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Die Schweiz widersteht Antibiotika

Je grösser die Arztpraxendichte, desto mehr Antibiotika-Rezepte werden ausgestellt.

(Keystone)

Nirgendwo in Europa werden so wenig Antibiotika konsumiert wie in der Schweiz. Dies zeigt eine Studie des Forschungsprogramms "Antibiotikaresistenz".

In den Kantonen gibt es jedoch grosse Unterschiede: So werden in Genf rund dreimal so viele Antibiotika verschrieben wie in Appenzell.

Eine Studie des vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) in Auftrag gegebenen Nationalen Forschungsprogramms "Antibiotikaresistenz" (NFP 49) belegt, dass in der Schweiz ausserhalb der Krankenhäuser europaweit am wenigsten Antibiotika verabreicht werden.

So werden in Frankreich pro 1000 Einwohner täglich über dreissig Tagesdosen Antibiotika verkauft. In der Schweiz dagegen weniger als zehn, wie der SNF mitteilte.

Die Schweiz liegt damit weit unter dem europäischen Durchschnitt. Die Schweizer Ärzte verschreiben Antibiotika vergleichsweise zurückhaltend, konstatierten die Forscher. Grosse Unterschiede zwischen den einzelnen Kantonen machen jedoch klar, dass immer noch unnötig viele Antibiotika geschluckt werden.

Genf an der Spitze

Ärzte in Genf verschreiben rund dreimal so viele Antibiotika pro Einwohner wie jene in Appenzell Ausserrhoden. Generell werden in der Romandie und im Tessin mehr Antibiotika verkauft als in der Deutschschweiz.

Die kantonalen Unterschiede sind laut den Forschern auf kulturelle Unterschiede, aber auch auf die Altersstruktur der Bevölkerung, die Ärztedichte und das Bildungsniveau zurückzuführen.

Mehr Arztpraxen - mehr Antibiotika

Menschen ab 65 Jahren nehmen weniger Antibiotika als Jüngere. Die Autoren vermuten, dass sie wegen fehlendem Kontakt am Arbeitsplatz weniger angesteckt werden.

Je mehr Arztpraxen vorhanden sind, desto mehr Antibiotika werden konsumiert. Ein hohes Bildungsniveau der Patienten und ein hohes Einkommen hingegen bremsen den Konsum. Keinen Einfluss hat die Apotheken-Dichte.

Bei Viren wirkungslos

Antibiotika helfen, bakterielle Infektionen zu bekämpfen. Obwohl sie bei Virus-Erkrankungen wie Grippe oder Erkältung wirkungslos seien, würden sie von Ärzten häufig auch in diesen Fällen verschrieben, schreiben die Forscher. Dies fördere die Entstehung resistenter Bakterien und verursache unnötige Kosten.

Das Verhältnis zwischen dem Antibiotika-Konsum und dem Auftreten resistenter Bakterien soll in einem weiteren Projekt geklärt werden. Ein Wissenschafter-Team um die Infektiologin Kathrin Mühlemann von der Universität Bern entwickelt ein nationales Überwachungssystem für Antibiotika-Resistenzen.

Die Studie zum Antibiotika-Konsum wurde im Fachblatt "Health Policy" veröffentlicht.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Eine immer grössere Anzahl gefährlicher Bakterien erweist sich gegen Antibiotika resistent. Das Risiko steigt weltweit, dass es immer weniger Möglichkeiten gibt, gegen Infektionen vorzugehen.

Das nationale Forschungsprogramm 49 studiert das Problem der Antibiotikaresistenz.

Dotiert mit 12 Mio. Franken soll eine Standortbestimmung der Situation in der Schweiz vorgenommen werden (Sie umfasst Menschen, Tiere, Lebensmittel etc.)
Ziel: Entwicklung eines Überwachungssystem der Restistenzen in der Schweiz.

Studiert werden auch die sozialen, rechtlichen, ethischen und ökonomischen Konsequenzen, die sich aus der Restistenz gegen Antibiotika ergeben.

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