Die Schweiz bleibt in Deutschland beliebt




(swissinfo.ch)

Der Steuerstreit zwischen der Schweiz und Deutschland hat kaum Auswirkungen auf das Image des Alpenlandes bei seinem nördlichen Nachbarn. Dies zeigt eine Umfrage des Marktforschungs-Instituts Isopublic im Auftrag von swissinfo.ch und Sonntags Blick.

Das Wichtigste zuerst: Die Schweiz ist den Deutschen grundsätzlich sympathisch. Auf einer Skala zwischen 1 und 10 bewerteten sie die Sympathie des Landes mit rund 7 Punkten.

Je höher die Bildung und je älter die knapp 1000 befragten Personen in Deutschland waren, desto eher finden sie die Schweiz sympathisch. Zudem liegt der Wert bei Männern leicht höher als bei Frauen.

"Ich beobachte, dass die Deutschen der Schweiz gegenüber sehr wohlwollend eingestellt sind", sagt Peer Teuwsen, Schweiz-Korrespondent der deutschen Wochenzeitung Die Zeit und ein profunder Kenner beider Länder.

"Das drückt sich auch in den hohen Einwanderungszahlen aus Deutschland aus. Dieses Wohlwollen wird tatsächlich auch in die Tat umgesetzt."

Teuwsen selber besitzt beide Pässe. Er wurde in Deutschland geboren, kam mit 6 Jahren in die Schweiz und studierte wiederum in Deutschland, bevor er in der Schweiz journalistisch tätig wurde - und nun seit letztem Dezember für eine deutsche Zeitung arbeitet.

Der Steuerstreit zwischen den beiden Ländern und die verbalen Attacken des deutschen Finanzmisters Peer Steinbrück scheinen also dem Image der Schweiz kaum etwas anzuhaben.

"Steinbrück benutzt die Schweiz, um Wahlkampf zu machen. Ich glaube, das sehen die Deutschen", betont Teuwsen. "Was die Deutschen aber nicht gerne sehen, ist zum Beispiel, dass die Schweiz für die Stimulierung der Konjunktur sehr geringe Investitions-Programme gestartet hat."

Damit hätten die Deutschen Mühe, weil sie der Meinung sind, die Schweiz könnte von den erheblich umfangreicheren Programmen der Nachbarländer profitieren, so Teuwsen. Damit werde das alte Rosinenpicker-Image der Schweiz zementiert.

Bergler mag Bergler

Am sympathischsten ist die Schweiz laut der Umfrage den Bayern. Mit 7,13 erreicht die Frage in diesem deutschen Bundesland den höchsten Wert. Teuwsen erstaunt dies nicht: "In Bayern werden die Schweizer verstanden. Wir sind uns viel ähnlicher, als ein Norddeutscher einem Deutschschweizer ist."

Die Berliner hingegen sind am wenigsten überzeugt von der Sympathie der Schweiz, kommen jedoch immer noch auf einen Wert von 6,21. "Ich könnte mir vorstellen, dass da ein gewisser Neid-Faktor eine Rolle spielt", analysiert Teuwsen. "In Berlin geht es den Leuten nicht sehr gut. Die Stadt ist wirtschaftlich bankrott."

Interessanterweise sind es aber auch die Bayern, die der Schweiz am wenigsten Zuverlässigkeit und hohe Qualität attestieren und andererseits die Berliner, die diesen Punkt am höchsten bewertet haben.

"Ich glaube, man muss solche Umfragen auch immer psychologisch betrachten. Weil es den Berlinern schlechter geht, idealisieren sie vielleicht die Schweiz auch ein bisschen."

Wer ist geldgieriger?

Schliesslich stellte die Umfrage auch die freche Frage, welches Volk geldgieriger sei. Über alle Regionen und Befragungsgruppen hinweg liegen diese Werte unter 5. Das heisst, in Deutschland sind viele Menschen der Meinung, sie selber seien geldgieriger als die Schweizer.

"Ich glaube, das hat damit zu tun, dass das Staatsverständnis in Deutschland ein ganz anderes ist als in der Schweiz", schätzt Teuwsen. "In der Schweiz wird der Staat als eine Institution betrachtet, die im Dienste der Bürger steht. In Deutschland ist das anders: Da ist der Staat das bestimmende Element. Die Deutschen haben eine sehr grosse Erwartungshaltung an den Staat."

USA blauäugiger

Isopublic führte die gleiche Umfrage auch mit 1000 Amerikanerinnen und Amerikanern durch. Auffallend dabei ist, dass diese die Schweiz fast durchwegs etwas positiver als die Deutschen einschätzen.

Für Teuwsen überhaupt nicht erstaunlich: "Die Deutschen kennen die Schweizer natürlich sehr viel besser. Ich glaube, so ein Steuerstreit bewegt den 'gemeinen' Amerikaner überhaupt nicht, sofern er ihn überhaupt mitbekommt. Die Entfernung belebt die Idealisierung."

Ins gleiche Horn stösst auch James Davis, Direktor des Instituts für Politikwissenschaften an der Universität St. Gallen: "Die meisten Amerikaner haben das positive Bild eines friedlichen, neutralen Landes in den Bergen, das niemandem Sorgen bereitet", sagt er gegenüber swissinfo.ch.

"Einer der Gründe, warum die Amerikaner die Schweiz so positiv einschätzen, ist die Tatsache, dass sie das Land durch die Brille solcher Klischees sehen."

Image überdenken?

"Die Resultate der Umfrage zeigen im Grossen und Ganzen ein positives, ausgeglichenes und differenziertes Bild unseres Landes", sagt Roberto Balzaretti, Generalsekretär des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA), gegenüber swissinfo.ch. Dies sei auch ein Zeichen dafür, dass die Sensibilisierungsarbeit im Ausland Früchte trage.

Verschiedene ausländische Meinungsführer und Medien hätten eine andere Sicht der Dinge. Dort gelte es verstärkt anzusetzen.

Generell könne man "froh sein um diese Ergebnisse", sagt Doppelbürger Peer Teuwsen: "Die Schweiz hat immer noch einen grossen Sympathie-Bonus im Ausland. Aber in Deutschland scheint das ein bisschen am Bröckeln zu sein."

Das Problem sei die Insel-Stellung des Landes mitten in Europa. "Und da muss sich auch die Schweizer Regierung ihre Gedanken machen." Denn das Thema komme auch in der Bevölkerung langsam wieder auf: "Was soll die Schweiz in Europa? Wäre es vielleicht nicht besser, doch dieser Europäischen Union mittelfristig beizutreten?"

Christian Raaflaub, swissinfo.ch

Die Umfrage

Das Markt- und Meinungsforschungs-Institut Isopublic als Schweizer Mitglied von Gallup International befragte in diesem Juli 998 Personen in Deutschland zum Ansehen der Schweiz in ihrem Land.

Sie wurden mit vier Behauptungen konfrontiert und konnten sich dazu von 1 (überhaupt nicht einverstanden) bis 10 (voll und ganz einverstanden) äussern.

Ebenfalls befragte das Institut im gleichen Zeitraum 1000 Amerikanerinnen und Amerikaner.

Im Vergleich ist das Image der Schweiz in den USA generell etwas besser als in Deutschland.

Die 4 Behauptungen

1. Die Schweiz ist mir grundsätzlich sympathisch

2. Die Schweiz engagiert sich wie andere Staaten auch in der Welt und zeigt sich solidarisch

3. Die Schweizer sind geldgieriger als die Deutschen

4. Die Schweiz steht für Zuverlässigkeit und hohe Qualität



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