaus in der Schweiz und wie er einst zu einem suburbanen Albtraum führen könnte.

Die Künstlerin illustriert, wie die individuelle Lebensform in der Vorstadt zu mehr Zersiedelung, Lärm, zu zielloser Mobilität und Unrast führt. Künstler verwandeln die von der Wissenschaft gelieferten Karten in Reisen durch die Zeit.

Das Institut für Kartographie der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) und Swisstopo stellten zugleich die neueste Version des interaktiven Atlas der Schweiz vor. Der überarbeitete viersprachige "Atlas der Schweiz 2" wurde von bisher 250 auf über 1000 Kartenthemen ausgebaut und liegt als DVD oder als CD-ROM vor.

Ein Spitzenprodukt der Kartographie

Der Drei-D-Teil des Atlas zeigt Reliefs, Panoramen und Blockbilder aus frei wählbaren Blickwinkeln, überlagert mit anderen Themen. Neben dem Bundesamt für Statistik haben mehr als 100 Amtsstellen, Forschungsinstitute und private Organisationen Daten und multimediales Begleitmaterial geliefert.

Die erste Fassung des "Atlas der Schweiz" war im Jahr 2000 erschienen. Sie vermochte sich seither national und international als Spitzenprodukt der Schweizer Kartographie zu positionieren.

swissinfo, Erwin Dettling, Zürich

Fakten

Das Institut für Kartographie der ETH bezeichnet eine Karte als "ein symbolisches Bild der geografischen Realität". Sie stellt ausgewählte Objekte, deren Eigenschaften und andere räumlich verteilte Phänomene dar.

In Kürze

"Atlas der Schweiz 2.0":

2D-Teil mit über 650 Kartenthemen wie Wetter und Klima, Geologie und Rohstoffe, Boden, Wasser, Eis und Schnee, Landschaften, Pflanzen und Tiere.

Über 350 statistische Karten aus den Bereichen Gesellschaft, Wirtschaft, Staat und Politik, Schweiz und Europa.

3D-Teil kombinierbar mit Panoramen und Blockbildern mit Satellitenbild, Seen, Wald, Siedlungen und Gletschern. Weitere Darstellungen wie Nebel, Schlagschatten, Höhenstufen, Hangneigung, Exposition, Sichtbarkeit und Geländeprofilen.



Links

×